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Yomi: Das kartengewordene Beat-em-up im Test

Yomi ist das kartengewordene Spiel für alle Fans von Beat-em-ups à la Street Fighter & Co. Natürlich haben wir uns das Kartenspiel nicht entgehen lassen und uns spektakuläre Moves und Kombos um die Ohren gehauen.

Autor David Sirlin scheint ein echter Fan von Videospielen und Beat-em-ups im speziellen zu sein. Mit Puzzle Strike legte der Spieleerfinder im letzten Jahr schon einen Titel mit ähnlicher Thematik vor. Statt Poker-Chips kommen diesmal allerdings Spielkarten zum Einsatz.

Erweiterbares Roster

Uns liegt das Starter-Set von Yomi vor, das aus zwei Decks besteht. Jedes Deck steht für einen Kämpfer, namentlich handelt es sich dabei um den Windkrieger Grave und die Phönix-Bogenschützin Jaina. Insgesamt verfügt das Yomi-Universum jedoch über zwanzig Fighter. Die Auswahl im deutschen Handel ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwar noch überschaubar, aber das dürfte sich im Laufe der nächsten Monate sicherlich schnell ändern. Für den Anfang seid ihr mit dem Starter-Set aber auch gut gerüstet. Neben den beiden Decks liegen dem Paket noch zwei Lebenspunkte-Zähler bei sowie natürlich eine umfangreiche Anleitung.

Letztere besteht aus zwei Teilen. Beginnt zunächst mit der Anleitung für die erste Partie. Dort erfahrt ihr alles über die wesentliche Abläufe. Die Referenzanleitung führt euch noch etwas tiefer in die Materie ein und bietet zudem ein Nachschlagewerk.

Das Vorhandensein einer Referenzanleitung verdeutlich dann auch schon, dass Yomi nicht das schnelle Kartenspiel ist, das man in fünf Minuten locker runterspielen kann. Ähnlich wie bei den Videospiel-Prüglern, liegt der Teufel im Detail. Es gibt ziemlich viele Feinheiten zu beachten, die erst einmal trainiert werden müssen. In den ersten Runden wird es kaum gelingen, auf sämtliche Finessen zu achten. Trotz des Glückanteils, spielt Skill in Yomi eben doch eine Rolle.

Yomi Display

Übung macht den Meister

Ihr werdet das kleine Regelheftchen von Yomi also vermutlich am Anfang immer wieder mal zu Rate ziehen müssen. Dabei versucht das Spiel schon, es den Spielern möglichst leicht zu machen. Im Grunde handelt es sich bei den Decks um ganz normale Poker-Kartenspiele. Ihr findet darauf die allseits bekannten Symbole Kreuz, Pik, Herz und Karo wieder, genauso wie die Ziffern 2-10 sowie Bube, Dame, König und Ass. Hinzu kommen noch die Joker und fertig ist das Deck. So behält man eigentlich recht gut im Blick, welche Karten schon gespielt wurden und welche noch im Deck vorhanden sind.

Jeder Kämpfer verfügt natürlich über eigene Stärken und Schwächen. Je genauer ihr euren und den gegnerischen Charakter kennt, desto besser. Vor Spielbeginn erhaltet ihr eine kleine Übersicht mit den Zusatzfähigkeiten der Figur. Dazu gibt es noch eine Karte mit einer Kurzübersicht über die wichtigsten Funktionen des Spiels.

Schnick Schnack Schnuck

Im Kern handelt es sich bei Yomi um eine komplexe Variante von Stein-Schere-Papier. Ein Angriff schlägt einen Wurf, ein Wurf schlägt einen Block oder einen Konter, Konter und Block schlagen den Angriff. Jeder Spieler spielt mit seinem eigenen Deck und beginnt mit sieben Handkarten.

Im Schlagabtausch legt jeder der Duellanten eine Karte verdeckt vor sich aus. Liegen beide Karten auf dem Tisch, werden sie aufgedeckt. Nach dem oben beschriebenen Prinzip wird nun verglichen, wer den Schlagabtausch für sich entscheiden konnte. Klingt eigentlich ganz einfach. Doch es gibt in Yomi so einige Feinheiten zu beachten.

Zunächst einmal hat jede Karte zwei Optionen. Je nachdem welche Kartenseite zur Tischmitte zeigt, wird die eine oder die andere Variante der Karte gespielt. So können Karten beispielsweise entweder als Angriff oder als Block verwendet werden. Nachdem der Gewinner des Schlagabtauschs feststeht, geht der Spaß allerdings auch erst so richtig los.

Todbringende Kombos

Betrachten wir uns die einzelnen Aktionen einmal im Detail. Mit dem Angriff können wird dem Gegner Schadenspunkte zufügen. Sinkt die Lebensenergie des Gegners auf null, haben wir das Spiel gewonnen. Ferner ist der Angriff eine gute Möglichkeit, eine verheerende Kombo zu spielen. Spielt ihr eine lückenlose Ziffernreihe, egal welcher Farbe, reiht ihr mehrere Angriffe hintereinander. Die Schadenspunkte werden addiert. Einige Angriffskarten sind zusätzlich mit dem Begriff „Link“ versehen. Dabei handelt es sich um Karten, die in beinahe allen Angriffsserien eingeschoben werden können, sie können Zahlreihen mit einander „verlinken“. Weiterhin gibt es Karten mit dem Zusatz „Stopp“. Dieser Karten können lediglich am Ende einer Kombo gespielt werden. „Starter“-Karten hingegen müssen immer den Auftakt eines Angriffs bilden.

Yomi Spielkarten

Unter bestimmten Umständen wird eine Kombo auch noch mit zusätzlichen Assen belohnt, die ihr euch vom Ablagestapel oder aus eurem Deck heraussuchen dürft. Die Asse in Yomi sind besonders mächtig. Werden die Asse gebündelt ausgespielt, setzt ihr zu einer besonders effektiven Angriffsreihe an. Ihr kennt diese Supermoves aus Street Fighter oder Mortal Kombat, in Yomi gibt es sie auch.

Gute Defensive

Ein wenig anders werden die Würfe im Spiel gehandhabt. Ein erfolgreicher Wurf bringt ebenso Schaden wie der Angriff. Auch nach einem Wurf kann eine Kombo folgen. Alternativ bringt ihr den Gegner zu Boden, was seine Möglichkeiten im nächsten Zug weiter einschränkt.

Ohne eine gute Defensive werdet ihr das Duell aber kaum gewinnen. Dazu sind die Block- und Konterkarten im Spiel vorhanden. Mit dem Block wehrt ihr einen gegnerischen Angriff ab. Im Erfolgsfall könnt ihr die Block-Karte wieder auf die Hand nehmen und zusätzlich noch eine weitere Karte ziehen. Ihr generiert also einen kleinen Kartenvorteil.

Ein gelungener Konter hingegen erlaubt es euch nicht nur den Angriff zu neutralisieren, sondern auch zu einem Gegenschlag auszuholen. Die Möglichkeit eine Kombo zu starten, habt ihr in diesem Fall allerdings nicht.

Yomi Kartenspiel 01

Viele kleine Hilfestellungen

Insbesondere die vielen Sonderkarten der Decks bringen noch zusätzliche Überraschungen mit sich. Gerade am Anfang müsst ihr einfach ein wenig damit herumexperimentieren und notfalls auch noch einmal in der Anleitung nachlesen. Die Spielkarten selbst geben aber auch noch einmal eine größtmögliche Hilfestellung. Jede Karte verfügt über einen kleinen Text, der noch mal die verfügbaren Optionen für weitere Spielzüge aufzeigt.

Nach dem Ende des Schlagabtauschs gehen die Kämpfer in sich und sammeln im Superschub ihr Kräfte. Ihr könnt nun zusätzliche Asse erhalten, indem ihr Pärchen, Drillinge oder Vierlinge ablegt. Für einen Vierling dürft ihr euch drei Asse heraussuchen, für Drillinge gibt es zwei Asse und ein Pärchen noch ein Ass. Mit den Extra-Assen könnt ihr zu gegebener Zeit dann eure Superattacke bezahlen und entsprechend aufladen.

Aufladen könnt ihr übrigens auch so manche andere Attacke, wenn dies auf der Karte entsprechend vermerkt ist. Je nach Angriff, könnt ihr manchmal bestimmte Karten ablegen, um die Attacke aufzuladen und damit kraftvoller zu machen.

Die erste Partie von Yomi war doch noch recht zäh. Obwohl ich das Regelwerk samt Referenzhandbuch studiert hatte, wollte das erste Match nicht so richtig fluppen. Es bedarf schon ein wenig Geduld und Übung, um das Spiel zu erlernen oder gar zu meistern. In dieser Beziehung ist es seinen Videospiel-Vorbildern nicht so unähnlich. Mit Button-Mashing kommt ihr dort zwar auch voran, richtig Spaß macht es aber erst mit etwas Übung. Nehmt euch in wenig Zeit, um in das Spiel einzutauchen und die Finessen zu erlernen. Yomi eignet sich vielleicht nicht so gut, um es mit ungeübten Spielern an einem Spieleabend zu zocken. Habt ihr aber ein paar Freunde, die mich euch gemeinsam Yomi erlernen wollen, dann guckt euch das Spiel doch einmal an.

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