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Total War Warhammer: Epischer Strategiebrocken im Test

Wie lange haben wir auf einen Zusammenschluss dieser Art gewartet? Die Total War –Serie gehört zu den beliebtesten im Bereich des Strategiespiels. Auch das Warhammer-Universum ist in der Videospielbranche mitnichten unbekannt. In Total War – Warhammer treffen die beiden Giganten nun erstmalig aufeinander. Das vermeintlich überwältigende Endergebnis haben wir uns einmal genauer angesehen.

Total War – Eine Welt ohne Frieden

Fans des Universums werden die gnadenlose Welt von Warhammer bereits kennen. Kriege sind an der Tagesordnung. Die verschiedenen Fraktionen der Zwerge, Menschen, Orks, Vampire und Elfen kämpfen stetig um die Vorherrschaft der zerrütteten Welt. Das bereits etablierte Konzept von Total War passt wie die Faust auf’s Goblinauge in dieses Szenario. Doch trotz seiner großen Vielfalt wird das Warhammerkonzept nur teilweise von den Entwicklern umgesetzt. Lediglich vier verschiedene Fraktionen stehen dem Spieler zur Auswahl: Das Imperium, die Orks, die Zwerge sowie die Vampire.

Großer Krieg mit großen Einschränkungen

Wer die Serie Total War in den letzten Jahren verfolgt hat, verbindet vor allem eines mit dem Strategiespiel: Komplexität. Genau in diesem Punkt brechen die Entwickler mit traditionellen Werten und kürzen zahlreiche Spielmechaniken der Vorgänger radikal weg. Vor allem das Stadtmanagement ist kaum wieder zu erkennen. Die Lebensmittelversorgung oder Probleme wie Verschmutzung kennt die Welt von Warhammer scheinbar nicht. Auch das Wirtschaftssystem ist stark vereinfacht worden. Das Einkommen, fraktionsabhängig berechnet in Gold oder Magie, berechnet sich nun schlicht und ergreifend durch die Boni der verschiedenen Wirtschaftsgebäude und dem Handel abzüglich der Aufwendungen für die Armee. Abzüge durch Unzufriedenheit, Korruption oder andere Mali sind im neusten Teil der Total War Reihe nicht mehr gegeben. Vor allem erfahrene Fans werden dadurch vor den Kopf gestoßen.

Einsteiger wird es freuen

Des einen Freud, des anderen Leid… Vor allem Einsteiger werden die „Entschlackung“ des Systems begrüßen. Zumal sich die Entwickler die Zeit genommen haben, ein umfassendes Tutorial zu gestalten. Dieses hilft Neulingen dabei, sich mit der Steuerung und mit den durchaus immer noch komplexen Spielmechaniken auseinander zu setzen. Dies geschieht vor allem in Form eines Beraters, der in kleinen, gut vertonten Textfenstern hilfreiche Anweisungen und Tipps zum aktuellen Spielgeschehen von sich gibt. Wenn es jedoch um das Verständnis der Spielmechaniken im Hintergrund geht, bringt vor allem das im Spiel integrierte Online-Wiki Erleuchtung. Hier können die einzelnen Erläuterungen, Werte, Mechaniken und Tipps im Detail eingesehen werden.

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Die spielbaren Fraktionen

Eine weitere Neuerung des neusten Ablegers der Total War Reihe ist die Einschränkung auf lediglich vier spielbaren Fraktionen. Bevor nun jedoch eingefleischte Fans verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sei angemerkt, dass die Entwickler diese Entscheidung zu Gunsten einer höheren Komplexität getroffen haben. Jede der vier Fraktionen bietet nicht nur eigene Einheiten, sondern eine einmalige Spielweise. Weiterhin erzählen Menschen, Zwerge, Orks und Vampire eine eigene Geschichte samt den dazugehörigen Nebenquests.

Der lange Weg zum Sieg

Um das Spiel zu gewinnen, müssen die einzelnen Kampagnenziele erfüllt werden. Der Weg dorthin ist mehr als aufwendig, dynamisch und absolut spannend gestaltet. Grundsätzlich müssen die der gewählten Fraktion entgegengestellten Völker bekämpft werden. Sprich: Als Vampire ist es unsere Aufgabe, sowohl das Imperium als auch die Zwerge und das Königreich Bretonia zu zerschlagen. Weiterhin müssen sich mindestens 20 Provinzen in unserer Hand oder im Einflussbereich unserer Vasallen und militärischer Verbündeter befinden. Keine leichte Aufgabe, denn jede Provinz besteht aus bis zu vier Städten und Dörfer.

Öffentliche Ordnung und Korruption

Oftmals ist das Einmarschieren und Beseitigen des gegnerischen Militäraufkommens der einfachere Part. Um eine Provinz für sich zu beanspruchen müsst ihr nicht nur als Eroberer, sondern auch als Verwalter erfolgreich sein. Eure wichtigste Aufgabe dabei ist die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Sinkt diese auf einen Wert von –100, sind Aufstände die Folge. Durch verschiedene Gebäude wie Gasthäuser oder – als Fraktion der Vampire – Galgen, erhöht die Zufriedenheit des hiesigen Pöbels. Für die Zufriedenheit der Bevölkerung ist weiterhin der Grad der vampirischen Korruption zu beachten. Während Bürger des Imperiums auf die Barrikaden gehen, wenn Vampire öffentlich ein und aus gehen, sind die Städte der Vampire erbost über eine mangelnde Korruption.

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Fortschritt auf der Kampagnenkarte

Nicht nur in den Städten und Dörfern, sondern auch auf der Kampagnenkarte spielt die Korruption eine große Rolle. Gebiete, die von Vampiren korrumpiert wurden, richten selbst beim Durchmarschieren bei anderen Völkern gehörigen Schaden an. So kann es sein, dass die eigene Armee allein durch den Marsch durch ein vampirisches Gebiet soweit geschädigt wird, dass diese zu einem leichten Ziel für den feindlichen Kommandanten wird. Auf der anderen Seite erleiden die Horden der Untoten erhebliche Abzüge bei Angriffen in nicht korrumpierten Gebieten. Auf diese Weise wird vor allem der Kampagnenfortschritt der Vampire maßgeblich beeinflusst. Wer möglichst geringe Verluste erleiden und Städte mit mächtigen Verteidigungsanlagen angreifen möchte, sollte zunächst Agenten vorschicken und für ein gewisses Ausmaß an vampirischen Stadtbewohnern sorgen. Ähnlich wie die öffentliche Ordnung geht die Korruption vor allem von bestimmten Gebäuden aus. Eine Vampirgruft oder Opferaltäre erhöhen den Grad der Verseuchung stark. Auf der anderen Seite können Tempel des Sigmar den Grad der Korruption effektiv bekämpfen. Auch Sonderfähigkeiten von Helden und Kommandanten können Korruption aufbauen oder verhindern.

Von Helden und Kommandanten

Auch abseits der Stadtverwaltung spielen Kommandanten und Helden eine entscheidende Rolle. Erstere dienen als Anführer der teils gewaltigen Armeen. Anders als in den vorangegangenen Teilen der Total War Serie, mischen die Anführer als Einzelpersonen gehörig mit im Kampfgeschehen. Ausgestattet mit hohen Lebenspunkten und Attackewerten können sie selbst eine Übermacht empfindlich schädigen und über lange Zeit aufhalten. Der eigentliche Sinn und Zweck des Anführers ist jedoch nach wie vor die Aufrechterhaltung der Moral in der Schlacht. Mischt der Kommandant im Schlachtengetümmel mit, bleiben auch stark angeschlagene Soldaten treu an seiner Seite. Gleiches gilt für die Helden im Spiel. Diese sind ähnlich durchschlagskräftig wie die Kommandanten, können jedoch keine Armee anführen. Ihre Spezialität sind Attentate. Sie zerstören gegnerische Gebäude, verzögern den Fortschritt feindlicher Anführer oder greifen gezielt Einheiten einer Armee an um diese zu schwächen. Dabei stehen dem Spieler Helden verschiedenster Art zur Verfügung. Als Hexenjäger beispielsweise können wir besonders effektiv andere Helden und Kommandanten meucheln, während Vampire für eine Korruption auf Feindesgebiet sorgen können.

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Das Chaos regt sich

Neben den verfeindeten Fraktionen stürzt sich im weiteren Spielverlauf eine besonders große Bedrohung mit in den Krieg. Das barbarenähnliche Volk aus dem Norden startet mit einer großen Anzahl an Einheiten und fällt wie ein Schwarm Heuschrecken über die gesamte Kampagnenkarte her. Das Chaos ist der unberechenbare Faktor und bringt eine angenehme Dynamik ins Spielgeschehen. Zumal sich die Gesinnung des Chaos auch unter den eigenen Truppen ausbreitet. Priester, Tempel und das Töten von Agenten des Chaos können eine solche Entwicklung verlangsamen oder gar ganz unterbinden.

Rollenspielcharakter

Durch erfolgreiche Einsätze und Schlachten erlangen sowohl Helden als auch Kommandanten Erfahrungspunkte. Pro Levelaufstieg steht ihnen ein Fähigkeitspunkt zur Verfügung, der in neue Zauber und Fähigkeiten, passive Kampf- oder Verwaltungsboni investiert werden können. Legendäre Anführer können Reittiere wie Pferde, Greifen oder gar einen Zombiedrachen freischalten. Weiterhin können Gegenstände der verschiedensten Art gefunden und ausgerüstet werden. Diese bieten zusätzliche Boni wie Angriffsschaden, Geschossresistenz oder zusätzliche Führerschaft für unsere Truppen. Zu guter letzt stehen dem Kommandanten zahlreiche Berater und Diener zur Seite. Diese bieten ebenfalls Boni und können bei Bedarf ausgetauscht werden.

Auf in die Schlacht

Die wahre Stärke des Spiels geht von den abwechslungsreichen Massenschlachten aus. Total War – Warhammer schickt teils Legionen von mehreren Tausend Kriegern auf einmal ins Getümmel. Damit der Wust an Einheiten steuerbar bleibt, sind diese in Regimenter von bis zu 100 Mann aufgeteilt. Diese werden als eine Einheit gesteuert und können entsprechend positioniert werden. In der Praxis funktioniert das sehr gut. Eine kleine Übersichtsanzeige am unteren Bildschirmrand gibt in Kürze alle wichtigen Informationen zu jedem Regiment wieder. Selbst bei großen Massenschlachten bleiben die Einheiten dadurch steuerbar.

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Stürmen der Stadtmauern

Gefechte rund um befestigte Städten sind besonders eindrucksvoll gestaltet. Bevor die Stadt in unsere Hände fallen kann, gilt es die Stadtmitte zu erobern. Diese wird durch eine entsprechende Markierung sichtbar gemacht. Im Normalfall jedoch versperren die in der Garnison stationierten Einheiten den Weg dorthin. Die größte Gefahr jedoch geht von den dicken Mauern und engen Gassen aus. Diese verhindern eine schnelles Erstürmen der Stadt und sorgen dafür, dass unsere Truppen möglichst lange dem Beschuss durch Bogenschützen und Geschützen ausgeliefert sind. Mit Rammbock, Kanonen und Belagerungstürmen versuchen wir als Angreifer diese Hürden möglichst schnell zu überwinden.

Eine Frage der Moral

Sieg und Niederlage werden nicht nur die die Größe der Truppen und der Durchschlagskraft der Belagerungsmaschinen bestimmt. Die Moral spielt eine wichtige Rolle in den Total War Spielen. Ist diese einmal gebrochen, rennen die Truppen in Panik vom Schlachtfeld und sind vorerst nicht mehr einsetzbar. Die Nähe zum eigenen Kommandanten, Helden oder die Unterstützung durch andere Truppen können die Moral wiederherstellen. Die einzige Ausnahme stellen die Truppen der Vampire dar. Die untoten Horden laufen nicht davon sondern kämpfen bis zum letzten. Bei einem Moralverlust nehmen diese jedoch großen Schaden und zerfallen zusehends.

Hardcore-Strategen und alteingesessene Fans der Total War Serie werden anfangs eventuell leicht enttäuscht sein. In Sachen Komplexität kann der neuste Ableger nicht mit seinen Vorgängern mithalten. Wer damit jedoch leben kann, wird mit einem (immer noch) tiefgreifenden und einsteigerfreundlichen Spiel belohnt, das einen hohen Wiederspielwert besitzt. Jede der einzelnen Fraktionen spielt sich anders und ist es wert, ausgetestet zu werden.