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Street Fighter V: Comeback der Traditionsreihe im Test

Street Fighter V möchte eine neue Ära des Beat-‚em-up-Genres einläuten. Doch die Konkurrenz wie etwa Mortal Kombat X hat bereits gut vorgelegt. Ob die Traditionsreihe von Capcom da noch einmal etwas drauflegen kann? Wir haben uns mittlerweile schon blutige Nasen geholt und verraten euch, was die Stärken und Schwächen des neuen Serienteils sind.

Beat-‚em-ups waren über viele Jahre hinweg eines der zugkräftigsten Genres für die Konsolen. Ihr erinnert euch sicher noch an die Anfangszeiten so bekannter Reihen wie Tekken, Mortal Kombat, Virtua Fighter oder Soul Calibur. Mittlerweile sind Prügelspiele nicht mehr ganz so en vogue. Die Abstände zwischen dein einzelnen Serienteilen werden länger und die Konkurrenz auch etwas dünner. Wenn Capcom ein neues Street Fighter ins Rennen schickt, horcht die Spielerschaft aber immer noch auf. Nach wie vor steht die Reihe nicht nur für Tradition, sondern auch für Qualität.

Evolution statt Revolution

Capcom hat sich bei der Entwicklung von Street Fighter V dazu entschieden, nicht wieder alles auf null zu stellen. Wenn ihr euch mit dem letzten Teil beschäftigt habt, werdet ihr auch mit dem aktuellen Spiel schnell zurecht kommen. Über Jahre hinweg eintrainierte Moves funktionieren auch fast dreißig Jahre nach dem Start der Reihe immer noch. Selbst die Street-Fighter-Debütanten lassen sich schnell erlernen und meistern, da sich ihre Move-Sets doch stark an den anderen Kämpfern orientieren.

Damit wären wir auch schon gleich bei einem großen Manko von Street Fighter V. Der Kader ist im Vergleich zum Vorgänger doch erheblich geschrumpft. Gerade einmal 16 Kämpfer haben es ins fertige Spiel geschafft. Damit knackt Street Fighter V zwar nicht den Minusrekord, kratzt aber doch deutlich an dieser Marke. Fairerweise sei an dieser Stelle jedoch eingeräumt, dass Capcom bereits weitere Charaktere zum kostenlosen Download in Aussicht gestellt hat. Stand heute ist die Auswahl der Kämpfer allerdings mehr als enttäuschend.

2015.05.08 Street Fighter V

Zur Wahl stehen euch altbekannte Recken wie Ryu, Ken, Chun Li oder Zangief. Doch auch ein paar Neuzugänge sind zu verzeichnen. Die gelenkige Brasilianerin Laura setzt sich mit Jiu Jitsu zu Wehr, während der Araber Rashid auf effektive Wirbelwind-Attacken setzt. Auch wenn die Quantität nicht stimmt, ist doch für jeden Spielertyp etwas dabei. Kräftige Kämpfer wie Zangief stehen wieselflinken Figuren wie Chun Li gegenüber oder treten gegen Allrounder wie Ryu an. Auch ein paar skurrile Charaktere wie der vermutlich bestens bekannte Dhalsim haben es ins Spiel geschafft.

Capcom muss nachlegen

Leider hat Street Fighter V nicht nur Nachholbedarf bei der Auswahl der Figuren. Auch bei den Spielmodi muss dringen nachgebessert werden. In Zeiten von VDSL und Always-On-Konsolen mag es zwar etwas altmodisch klingen, doch einen vernünftigen Arcade-Modus für Solisten hätte Capcom ruhig ins Spiel einbauen dürfen. Schließlich gehört dieser seit Jahr und Tag zu den Grundpfeilern der Reihe. Zwar hat Capcom jedem Charakter eine eigene Story spendiert, die aber kaum der Rede wert ist. Die „Geschichte“ besteht aus zwei bis vier Kämpfen, die mit ein paar Standbildern unterfüttert wird. Hier haben Konkurrenten wie Mortal Kombat deutlich mehr auf der Pfanne. Auch hier muss jedoch die Anmerkung folgen, dass Capcom bereits kostenlosen Nachschub angekündigt hat. In Zukunft wird es also hoffentlich wohl auch einen ausgefeilteren Story-Modus geben.

street fighter v

Alte Qualitäten bleiben erhalten

Doch wie heißt es so schön? Die Wahrheit liegt auf dem Platz… oder der Straße. Spielerisch ist Street Fighter V immer noch der Platzhirsch. Als Spieler hat man immer das Gefühl, sämtliche Aktionen der Kämpfer sind mit etwas Übung gut zu meistern. Die Steuerung geht super von der Hand und ist sehr transparent. Problemlos könnt ihr die Move-Listen der Kämpfer einsehen und alle Aktionen genau studieren.

Alte Qualitäten bleiben somit erhalten. Es gibt aber auch ein paar sinnvolle Neuerungen. Die oft kritisierten Focus-Attacken sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Sie waren schicht zu kompliziert und schlecht auszuführen. Neu dabei sind dafür jetzt die Critical Arts, die allerdings den Ultra Moves aus dem letzten Teil entsprechen. Mit erfolgreichen Attacken füllt sich langsam eine Spezialleiste. Ist diese gefüllt kann jeder Kämpfer einen besonders effektiven Specialmove ausführen, die auch optisch eindrucksvoll inszeniert sind.

Street Figher V 01

Es gibt auch einen gegenteiligen Effekt, die sogenannte V-Gauge. Wenn ihr besonders viel einstecken musstet, bekommt ihr für kurze Zeit einen kleinen Angriffsbonus, der euch vielleicht gerade noch über das Ziel bringt. Dazu gibt es noch die V-Attacken, mit denen Ryu & Co. eigene Spezialmanöver per Tastendruck auslösen können.

Eine Frage des Balancings

Ein ganz wichtiger Punkt bei Beat-‚em-ups ist natürlich das Balancing der einzelnen Kämpfer. Hier muss man Capcom wieder einmal gute Arbeit bescheinigen. Es gibt jedoch Charaktere, die für Anfänger mal mehr mal weniger geeignet sind. Während sich Fleischberg Zangief eher an fortgeschrittene Spieler richtet, so zaubern Neulinge mit Rashid schon recht schnell tolle Kombinationen aufs Parkett.

Technisch hat Capcom ebenso ganze Arbeit geleistet. Wie es sich für ein schnelles Kampfspiel gehört, flitzen die Street Fighter immer mit geschmeidigen 60fps über den Bildschirm. Kein Ruckeln, kein Zuckeln. Alle Aminationen sind geschmeidig, auch wenn es mal hektisch zugeht. Lob hat sich Capcom auch für den Online-Part verdient, der sich als sehr stabil erwiesen hat. Ohne ein gut funktionierendes Online-Spiel wäre Street Fighter V aber auch kaum spielbar, dank des mageren Solospieler-Anteils. Kritik gibt es hingegen für die langen Ladezeiten zwischen den einzelnen Kämpfen. So etwas wollen wir im Jahr 2016 nun wirklich nicht mehr sehen.