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Vampire Queen: Das gruftige Kartenspiel im Test

Vampire Queen von Schmidt Spiele rückte bei mir in den Fokus, weil es sich auch in größeren Gruppen mit bis zu 12 Personen spielen lässt. Das Thema sowie das tolle Artwork lassen ebenfalls auf ein interessantes Kartenspiel hoffen. Ob Vampire Queen auch mit spielerischen Qualitäten zu überzeugen weiß, verrät euch der folgende Artikel.

Mit insgesamt 110 Karten kommt Vampire Queen als kleines Paket daher. Weitere Utensilien wie Würfel oder Marker werden nicht benötigt. Auf den Karten befinden sich 14 unterschiedliche Vampir-Typen, die von der Illustratorin Irene Bressel detailreich gestaltet wurden. Weiterhin liegen dem Spiel noch zwei Vampir-Jäger bei, die im Gegensatz zu den Vampiren beidseitig mit einem Portrait der Figur bedruckt sind.

Rettet die Vampire

Soweit ist das Material von Vampire Queen recht überschaubar. Ähnliches gilt auch für das Regelwerk, das auf ein doppelseitiges Beiblatt passt. Ziel des Spiels ist es, seine Vampire in die Gruft zu bringen, bevor die Sonne aufgeht. Leider lauern auf dem Heimweg auch noch die beiden Vampirjäger, die dafür sorgen, dass die Blutsauger ihre sichere Gruft wieder verlassen müssen.

Vampire Queen 01

Zunächst bekommt jeder Spieler seine Handkarten ausgeteilt. Je mehr Spieler an der Partie teilnehmen, desto weniger Handkarten werden zu Beginn verteilt. Der Startspieler bekommt zusätzlich noch den Vampirjäger mit der Stärke 20 auf die Hand, sein rechter Nachbar erhält den zweiten Jäger, der eine Stärke von 15 hat. Diese beiden Spieler haben zu Beginn also jeweils eine Karte mehr auf der Hand als ihre Konkurrenten. Die beiden Vampirjäger haben auf der Rückseite, wie schon erwähnt, keine anonyme Rückseite. Sie sind doppelseitig als Vampirjäger zu erkennen. Somit wissen alle Spieler stets, auf welcher Hand sich die Jäger befinden.

Die Zeit rennt

Zunächst spielt der Startspieler einen beliebigen Vampir aus. Zu beachten ist nun die Stärke des Vampirs, die zwischen eins und drezehn liegt. Die folgenden Spieler dürfen nun auch jeweils einen Vampir ausspielen, dessen Stärke aber immer höher sein muss als der zuletzt gespielte Vampir. Habt ihr keinen passenden Vampir auf der Hand, müsst ihr passen. Alle gespielten Vampire in der Runde haben es in die Gruft geschafft und kommen aus dem Spiel.

Der Startspieler kann sich allerdings auch dazu entscheiden gleich mehrere Vampire auszuspielen. Diese müssen jedoch die gleiche Stärke aufweisen. So könnte er etwa gleich drei Vampire mit einer Stärke von zwei Punkten ausspielen. Seine Mitspieler sind nun gezwungen, ebenfalls Vampir-Drillinge zu spielen. Genau wie im ersten Beispiel muss die Stärke immer weiter erhöht werden.

Vampire Queen 02

Es ist für die Spieler also relativ leicht die besonders starken Vampire loszuwerden, die schwachen Vampire mit einer geringen Stärke bleiben so meist länger auf der Hand und laufen in Gefahr sich bei Sonnenlicht in Asche zu verwandeln. Hat jeder Spieler eine Karte gespielt oder hat gepasst, wird der nächste Teilnehmer in der Reihe zum Startspieler.

Auf der Hut vor den Vampirjägern

Eine Besonderheit in Vampire Queen stellen die Vampirjäger dar. Ein Vampirjäger kann immer nur vom Startspieler gespielt werden. Die folgenden Spieler müssen in diesem Fall die Stärke der gespielten Vampire nicht immer weiter erhöhen. Der Spieler, der in dieser Runde den stärksten Vampir gespielt hat, muss allerdings alle ausgelegten Karten auf die Hand nehmen, auch den Vampirjäger.

Wenn ihr euch also noch einen starken Vampir als letzte Karte aufgehoben habt, um das Spiel für euch zu entscheiden, kann ein Vampirjäger eure gesamten Pläne durchkreuzen. Es gilt also gut abzuwägen, in welcher Reihenfolge ihr die Karten ausspielt. Dieses taktische Element von Vampire Queen ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn die Regeln auf den ersten Blick einfach aussehen, so liegt der Teufel wie so oft im Detail.

Die Vampire Queen

Doch was hat es eigentlich mit der namensgebenden Vampire Queen auf sich? Die Vampirkönigin ist besonders wandelbar. Sie lässt sich prima als Joker verwenden. Müsst ihr beispielsweise einen Drilling spielen, habt aber nur zwei gleiche Karten auf der Hand, so könnt ihr die Vampire Queen in die fehlende Karte verwandeln. Auch der Vampirjäger lässt sich von den Kräften der Königin täuschen. Wird ein Vampirjäger ausgespielt, nimmt die Vampire Queen stets eine Stärke von einem Punkt an.

Vampire Queen 03

Ein Durchgang endet, sobald ein Spieler alle seine Vampire in der Gruft untergebracht hat, sich also keine Karten mehr auf seiner Hand befinden. Dieser Spieler beendet den Durchgang mit null Minuspunkten. Alle anderen Spieler zählen nun die Stärkepunkte ihrer Vampire auf der Hand zusammen und errechnen daraus ihre Minuspunkte für den Durchgang. Die Vampire Queen schlägt bei der Abrechnung leider dann auch besonders heftig zu Buche. Habt ihr zum Ende der Partie noch eine Königin auf der Hand, bringt sie euch satte 14 Minuspunkte ein. Die Vampirjäger werden weiterhin mit 15 und 20 Minuspunkten gewertet.

Die Vampirjäger verbleiben dabei auf der Hand ihrer jeweiligen Besitzer. Sie werden mit in die nächste Runde genommen. Der Spieler, der den 20er Vampirjäger auf der Hand hat, wird dadurch auch zum nächsten Startspieler. Das Regelwerk selbst schlägt vor, Vampire Queen über fünf Runden zu spielen. Ihr könnt die Spieldauer allerdings variieren, wenn ihr die Anzahl der Durchgänge verändert. Bei fünf Durchgängen dauert ein Match Vampire Queen etwa eine halbe Stunde, hängt aber natürlich auch stark von der Zahl der Teilnehmer ab.

Wolfgang Kramers Kartenspiel hat das Vampirthema wunderbar umgesetzt, auch wenn es am Ende doch nicht so gruselig ausfällt, wie es das Cover zunächst vermuten lässt. Herausgekommen ist ein schnelles Spiel mit eingängigem Regelwerk, das sich auch in etwas größeren Gruppen gut spielen lässt. Trotz der einfachen Regeln und des fast schon minimalen Materialaufwands ist Vampire Queen durchaus ein Spiel mit taktischem Tiefgang. Es ist gar nicht so einfach, die Vampire so geschickt auszuspielen, dass es am Ende tatsächlich alle Blutsauger in die Gruft schaffen. Die Faktoren Vampire Queen und Vampirjäger sind nicht nur spaßige Elemente, sondern machen das Spiel auch noch unberechenbarer. Easy to learn, hard to master… das kostet mich zwar drei Euro für das Phrasenschwein der Redaktion, im Falle von Vampire Queen trifft dieser abgedroschene Spruch aber dennoch voll zu.