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am 13. Februar 2013
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Eigentlich ist Mario doch eine Parabel zum wirklichen Leben. Man sollte immer seinen Weg gehen, in diesem Fall von links nach rechts, alle Hürden im Leben einfach überspringen und den Bösen Paroli bieten. Wenn man das schafft, hat man am Ziel ein Arsch voller Goldmünzen und eine hübsche Prinzessin an seiner Seite. Die einzige Lehre, die man vielleicht besser nicht aus Mario ziehen sollte, ist jeden Pilz am Wegesrand zu futtern.

NSMBU Fliegendes Eichhörnchen

Mario war für mich der digitale Pixel-Jesus, meine blasphemische Eigenreligion, die meine Kindheit viel besser ausfüllte, als diese alten staubigen Bücher aus der Schule. Warum? Weil es NEU war und nicht ALT. Jahre nach den nun alten 2D-Marios kam wieder etwas Neues, NEW Super Mario Bros. Diese Titel erinnerten mich an meine Kindheit und waren trotzdem wieder neu, frisch und bunter als je zuvor. Mein digitaler Jesus war wieder auferstanden und konnte mich erneut bekehren. Aber im Gegensatz zum vierten Kapitel des alten Testaments, welches mit Super Mario World für den SNES glänzte, will mich das vierte Kapitel des neuen Mario-Testaments nicht wirklich überzeugen.

Zwar strömt schon die Oberwelt einen starken Hauch von Super Mario World aus und die neu eingeführten Baby-Yoshis sind eine nette Erweiterung des Mario-Universums, aber dann, dann ist auch schon fast Ende mit Neu. Die Konsole, auf der das Ganze läuft, mit der man sein Abenteuer auch im Bett weiterführen darf, mit der man den Fernseher auslassen kann oder was anderes nebenbei schauen kann, das wirkt neu, aber das geht bei anderen Spielen auch. Das ist nicht revolutionär.

Ganz und gar nicht revolutionär sind auch die Speicherplätze. Drei Stück, wie man es von Nintendo gewohnt ist. Sollte auch für jeden ausreichen. Eigentlich. Aber warum hat man eine Konsole, auf der man bis zu zwölf Profile anlegen kann, wenn dann nicht jeder Einzelne drei Speicherpunkte hat, sondern alle zusammen nur diese Drei? Warum muss ich jedes Mal auf Speicherplatz B, nachdem meine Frau auf Speicherplatz A gespielt hat, die Steuerung umstellen, die sie mit ihrem Profil, auf ihrem Speicherplatz geändert hat? Warum? Das wirkt wie eine doofe Tradition der Familie, auf die man seit Jahren schon keine Lust mehr hat, aber dennoch mitmacht, weil Oma und Opa Nintendo das doch so gern haben und so lang es sie noch gibt, man ihnen den Gefallen doch tun sollte. Das gehört eben dazu!

NSMBU GeisterweltAber ich will nicht mehr. Ich will mich auf den Tisch stellen und Nein schreien. Und ich finde das hat New Super Mario Bros. U auch von Serien-Fans verdient: ein Nein! Wenn es gleichzeitig nicht einfach so unglaublich gut spielbar wäre, nahezu immer fair und so hypnotisierend bunt, dass sich meine Pupillen schon beim Startbildschirm vor Freude weiten und ich in Trance von links nach rechts laufe, immer bis zu Fahne hin, immer und immer bis zu Fahne hin. Mit Baby-Yoshi im Schlepptau schwebe ich wie ein Heißluftballon über die Grenzen der Level hinweg, mache Licht, wo keines ist, und lasse Blubberblasen in die Lüfte steigen. Auf diesen hüpfe ich geschickt von links nach rechts, bekomme mit jedem weiteren Sprung ein bisschen mehr Schwung und jede Einzelne zerplatzt hinter mir mit einem zufriedenstellenden „plop“-Geräusch.

Es ist der Alltag, der mich stört, es ist die unglaublich repetitive Spielmechanik, die mich abstößt und gleichzeitig dieses wohlige und vertraute Gefühl von Spaß vermittelt. Alles glänzt in hoher Auflösung und noch nie war das Schildkrötentöten so rund und wunderschön, wie in New Super Mario Bros. U. Doch dann schlägt einem auf der Oberwelt Nintendo schon wieder mit dem Faulheits-Hammer ins Gesicht, wenn alle Dekoelemente fein säuberlich in dieselbe Richtung zeigen und sich Abschnitte von unten rechts im Bildschirm genauso oben links wiederholen. Aber während man darüber nachdenkt, ist man schon längst wieder im nächsten Level, was zwar nicht besonders anders ist, als das ein oder andere Level von vor über 20 Jahren, aber auch der Spaß ist kein anderer als damals.

NSMBU OberweltUnd so fühle ich mich hin und hergerissen, möchte Kritik anbringen, wo welche nötig ist, habe aber gleichzeitig so viel Spaß, dass ich das Spiel immer wieder einschalte, um mich zu vergewissern, ob ich nicht zu kritisch bin. Und schon fällt mir das Nächste auf: Es ist schön, dass es heutzutage noch eine Lebensanzeige gibt und auch ein Game Over-Bildschirm, glaube ich jedenfalls. Da man bereits nach der ersten Welt als geübter Mario-Spieler mit über 30 Leben zur Zweiten tapert, wird man diesen aber wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen, außer man provoziert es. Dass viele Spiele mit den Jahren einfacher und leichter zugänglich geworden sind, will ich an dieser Stelle gar nicht kritisieren, aber warum hält man dann überhaupt noch an so einer Tradition fest? Aus Gewohnheit hechte ich zu jedem grünen Pilz und frage mich kurz darauf, warum ich das getan habe. Es ist sinnlos, man wird eh mit Leben überschüttet.

Sinnvoll dagegen sind diesmal die Minispiele von Toad, welche nicht so wie im Wii-Ableger oft ein Glücksspiel darstellten, sondern diesmal wirklich eigenes Können und Aufmerksamkeit verlangen, um belohnt zu werden. Auch die HD-Optik kann sich sehen lassen und besticht sogar mit einigen neuen Hintergrund-Ideen, die das Spiel doch etwas frischer wirken lässt.

Versteht mich bitte nicht falsch, New Super Mario Bros. U ist ein wirklich gutes Spiel, es macht im Jump ‘n’ Run-Genre alles richtig, was man nur richtig machen kann, aber es macht eben nur wenig neu. Ich habe bei einer neuen Konsole und dem dazugehörigen Mario eben etwas mehr erwartet, als wieder denselben Schuh und trotzdem hab ich ihn mir angezogen und hatte Spaß und habe sogar jetzt noch Spaß, da ich, nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe, mich sicher wieder für eine Stunde oder so an die Konsole werfen werde und Mario von links nach rechts laufen lasse. Für jemanden, der noch nicht alle Vorgänger gespielt hat, ist dies der perfekte Launch-Titel und auch alle anderen sollten sich dieses Spiel, wenn sie die Wii U in Erwägung ziehen, dazu kaufen, da es einfach Spaß macht, vor allem mit Freunden. Hat es deswegen eine höhere Wertung verdient? Meiner Meinung nach nicht. Nintendo sollte langsam wieder ihre Denkerkappen aufsetzen und nicht nur bei der Hardware Risiken eingehen, sondern auch wieder mal bei den Spielen etwas wagen.

7 7 von 10

Fazit

Der perfekte Launch-Titel, aber Nintendo sollte langsam wieder ihre Denkerkappen aufsetzen und wieder mal bei ihren Spielen einen gewagteren Schritt tun.


New Super Mario Bros. U

  • Testsystem: WIi U
  • Erscheint für: Wii U
  • Publisher: Nintendo
  • Entwickler: Nintendo
  • Genre: Jump 'n' Run
  • Release: 30.11.2012

Heiß diskutiert