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Valkyria Chronicles: Konsolen-Strategiespiel im Test

Hobbystrategen tummeln sich trotz des Vormarsches der Spielekonsolen vor allem im Bereich des PC-Gaming. Strategiespiele sind vor allem auf der Konsole nur sehr schwach vertreten. Umso erfreulicher ist es, wenn sich ein gelungener Abgesandter des verpönten Genres auf die Playstation 4 verirrt.

Die Remastered Edition von Valkyria Chronicles glänzt nicht nur mit einer generalüberholten Optik, sondern auch mit einem großen Umfang. Neben dem Hauptspiel sind auch die DLCs Hard EX Mode, Edy´s Mission, Selvarias Mission und Challenge oft he Edy Detachment enthalten. Wir haben uns das Kleinod genauer angesehen.

Zu Besuch in der Heimat

Eigentlich hätte es ganz anders laufen sollen… Welkin, Sohn des überragenden Generals Gunthers und Student der Naturwissenschaft, wollte lediglich bei der Evakuierung seines Dorfes und seiner Familien behilflich sein. Doch als die ersten Soldaten der Imperialen Allianz vor dem Heimatdorf aufmarschieren wird ihm eines schmerzlich bewusst: Er ist zu spät! Die gegnerische Armee hat die Grenzen zu Gallia bereits überschritten und hat damit angefangen die Dörfer zu erobern. Es bleibt ihm nichts anderes übrig als zur Waffe zu greifen und die dörfische Miliz zu unterstützen….

Der Europäische Krieg

Sekunde… Imperiale Allianz, Gallia und Europa? Valkyria Chornicles spielt in einem alternativen Szenario und bedient sich zumindest geographisch an den Grenzen und Machtgefügen Europas. Zwei große Faktionen stehen sich in einem umfassenden Krieg um die wertvolle Ressourcen Ragnit gegenüber. Die Imperiale Allianz im Osten sowie die Atlantische Föderation. Gallia hingegen ist ein kleines autarkes Fürstentum, welches sich zur Neutralität verpflichtet hat. Die großen Vorkommen von Ragnit jedoch lassen diese Neutralität nicht zu. Die Imperiale Allianz startet eine Großoffensive gegen den kleinen Staat. In einem ungleichen Kampf schlagen wir uns in der Rolle von Welkin Gunther auf die Seite des Fürstentums und verteidigen unsere Heimat mit der Macht der Verzweiflung.

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Story im Fokus

Schon sehr früh im Spiel wird klar, die Entwickler haben ein großes Augenmerk auf die Handlung gelegt. Valkyria Chronicles nimmt sich Zeit, seine Protagonisten und selbst die Feinde detailliert vorzustellen. Persönliche Banden und soziale Probleme sind ebenso im Fokus der Geschichte wie die eigentlichen Kampfhandlungen. Der Handlungsverlauf wird vorwiegend in kurzen, animierten Comic-Strips wiedergegeben. Die Dialoge sind dabei allesamt vertont – und das auf hohem Niveau. Die Sprecher haben einen überwiegend guten Job gemacht. Der Inhalt der Dialoge jedoch ist nicht besonders tiefgehend und teilweise vorherseebar. Valkyria Chronicles richtet sich diesbezüglich vor allem an Nachwuchsstrategen.

Liebevoll im Detail

Nicht nur die Story, sondern auch die Optik ist sehr kinderfreundlich gehalten. Der unschuldige Comic-Look verzichtet auf die Darstellung von Blut oder ähnlichen Stilmitteln. Die Welt selbst ist ungemein bunt und zugleich liebevoll animiert worden. Trotz des angestaubten Grafikgerüstes bietet Valkyria Chronicles durchaus etwas fürs Auge. Die Landschaften sind abwechslungsreich und authentisch gestaltet. Wer seine Augen offen hält, findet nette Details und kann sich an malerischen Landschaften erfreuen.

Erfahrene Taktiker sind gefordert

Im Kontrast zum kindlichen Grundgerüst gestaltet sich der Schwierigkeitsgrad. Selbst erfahrene Strategen werden rasch stark gefordert in den Gefechten. Die taktische Planung beginnt bereits beim Aufstellen des Teams. In kleinen Einsatztrupps von bis zu 15 Soldaten gilt es verschiedene Missionen zu erfüllen. Diese gestalten sich mehr als abwechslungsreich. Neben dem klassischen Erobern der Feindbasis sind auch Spezialmissionen zu erfüllen. So müssen wir in unserer Rolle als Welkin durch die feindlichen Reihen schleichen und weichen geschickt Mörsergranaten aus. Besonders spannend ist der Kampf gegen den Super-Panzer der Imperialen Allianz. Nur wenn wir geschickt die verschiedenen Deckungen nutzen und gezielt auf die Schwachpunkte der Feinde zielen, ist ein Sieg gewiss.

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Den Überblick behalten

Die Gefechte werden in zwei verschiedenen Perspektiven gespielt. Der Kartemodus gibt uns einen detaillierten Überblick über die Positionen unserer Einheiten und zeigt, soweit wir sie sehen können, auch die Standorte der gegnerischen Soldaten an. Die Anzahl der Züge pro Runde werden am oberen Bildschirm angezeigt. Normale Soldaten verbrauchen einen Kommandopunkt, Panzer hingegen das Doppelte. Die hohe Durchschlagskraft der Kriegsmaschine hat demnach seinen Preis. Es gilt abzuwägen, ob zwei schnelle Angriffe des Soldaten nicht mehr ausrichten können als ein massives Geschoss des Panzers.

Echtzeit trifft auf Rundenstrategie

Ist eine Einheit ausgewählt, wechselt das Spiel in einen Misch aus Echtzeit- und Rundenstrategiespiel. Gesteuert werden die Protagonisten stets in der 3rd Person Sicht. Jede einzelne Bewegung verbraucht Punkte. Die Bewegungspunkte werden am unteren Bildschirmrand eingeblendet und sind von Einheit zu Einheit verschieden. Während der Sniper nur sehr langsam vom Fleck kommt, können die Scouts bis zu 5 Mal weiter laufen und legen pro Zug halbe Marathons zurück. Während der Bewegung wird das Spiel in Echtzeit fortgesetzt. Sind wir in der Nähe eines Feindes, eröffnet dieser kurzerhand das Feuer. Erst durch das Auslösen des eigenen Feuermodus wird die Zeit erneut eingefroren. Nun haben wir genug Zeit den Gegner anzuvisieren. Nun gilt es zu entscheiden, welche Körperzone in den Fokus genommen werden soll. Das Anvisieren gibt lediglich einen groben Ansatzpunkt vor. Ob der Feind getroffen wird oder nicht, hängt von den Fähigkeiten des ausgewählten Soldaten ab. Zielen wir auf den Kopf ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Ziel verfehlt wird. Die Kopftreffer jedoch sind verheerend und schalten selbst gepanzerte Soldaten rasch aus.

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Veteranen auf dem Schlachtfeld

Gehen wir besonders effektiv in den Schlachten vor, winken Erfahrungspunkt- und Geldprämien. Erstere dienen zum Aufwerten unserer Soldatentypen. Insgesamt fünf verschiedene davon werden in Valkyria Chronicles geboten: Scout, Sniper, Lancer, Shooktrooper und Ingenieur. Der Scout ist der Aufklärer der Truppe und kann dank seines hohen Bewegungsradius auch weit entfernte feindliche Einheiten aufdecken. Vor allem der Sniper profitiert von der Aufklärungsarbeit. Aus weiter Entfernung schaltet dieser per Kopfschuss einzelne Ziele aus. Der Lancer hingegen beharkt mit seinen Raketen vor allem Panzer. Der Ingenieur hingegen sorgt für einen regelmäßigen Nachschub an Munition und kann unseren eigenen Panzer – die Edelweiss – wieder auf Vordermann bringen.

Das erbeutete Geld hingegen können wir in bessere Ausrüstung und Waffen stecken. Ein Großteil der Gelder fließt jedoch in den Ausbau unseres Panzers, der Edelweiss. Stärkere Stahlplatten, zusätzliche Munitionsvorräte, Kettenschutzsysteme oder die Verbesserung des Waffensystems sind sehr kostenintensiv.

Valkyria Chronicles hat mir von der ersten Minute an sehr gut gefallen. Die detailliert präsentierte Storyline und die ansprechenden Charaktere fesseln von der ersten Minute an. Leider sind die Dialoge sehr kindlich gehalten und werden erwachsene Strategen womöglich abschrecken. Wer sich damit jedoch anfreunden kann, wird mit einem durchdachten und absolut gelungenen Strategiespiel belohnt. Vor allem die Mischung aus Echtzeit- und Rundenstrategie konnte mich überzeugen.