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am 28. November 2012
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Als ich auf der diesjährigen gamescom zum ersten Mal selbst Hand an Sonys neuen Prügler legen und verschiedene Entwicklerpräsentationen zum Titel besuchen konnte, wurde mir Stück für Stück klar, dass uns ein mehr als ambitioniertes Projekt des Entwicklers SuperBot ins Haus stünde. Was ich damals schon versuchte zu erklären, nämlich dass es sich bei PlayStation All-Stars Battle Royale eben nicht um eine simple Kopie von Nintendos Super Smash Bros. handelt, möchte ich heute erneut versuchen. Zumindest aus Verkaufssicht hat man mit dem Release so kurz vor Weihnachten einen potentiellen Kassenschlager initiiert. Ob dieser den hohen Ansprüchen der Käufer jedoch gerecht wird?

PS All-Stars BattleDas hat aber auch lange gedauert. Schon seit Jahren schaut das Sony-Fanlager mit verstohlenen Blicken rüber auf die Nintendo-Konsolen, um sich vorzustellen, wie genial es doch wäre, sich anstelle von Pikachu und Mario mit Nathan Drake oder Kratos durch altbekannte Sony Stages zu kämpfen. Doch anstatt den Fans etwas auf dem Silbertablett zu servieren, mussten diese ihren Funprügler bei Capcom suchen. Mit Onimusha Blade Warriors auf PlayStation 2 gelang es zumindest ihnen, für ansatzweisen Spaß in 4-Spieler Party-Matches zu sorgen. Dem Spiel merkte man es auch an, dass es sich an Nintendos Beat ’em up orientierte. Herausragend war es trotzdem nicht, aber was sollte man machen. Nun, wiederum viele Jahre später, hat Sony die Lösung gefunden, um eine ebenso interessante IP aufzubauen und dennoch kein Duplikat zu begehen. Das Ergebnis ist PlayStation All-Stars Battle Royale.

Anders als in Kampfspielen wie Dead or Alive oder Tekken wird die Story hier relativ spartanisch erzählt. In einfachen 2D-Hintergründen spricht euer Held über seine minimalistischen Beweggründe und wird während einer überschaubaren Anzahl an Stages auch nicht mehr dazu genötigt, überhaupt etwas zu sagen. Am Anfang und Ende eine kleine Sequenz und schon hat man nach relativ kurzer Spielzeit von circa einer Stunde die Solokampagne des jeweiligen Spielers gemeistert. Das ist zwar in Ordnung, spaßiger als in Super Smash Bros. jedoch keinesfalls. Denn hier hatte man unter anderem Herausforderungskurse, die einem zwischen den Kämpfen auch mal etwas Geschick abverlangten.

PS All-Stars HadesHerausforderungen (sogenannte Kampfübungen) gibt es natürlich trotzdem bei PlayStation All-Stars Battle Royale. Diese sind unter einem separaten Menüpunkt wählbar und können pro Spielfigur absolviert werden. Hier muss man dann ausschließlich mit Superattacken der Stufe eins 15 Feinde innerhalb eines Zeitlimits besiegen oder sich anderen vordefinierten Aufgaben stellen. Neben einem Kurztutorial für die Grundmechaniken und einem für fortgeschrittene Moves, gibt es dann noch Übungen für Kombolisten, die mitunter etwas hakelig umzusetzen sind. Da alle Charaktere durch alles was ihr mit ihnen macht im Rang aufsteigen, ist somit für locker 100 Stunden Spielzeit gesorgt, wie es ein Mitarbeiter von Sony Santa Monica vor kurzem behauptete. Dabei wird zwar nicht wie in einem Skillsystem Schnelligkeit und Stärke verbessert, ihr schaltet aber jede Menge Profilbilder, Profilbanner oder Anpassungsmöglichkeiten eurer Spielfigur frei. Das kann eine individuelle Siegeshymne sein, ein neuer Spott während des Kampfes oder neue Intro- und Outro-Animationen, wenn ihr den Ring besteigt oder verlasst.

PS All-Stars Hydra

Eben noch in Metropolis aus Ratchet and Clank, nun dank Eingriff der Hydras auf See in God of War.

Hat man ein paar der (Anti-)Helden einmal ausprobiert, fällt schnell auf, dass sich alle sehr unterschiedlich steuern. Träger als bei Nintendos Super Smash Bros. sind sie aber alle. Reines Buttonsmashing und die Hoffnung, dass jede Eingabe vom System registriert wird, ist hier Fehlanzeige. Kombos müssen gelernt, abgepasst und mit Bedacht eingesetzt werden.

Das kann Profispieler überzeugen, für einen Funprügler hätte ich mir aber eine simplere Mechanik gewünscht. Aber wo wir gerade bei den Unterschieden waren: Wählt ihr Kämpfer mit Schwert oder Ähnlichem, seid ihr bei den flinkeren Charakteren angelangt. Raiden aus Metal Gear, Kratos aus God of War oder Nariko aus Heavenly Sword steuern sich alle auf Anhieb eingängig und fühlen sich fast wie in ihren Soloauftritten an. Beherrscht Kratos doch beispielsweise den Aufschlag wie in God of War, bei dem ein Gegner in die Luft geschleudert werden und man durch Halten der Taste hinterherspringen kann. Auch die Movepalette eines Heihachi Mishima aus Tekken kommt einem direkt bekannt vor, während man sich bei Ratchet und Jak auch direkt an ihre Abenteuer erinnert fühlt. Äußerst zäh spielt sich dagegen ein Nathan Drake, der mit seinen kurzen Nahkampfschlägen und Waffeneinsatz erst einmal verstanden werden will.

PS All-Stars Uncharted

Folgende Charaktere haben es ins Spiel geschafft und stehen von Anfang an zur Verfügung:

  • Nathan Drake (Uncharted)
  • Sly Cooper (Sly)
  • Kratos (God of War)
  • Fat Princess
  • Big Daddy (Bioshock)
  • Heihachi Mishima (Tekken)
  • Guter Cole MacGrath (inFamous)
  • Böser Cole MacGrath (inFamous)
  • PaRappa The Rapper
  • Dante (Devil May Cry)
  • Ratchet (Ratchet and Clank)
  • Raiden (Metal Gear Solid)
  • Spike (Ape Escape)
  • Sir Daniel Fortesque (MediEvil)
  • Nariko (Heavenly Sword)
  • Sweet Tooth (Twisted Metal)
  • Colonel Radec (Killzone)
  • Jak (Jak and Daxter)
  • Toro Inoue (Together Everywhere!)
  • Sackboy (LittleBigPlanet)
  • Kat aus Gravity Rush und Emett Graves aus Starhawk sollen im kostenlosen DLC folgen

Zu der Vielzahl an spielbaren Charakteren gesellen sich 14 Stages (plus einige Trainingslevel). Hier werden kunterbunt PlayStation-Games ineinander gewürfelt und teilweise bizarr gemixt. So kämpft ihr im Flugzeug über der Wüste aus Uncharted 3, während im Hintergrund Zeppeline aus Bioshock Infinite auftauchen. In einem anderen Level vermischen sich die musikalischen Patapon mit dem Hades aus God of War, während sich eure Umgebung in der Welt von LittleBigPlanet den Änderungen des Popit im Hintergrund anpasst. Unpassend und gleichzeitig genial spielt die Kampfmusik aus Killzone und erschafft so ein wirklich stimmiges Potpourri.

PS All-Stars RatchetIm Gegensatz zu Super Smash Bros. verliert ihr hier aber nicht, wenn ihr aus den Arenen geschleudert werdet, sondern ausschließlich bei der Vernichtung über eure Superattacken. Teilt ihr regelmäßig aus, füllt sich eure AP-Anzeige, die bei Level eins bis drei geleert werden kann. Ist bei Level eins noch eurer taktisch kluger Einsatz von Nöten, da ihr hier nur im unmittelbaren Umfeld Feinde vernichten könnt und diese den Angriff eventuell noch blocken, so ist bei Stufe zwei oder gar drei, das mit einer charakterspezifischen Animation eingeleitet wird, auf jeden Fall ein Kill dabei. Level 3-Animationen sehen ziemlich cool aus und erinnern stark an bekannte Szenen der jeweiligen Franchise. Raiden zum Beispiel klappt sein Visier vor die Augen, während sich alle Feinde unter Pappkartons verstecken. Hat man einen aufgedeckt, unter dem ein Spieler sitzt, kommt das MGS-typische Ausrufezeichen zum Vorschein.

Nach jeder Runde, die zwischen drei oder zehn Minuten eingestellt werden kann, wird abgerechnet. Für einen Kill gibt es zwei Punkte, für einen Tod wird einem einer abgezogen. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Fair von Sony ist das Konzept von Cross-Buy. Kauft man sich das Spiel für die PlayStation 3, erhält man automatisch einen Code, um es sich ebenso für die PS Vita herunterzuladen. Dank Cross-Play können PS3- und Vita-Spieler miteinander zocken und dank Cross-Save ihre Daten beider Systeme in der Cloud verwalten. Noch viel fairer ist, dass das Spiel (oder quasi beide) für 50€ zu haben sind. An dieser Preispolitik könnte sich Nintendo mal ein Scheibchen abschneiden.

PS All-Stars ParappaVon der Optik her wird uns ein buntes Beat ’em up geboten, bei dem man mitunter die Übersicht verliert. Die Charaktere sind detailliert, die Animationen flüssig und die Hintergründe toll ineinander verstrickt. Die Musikstücke der jeweiligen Games sind ohnehin cool und bei der Sprachausgabe setzt sich ein Dialog schon mal aus englischen und deutschen Rednern zusammen. Das wird zwar von vielen bemängelt, ich dagegen freue mich über diese Entscheidung. Denn bevor man Dante oder Raiden für das Spiel eine deutsche Stimme verpasst, habe ich doch lieber das unverfälschte Original, was nun mal zu keiner Zeit eine deutsche Stimme erhielt. Ein mutiger Schritt von Sony, den Laien vielleicht nicht verstehen, Fans jedoch begrüßen. Kratos und Nathan Drake dagegen in Deutsch zu hören, macht direkt Laune. Auch wenn Sweet Tooth aus Twisted Metal mit seinem psychopathischem Gelächter fast dafür gesorgt hätte, ihn als Lieblingscharakter zu wählen. Da nässen sich die Mitspieler direkt im Auswahlbildschirm des Charakters ein.

“Unpassend und gleichzeitig genial spielt die Kampfmusik aus Killzone und erschafft so ein wirklich stimmiges Potpourri.”

PlayStation All-Stars Battle Royale macht wirklich Spaß. Schon kurz nach dem Starten der Disc und dem Anschauen des Renderintros hatte ich so was von Bock auf das Spiel. Als Fan und Kenner vieler Serien, die sich hier im Spiel tummeln, war der Vorfilm wie ein kleines Geschenk. Und auch das Spiel selbst, auch wenn es mich nicht so sehr begeistern konnte wie einst Super Smash Bros., macht einfach Laune. Man kann eigentlich nur hoffen, dass es ein Erfolg wird, damit es die Chance hat sich weiterzuentwickeln und ein Sequel zu produzieren. Denn es steckt viel Liebe in dem Titel, viel Fairness in der Preisgestaltung und viel Freude, wenn man mit bis zu drei Freunden durch die Arenen online wie auch offline wütet.

8 8 von 10

Fazit

Der beste Funprügler für PlayStation 3 und PS Vita.


PlayStation All-Stars Battle Royale

  • Testsystem:
  • Erscheint für: PS3, PS Vita
  • Publisher: SCEE
  • Entwickler: SuperBot Entertainment
  • Genre: Beat´em up
  • Release: 23.11.2012

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