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am 26. November 2012
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Weihnachten steht vor der Tür und erneut möchte Sony beweisen, dass sie immer noch für überraschende Innovationen gut sind. Nach der Vielzahl an Spielchen über Bewegungssteuerung oder Gesangs-Sessions ist es nun ein Buch, mit dem Kinder bei all dem Entertainment wie in alten Zeiten unterhalten werden sollen. Naja, zumindest fast. Eine PlayStation 3, ein HDTV, eine PlayStation Eye Kamera und ein PlayStation Move Motion-Controller sollten schon vorhanden sein. Ebenso genügend Licht, mindestens ein Kind und eine Vorliebe für Harry Potter. Denn „Wonderbook: Das Buch der Zaubersprüche“ ist ein in Zusammenarbeit mit J.K. Rowling erfundenes Buch, dass Zaubersprüche aus Hogwarts beinhaltet, die gelernt und eingesetzt werden sollen. Ob das zauberhafte Konzept aufging oder seinen Zauber schon kurze Zeit später wieder verlor, haben wir im Unterricht unter den Fittichen der Gryffindors getestet.

Die Technik ist eigentlich nicht neu. Wir alle kennen sie bereits aus dem Smartphone, dem Nintendo DS oder der PSP. Doch anstelle von Codes, Karten oder sonstigem Gimmick, will Sony nun mit einem Buch aus mehreren Seiten für ein neues Level der Augmented Reality sorgen. Und überraschenderweise geht das wunderbar auf.

Incendio

Ein geschönter Werbescreen. So hochauflösend und farbenfroh seht ihr nicht auf dem Bildschirm aus.

Das Wonderbook ist im Grunde neue Hardware, für die im Laufe der Monate weitere Spiele erscheinen sollen. Den Anfang macht hierbei „Das Buch der Zaubersprüche“, in dem man in die Welt von Hogwarts taucht, in der Bibliothek Zaubersprüche wie „Incendio“ oder „Wingardium Leviosa“ lernt und schelmische Notizen und Zaubersprüche entdeckt, die andere Schüler an den Rand des Buches gekritzelt haben. Letztendlich lernt man hier über 20 Zaubersprüche nach immer dem gleichen Schema, um sein Wohnzimmer dann in die Verbotene Abteilung der Bücherei von Hogwarts zu verwandeln. Hier wird dann in einfachen Minispielen der Zauber angewandt. Abseits von alledem werden einem noch kleine Geschichten erzählt, die teils etwas düster angehaucht sind und so wie bei den Gebrüdern Grimm auch interessant für Erwachsene zu sein scheinen. Dabei wird das Buch am Bildschirm wie eine Theaterbühne aufgeklappt, auf der man durch kleine Pappschieber mittels Motion-Controller sogar Einfluss auf bestimmte Elemente der Geschichte hat. Das war interessant anzusehen und fast schon das Highlight des Buches, wenn man sich zu den Erwachsenen zählt.

Während ihr vor dem Bildschirm die leuchtende Kugel eures Move Motion-Controllers schwingt, ersetzt ihn eure PlayStation 3 gekonnt durch einen Zauberstab, der anfangs sogar noch im Aussehen angepasst werden kann. Man darf das Spiel sogar mit seinem Pottermore.com-Account verbinden. Dann werden eure Daten direkt ins Spiel übertragen, um euch die Wahl des Hauses und des Stabes abzunehmen.

Wonderbook TheaterSchon nach wenigen Minuten seid ihr dabei so auf dem Bildschirm fixiert, dass ihr gar nicht mehr merkt, dass ihr im Grunde keinen Zauberstab in Händen haltet und eurer Buch vor euren Füßen nicht von Mirinda Habicht stammt. Stattdessen ist es ein mit Symbolen überzogenes blaues Buch aus den London Studios bei Sony, die sich in den vergangen Jahren darauf spezialisiert haben innovative Hardware wie EyeToy, SingStar, PlayStation Move oder nun Wonderbook zu erfinden. So gesehen funktioniert der Zauber, der Realität über den Fernseher ein Schnippchen zu schlagen, wenn auch das Kamera-Tracking des Buches an manchen Rändern und Ecken die Wahrheit durchscheinen lässt. Doch das dürfte eher ein Problem der Kamera sein, die nicht in Full HD aufzeichnet.


Um einen Zauberspruch auswendig zu lernen, bedarf es erst einmal der richtigen Aussprache. Leider funktionierte das nie sonderlich gut. Jedes Mal, wenn ich den Zauberspruch fein säuberlich ausgesprochen hatte, fing das Spiel an mich zu bemängeln und dann doch zu akzeptieren. Im Sinne von: „Ich habe dich leider nicht richtig … ja das hast du sehr gut gemacht.“ Der etwas voreilige Erzähler hat der Szene die Magie genommen, aber glücklicherweise nicht dafür gesorgt, es mehrfach aussprechen zu müssen. Etwas blöd fühlt man sich dabei schon. Ein Umstand, den Kinder zum Glück nicht mit sich herumtragen.

Wonderbook

Doch sehr schnell merkt man, dass sich die Spielabläufe wiederholen. Ihr zieht mit eurem Zauberstab Texte aus dem Buch, sprecht Zauber ins Mikrofon der Kamera und meistert anschließend simple Minispiele, die nicht gerade den Kreativpreis gewinnen würden. Hier werden mit dem Zauberstab kleine Feuerzauber in die jeweilige Richtung geworfen, Pflanzen umgetopft und der Bildschirm mit digitalem Wasser gefüllt, um euren Kopf mit der richtigen Magieanwendung in eine Luftblase zu hüllen. Natürlich mit der kindgerechten Ansage, dass dieser Spruch nur im Buch der Zaubersprüche funktioniert, um nicht Schuld am Ertrinken Unschuldiger zu sein.

Bei der Grafik darf man leider auch keine Wunder erwarten. Das Design des Buches mag zwar teilweise ansprechen, die 3D Texte und Objekte, die aus ihm gezogen werden, sehen jedoch nicht sehr ansprechend aus. Gleiches gilt auch für die Zauber, deren Partikelsysteme künstlerischer und realistischer hätten ausfallen können. Stattdessen bekommt man Feuerzauber vorgesetzt, die alles andere als bedrohlich wirken und auf deren Beschwörung man nicht gerade stolz sein kann. Beim Sound dudeln dagegen Musikstücke, die sich stark nach einem Potter anhören und die neben dem Erzähler und Miranda Habichts Stimme zu gefallen wissen.

Wonderbook Zauber

Es fällt mir schwer Wonderbook: Das Buch der Zaubersprüche abschließend zu bewerten. Auf der einen Seite haben wir wirklich tolle Peripherie, die noch für spannende Projekte sorgen wird. Zudem einen Preis, der mehr als fair ist. Auf Amazon befindet sich dieser bei 33,40 €, was für ein Spiel inklusive Buch, das für weitere Spiele demnächst einsetzbar ist, vollkommen in Ordnung geht. Folglich wäre es unrecht, das Spiel wie einen Vollpreistitel zu behandeln, auch wenn auf der anderen Seite das Wutschen und Wedeln des Controllers besser eingesetzt hätte werden können. Ich denke, dass Harry Potter-Fans im jungen Alter viel Spaß mit dem Titel haben können, gleichzeitig aber auch rasch die Lust verlieren, da das Spiel doch sehr gemächlich und eintönig vonstattengeht. Ich würde daher nicht behaupten, dass Sony hiermit der große Wurf gelungen ist, aber schon jetzt zeigt, was mit dieser Demo unter anderem möglich ist. Dass das Buch jedoch für immer verstaubt, nachdem man sich an Wonderbook: Das Buch der Zaubersprüche versucht hat, ist ebenso unvorstellbar. Denn die preisgekrönten Moonbot Studios haben mit ihrem Wonderbook: Diggs Nightcrawler eine genial aussehende Detektivgeschichte in petto, die für spannende Unterhaltung 2013 sorgen wird. Das Wonderbook als solches darf daher als tolle Erfindung angesehen werden. Das Buch der Zaubersprüche empfehle ich dagegen nur den größten Harry Potter-Fans im Alter von sechs bis zwölf Jahren.

6 6 von 10

Fazit

Das Buch der Zaubersprüche ist zwar zauberhaft, kann die Magie aber nicht aufrecht erhalten.


Wonderbook: Das Buch der Zaubersprüche

  • Testsystem:
  • Erscheint für: PS3
  • Publisher: SCEE
  • Entwickler: SCEE London Studio
  • Genre: Adventure
  • Release: 16.11.2012

Heiß diskutiert