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am 14. März 2011
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Das letzte Mal, dass wir MotorStorm Apocalypse spielen konnten, liegt Monate zurück. Damals noch in 3D auf der gamescom hinter verschlossenen Türen, konnten wir es nun auf Herz und Nieren prüfen. Und was dabei herauskam, spiegelt sich in einer differenzierteren Meinung wider, als ich noch damals in unserer Vorschau zu verstehen vermochte. In der Preview-Fassung wurde mir nicht nur eine der besten Strecken aus dem Spiel geboten, sondern auch die höchste KI-Einstellung, die schon in den zwei ersten Teilen der Serie für adrenalindruchtränkte Rennen von Anfang bis Ende sorgte. Was nun letztendlich in meinen Händen lag, war ein Spiel, welches mit all seinen Inhalten überzeugen und nicht im Fegefeuer überdurchschnittlicher Einheitssoftware verblassen wollte.

- Der Storymodus – ja, ihr habt richtig gelesen -

Ziemlich erstaunt darüber, dass es erstmalig in der Geschichte von MotorStorm nicht nur Renntickets für anstehende Events zu erwerben gibt, begab ich mich in den Storymodus. In drei Schwierigkeitsgraden durchfährt man hier im Körper von drei verschiedenen Personen verschiedene Rennevents, boxt sich vom letzten Fahrer der Strecke auf den ersten Platz auf Eliminationsrennen, bei denen innerhalb weniger Sekunden immer der letzte Fahrer ausscheidet, liefert sich normale Rennen mit bis zu 15 Computer-Gegnern, ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem übermächtigen Rivalen oder flüchtet schon mal auf einem Motorrad vor der Armee, die mittels Straßensperren, Helikopterangriffen und Soldaten auf einen schießen. Nebenbei zerbröselt um einen herum eine komplette Stadt durch folgeschwere Erdbeben, Brücken zerbersten während der Überfahrt und Stadtteile werden von Verrückten mit Maschinengewehren und Molotowcocktails heimgesucht, die nicht aus den Krisengebieten geflohen sind oder evakuiert wurden. An der Küste wüten Tsunamis und schwemmen ganze Schiffwracks ans Land, denen man nur knapp entweichen kann. Wolkenkratzer stürzen in sich zusammen, Gullideckel platzen durch überhöhten Unterdruck und schießen in die Höhe und Straßen stürzen in sich zusammen und legen ganz neue Wege während der Rennen frei, die fortan im Untergrund der U-Bahnen eine Fortsetzung erfahren. Und überall Gerümpel, so weit das Auge reicht. Die „Story“, welche ich bewusst in Gänsefüßchen setze, wird dabei in animierten Comicsequenzen erzählt, die mehr oder minder von Inhalt sind. Teilweise fühlen sie sich wie jene aus Twisted Metal an, sind jedoch qualitativ weitaus oberflächlicher, nichtssagender und völlig inhaltslos. Verschenktes Potential, das mich als Erwachsenen in meiner Gewohnheit an gutes Entertainment sogar etwas beleidigt.

- Großer Fuhrpark und funktioriende Havok-Engine -

MotorStorm-typisch können natürlich wieder Motorräder (die nun auch Stunts in der Luft ausführen können), Quadbikes, Muscle-Cars, Rennschlitten, Renntrucks und Monster Trucks gegeneinander antreten. Während Motorräder dabei die wendigsten Spielgefährten sind, können Monster Trucks so gut wie jedes andere Fahrzeug auf der Straße plätten. Da man andere Fahrzeuge mit schnellen Manövern auch wegstoßen kann, sollte man wissen, dass ein Superbike natürlich kaum etwas gegen einen Renntruck ausrichten kann, während die Konstellation Renntruck gegen Bike durchaus tödlich verläuft. Lustig ist auch, dass man beim Überfahren von Söldnern auf der Straße schon mal einen an der Seite hängen hat, der sich ein paar hundert Meter mitschleifen lässt oder sich schon mal unter dem Boliden verkeilt. Das dürfte wohl auch der Grund für die USK gewesen sein, das Spiel ab 16 auf dem Markt zu kennzeichnen. Hat man nach wenigen Stunden die ziemlich belanglose Story durchspielt, kann man sich die einzelnen Strecken mit oder ohne Natureinflüsse wie Erdbeben oder Tsunamis zu Gemüte führen. Passiert irgendetwas während der Rennen, welches maßgeblich den Streckenverlauf beeinflusst oder große Zerstörung anrichtet, kann man durch Drücken der Vierecktaste an das Geschehen heranzoomen und die Zeitlupe aktivieren. Slow Motion wird auch dann eingefädelt, wenn es sich kurz vor der Ziellinie um einen knappen Sieg oder eine knappe Niederlage handelt. Lustigerweise bin ich während dieser schon einmal zur gleichen Zeit wie der Kontrahent ins Ziel gekommen, wurde aber aus Nettigkeit des Systems als erster gewertet. Wem das alles noch nicht stressig genug ist, kann während der Rennen auch noch versteckte Postkarten suchen, die auf jeder Strecke verteilt wurden.


- Mehrspielerrennen als Spielspaßhöhepunkt -

Neben einem Splitscreenmodus für bis zu zwei Spieler ist der Multiplayer über das Internet wohl der spaßigste Teil des Spiels geworden. Neben Eliminationsrennen und einfachen Events, bei denen man sich mit 15 anderen Fahrern messen kann, sticht ein Modus ganz speziell aus der Masse an Rennspielen heraus. So wird hier auf einen Fahrer gewettet, welcher mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen wird. Das Gute hierbei ist, dass man nicht als Sieger hervorgehen muss um zu gewinnen, sondern nur sicherstellen, dass er es wirklich schafft, indem man die anderen Fahrer am Weiterkommen hindert. Abgerechnet wird nach jeder Runde der Fahrstil inklusive Zerstörung, die man in der Umgebung angerichtet hat. Diese Bewertung verschafft euch Erfahrungspunkte wie in einem Rollenspiel oder neuzeitlichem Egoshooter, mit dem man neue Fahrer oder Sticker zur Personalisierung des eigenen Boliden erwerben kann.

- Technisch nur die Vorhölle auf Erden -

Die Grafik des Spiels hat mich anfangs ziemlich enttäuscht. Irgendwie war ich besseres gewohnt, von der gamescom, den geschönten Screenshots – von denen sowieso. Dieser Eindruck sollte jedoch der Vergangenheit angehören. Nämlich dann, wenn der Terror der Naturgewalten beginnen sollte. Wenn der Sturm aufziehen, die Brücken bersten, der Müll herumschleudern, die Häuser einstürzen und die Züge bei tosendem Gewitter und überstarkem Regen von der Überführung herunterknallen, während 16 Rennfahrer auf der Straße um das Überleben kämpfen sollten. Dann erst weiß man, warum die Grafik nicht auf dem Niveau eines Gran Turismo oder anderen realitätsnahen Optiken mitspielen kann. MotorStorm Apocalypse lebt von der sich verändernden Umgebung, dem lebenden Ambiente, welches sich durchaus jede Runde ändern kann. Dann wirkt die Zerstörung schön, pumpt noch mehr Adrenalin ins Blut um wachsamer zu werden – um reflexartig aus dem Boden herausstehenden Betonwänden auszuweichen. Dafür sind die Fahrzeuge etwas uninspiriert, die Fahrer charakterlos und die Fotofunktion im Spiel mit all ihren Einstellungen leider erst aus dem Menü heraus sichtbar, da es nicht in Echtzeit gerendert werden kann, wenn man die Tiefenschärfe und andere Einstellungen ändert, wie man das beispielsweise aus Gran Turismo 5  oder Need for Speed: Hot Pursuit kennt. Und was immer noch nach Starttitel der PS3-Generation aussieht, ist das Schadensmodell, welches mit seinen vier Rädern, zwei Federn und drei Metallstücken eher an einen gescripteten Vorgang aus der PS one-Ära erinnert.
    Soundtechnisch spielt man auch nicht in der obersten Liga mit. Ist zwar eine feine Sache, etwas orchestraleren Soundtrack in die Remixes mit einzubauen, da es sich wie in einem Film anfühlt, durch eine zerfallende City zu cruisen, jedoch sind diese nicht wirklich spannend und cool genug, um sich wirklich wie in einem Michael Bay Film vorzukommen. Ein Theme von Hollywood-Komponist Klaus Badelt ist mit von der Partie, was mich anfangs euphorisch stimmte, jedoch nicht lange anhielt. Eine deutsche Synchronisation im Storymodus hat man dem Spiel auch spendiert, ist jedoch von unbekannten Sprechern auf schwachem Niveau eingespielt. Die Soundeffekte während der Rennen bringen jedoch gute Weltuntergangsatmosphäre, wobei das Geräusch beim Überhitzen des Boosts erneuert wurde, mit seinem schleifenden, metallischen Klang auch super passt aber ich mir dennoch das Original aus den zwei Vorgängern zurückgewünscht hätte, welches mit seinem Alarmsignal irgendwie impulsiver und gefährlicher während der angeheizten Rennen wirkte.

FAZIT

MotorStorm Apocalypse ist leider nicht ganz das geworden, was ich mir erhoffte. Ich dachte einst auf der gamescom, ein Spiel in der Qualität dieses Demolevels abgeliefert zu bekommen, bekam es aber letztendlich nicht. Das Setting ist dennoch unverbraucht, die Idee genial und wird hoffentlich fortgeführt. Besonders die Einzelspielerkampagne kann als guter Witz oder Zeitvertreib gesehen werden, ist aber sicher kein Vollpreisspiel wert. Was nicht zuletzt an der äußerst uninspirierten Story liegt. Aber wen wundert’s, wenn dessen Autor schon auf den Namen Richard Boon hört. Auch technisch hat die PS3 einiges mehr auf dem Kasten als man es uns hier weiß machen will. Wem in Split/Second der Boostvorgang fehlte oder wer neues Futter im explosiven Racinggenre sucht, wird hier seine Freude haben. MotorStorm-Fans kaufen’s sowieso.

7 7 von 10

Fazit



MotorStorm Apocalypse

  • Testsystem:
  • Erscheint für: PS3
  • Publisher: Sony Computer Entertainment
  • Entwickler: Evolution Studios
  • Genre: Rennspiel
  • Release: 16.03.2011

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Heiß diskutiert