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Star Fox Zero im Test

Star Fox Zero ist pure 90er Nostalgie: Gameplay, Story und selbst die Grafik erwecken wohlige Erinnerungen an eine Zeit als die Welt noch einfacher war. Doch nicht alles von früher ist außerhalb der verklärten Erinnerungen tatsächlich besser als heute.

Star Fox Zero bietet soliden Spaß, wirkt jedoch etwas aus der Zeit gefallen – und wird von einer Steuerung begleitet, die im gnädigsten Fall als bewöhnunsgbedürftig bezeichnet werden darf.

Ist das ein Remake oder ein neues Spiel?

Startet man Star Fox Zero gewinnt die Nostalgie zunächst Oberhand. So sehr gar, dass man sich zunächst nicht sicher ist, ob man nun gerade ein vollkommen neues Spiel oder ein Remake vom N64-Klassiker Lylat Wars spielt. Egal, ob Setting, Story und sogar Grafik: Alles kommt einem so vertraut vor, dass die Grenzen zu zerfließen scheinen. Das erste Level macht hierbei keine Ausnahme: Natürlich geht es auf dem erdähnlichen Planeten Corneria los, dessen Levelaufbau stellenweise direkt aus dem N64-Vorgänger übernommen zu sein scheint.

star fox zeroDie Antwort auf die Frage ist: Nein, Star Fox Zero ist kein Remake. Die Planeten, die man in Star Fox Zero erkundet, sind zwar allesamt bereits aus Star Fox oder Star Fox 64 bekannt, es dauert jedoch nicht lange bis man feststellt, dass der Levelaufbau trotzdem immer neu ist: Alte Schauplätze, neue Action. Dadurch zieht sich jedoch ein Gefühl der fehlenden Eigenständigkeit durch das komplette Spiel hindurch: Star Fox Zero wirkt stets ambitionslos, als hätte man sich damit zufrieden gegeben, altbekanntes in veränderter Form neu aufzukochen, statt wahrhaft Neues zu erfinden. Es fehlt an handfesten Überraschungen — und bis zum Schluss war ich mir nicht ganz sicher, ob es eigentlich eine neue Story erzählt oder die alte Geschichte ein weiteres Mal.

Flotter Arcade-Spaß mit Makeln

Arcade-Shooter sind in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten und heutzutage kaum mehr eine Randnotiz des Videospiel-Alltags. Mit seinem Sturrsinn, die Trends der vergangenen 20 Jahre zu ignorieren, versprüht Star Fox Zero somit einen angenehmen Hauch nostalgischer Frische. Leider treffen im Spielverlauf große Höhen auf langweilige Tiefen.

Star_Fox_Zero_012Klassische On-Rails-Levels wie Corneria in denen man automatisch durch eine Action-Achterbahn gelenkt wird, sind purer, simpler Spaß in Reinkultur. Leider gibt es davon jedoch nicht genug: In den meisten Stages setzt man auf All-Range -Bewegungsfreiheit, in welchen man sich mit Arwing und Co frei auf einem Planeten oder im Weltraum bewegen kann, um allerhand Aliens aufs Korn zu nehmen. Doch wie schon in der Vergangenheit sind dies stets die Stellen, an denen Star Fox am wenigsten Spaß macht. In einem offenen Raum Gegner abzuballern, ist einfach nicht so spaßig wie einem schön orchestriertem Levelablauf beizuwohnen.

In Star Fox Zero stehen dem Star Fox-Team wieder einmal verschiedene Vehikel zur Verfügung: Der ikonische Arwing eignet sich für agile Ballereien in der Luft wie im Weltraum und kann sich nun auch in einen wendigen Walker verwandeln, der auf dem Boden wie ein Huhn marschiert und auch kleine Areale erkunden kann. Mit dem Landmaster befindet sich zudem ein Panzer im Repertoire des Star Fox-Team, welcher für gewaltreiche Bodeneinsätze prädestiniert ist und für kurze Momente sogar schweben kann. Als letztes Gefährt ist der Gyrowing im Gepäck. Eine langsame Drohne, die mit einem kleinen Roboter ausgestattet ist — und die in absolut grauenhaften Leveln eingesetzt wird, die mit Leichtigkeit den spielerischen Tiefpunkt von Star Fox Zero markieren.

Der Umfang ist gewohnt kurz: Der erste Durchgang von Star Fox Zero dauert knapp 4 Stunden. Anschließend gibt es neue Routen — die in Star Fox Zero aber leider etwas enttäuschend ausfallen — und Bonuslevel zu entdecken, während man in den verschiedenen Stages auf Medaillenjagd geht. Wer allerdings die Lust verliert, sobald der Abspann über den Bildschirm läuft, wird mit seiner Investition weniger glücklich.

Die Steuerung

Okay, nun habe ich mich lange genug um das Thema gedrückt, welches in Gesprächen über Star Fox Zero immer Mittelpunkt steht: Die Steuerung. Die Eindrücke zu der Steuerung, welche eine Außenansicht des Raumschiffes auf dem Fernseher und eine Cockpit-Perspektive auf dem GamePad zeigt, reichen das gesamte Spektrum ab: Einige finden die Bewegungskontrollen so schlecht, dass sie Star Fox Zero unspielbar machen, andere finden sie ganz okay und wieder andere halten sie gar fantastisch und begrüßen die neuen Möglichkeiten, welche die Steuerung eröffnen würde.

Eine Sache bleibt jedoch immer stehen: Es braucht eine ganze Menge Eingewöhnungszeit, bevor es endlich Klick macht und die Steuerung in Fleisch und Blut übergeht.

Star_Fox_Zero_004Meine Erfahrung sieht diesbezüglich wie folgt aus: Das grundlegende Gameplay ging mir von Beginn an relativ gut von der Hand, doch in brenzligen Situationen, die einen kühlen Kopf und genau gezielte Schüsse verlangen, hatte ich immer und immer wieder das Gefühl, hauptsächlich gegen die Steuerung zu kämpfen. Das ist besonders bei Bosskämpfen frustrierend, die simpel wirken, aber die man aufgrund von Steuerungsproblemen einfach nicht auf die Reihe kriegen will. Insbesondere der fliegende Wechsel zwischen den beiden Screens will gelernt sein.

Und wann hat es bei mir schlussendlich Klick gemacht? Genau dann als ich den finalen Boss besiegt habe. Plötzlich hatte ich das Gefúhl, dass alles sitzt und ich wie ein Weltmeister durchs All düse.

Auch wenn Star Fox Zero ein auf mehrmaliges Durchspielen angelegter Arcade-Shooter ist, ist das jedoch reichlich spät. Schließlich sollte ausgerechnet ein Spiel dieser Gattung von Anfang an kompromisslos Spaß bereiten. Auch wenn es zwischen der Steuerung und mir letztendlich ein Happy End gab, kann ich ihr daher kein gutes Urteil aussprechen: Sie bietet zu wenig Gutes als dass man in einem Spiel wie diesen die lange Eingewöhnungszeit rechtfertigen könnte.

Star Fox Zero – Fazit

Star Fox Zero ist eines der besten Spiele im Star Fox-Universum, aber gleichzeitig trotzdem nicht die fulminante Rückkehr des Fox McCloud. Das klingt widersprüchlich, lässt sich aber mit der lustlosen Ambitionslosigkeit des Titels erklären. Star Fox Zero gibt sich damit zufrieden, keine Überraschungen zu bieten, und alte Pfade der Vorgänger ein weiteres Mal zu folgen. Es weicht sogar so wenig ab, dass man sich manchmal nicht sicher ist, ein Remake oder ein neues Spiel vor sich zu haben: Denn obwohl Star Fox Zero ein neues Spiel ist, fühlt es sich weder eigenständig noch wie ein neues Kapitel im Star Fox-Universum an. Dazu kommt eine Steuerung, die mehrere Stunden Eingewöhnungszeit bedarf, bevor sie endlich in Fleisch und Blut übergeht: Zu lange für einen schnellen Arcade-Shooter, der im ersten Durchlauf nur 4 Stunden lang ist.

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