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am 21. November 2012
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Das große Jahr der Assassine. Tauchten wir im Überraschungshit Dishonored doch erst als Corvo in den dunklen Gassen Dunwalls unter, führte es uns kurze Zeit später mit Connor in Assassin’s Creed III während der Amerikanischen Revolution nach Bosten und New York. Grund genug, dass Attentäter-Legende Agent 47 auch noch etwas vom Kuchen abhaben möchte. Wir haben den eiskalten Glatzkopf bei seiner Reise verfolgt und sagen euch noch wenige Tage vor Release, ob sich das Warten seit dem letzten Auftreten vor knapp sechs Jahren gelohnt hat oder ob man lieber neumodischen Assassinen die Bühne gewähren sollte.

Hitman Absolution ScreenHitman: Absolution beginnt mit dem Auftrag der Tötung von Diana Burnwood. Genau, Diana war die Mentorin von Agent 47 und ist seit dem ersten Teil ein bedeutender Charakter der Hitman-Serie. Der Grund der Eliminierung liegt dabei klar auf der Hand. So hat sie die Agency verraten und dabei ein Mädchen namens Victoria entführt, die von der Agency Laborexperimenten ausgesetzt war. Dass die Agency sie mit allen Mitteln zurück bekommen möchte, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Aufgrund der Vorgeschichte der beiden verläuft die Mission nicht wie geplant. Statt sie zu töten, wird sie von Agent 47 nur kritisch verletzt. Schwer verwundet bittet uns Diana darum, das Mädchen zu beschützen, was uns in einen Zwiespalt drängt und uns selbst zur Zielscheibe werden lässt. Doch versprochen ist versprochen – und somit versuchen wir die Kleine nicht nur zu beschützen, sondern auch die Wahrheit über sie und der Agency herauszufinden.

20 Missionen erwarten den Spieler bis zum großen Finale, in denen ihr die unterschiedlichsten Schauplätze besucht. Von der Schnellbahn in Chicago geht es nach Chinatown, in Strip-Clubs und Bars, ins hohe Gericht, auf die Farm und in die Kirche, zum Friedhof und vielen vielen weiteren Orten. An Abwechslung mangelt es unserem Helden bei seiner Mission also nicht. Genauso wenig wird an Waffen und Gegenständen gespart. So habt ihr nicht nur Zugang eurer heißgeliebten Silverballers, sondern könnt etliche Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehe, Maschinengewehre, Schrotflinten, Scharfschützengewehre etc. finden.

Bei den Gegenständen unterscheidet man zwischen reinen Krachmachern und tatsächlichen Alternativen zur Schusswaffe. Während Feuerlöscher, Bücher, Ziegelsteine und Rohre nur Lärm beim Werfen machen, können Messer, Hammer, Axt und Schraubenzieher auch direkt tödlich ins Gesicht geworfen werden. Zum Standardrepertoire des Agent 47 zählt natürlich auch wieder die Klavier-Saite, mit der die Gegner heimlich, still und leise von hinten ins Jenseits befördert werden können, um sie anschließend direkt wegzuschleifen.

Hitman Absolution Screen

Zeit sich wieder in Schale zu werfen

IO Interactive ist es tatsächlich gelungen, dass man das Spiel immer wieder anders erleben kann. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. So lässt sich in etwa auch die Erreichung des Ziels in Hitman: Absolution beschreiben. Es gibt nicht nur unzählige Möglichkeiten das Ziel zu erreichen, sondern es steht euch auch frei, wie ihr es erreichen wollt. So könnt ihr euch einfach den Weg freiballern und jeden umnieten, der euch in die Quere kommt, oder aber, vorausgesetzt ihr habt Geduld, werdet zum Profikiller und schaltet einen nach dem anderen aus, die euch im Wege stehen, und lasst all jene zurück, die kein primäres Ziel sind. Das hat außerdem den Vorteil, dass ihr am Ende mehr Punkte bekommt.

Für jeden unnötigen Kill im Spiel gibt es Minuspunkte, für jeden Zeit- und Missionsbonus (egal ob Primär- oder Sekundärziele) Pluspunkte. Am Ende der Mission werden alle zusammen addiert. Beim Betreten einer neuen Mission wird der nationale Durchschnitts-Score angezeigt. So weiß man zumindest, ob man oberhalb oder unterhalb des Durchschnitts liegt. Der Weg zur elegantesten Lösung motiviert auf jeden Fall ungemein und hält auch oft einige Überraschungen bereit. So könnt ihr Beweise für zusätzliche Bonuspunkte finden oder aber einfach nur albernen Gesprächen lauschen.


Natürlich könnt ihr euch in Hitman: Absolution auch wieder verkleiden. So könnt ihr nicht nur unzählige Klamotten finden, sondern euch der Situation dementsprechend anpassen. Wenn ihr also einen Polizisten heimlich um die Ecke bringt und seine Uniform stehlt, erkennen euch die Leute nicht mehr. Verdacht schöpfen nur andere Polizisten, die ihre Kollegen und Ziele natürlich in der Regel zumindest grob überfliegen können. Dieses Feature ist nicht nur schlüssig, sondern hilft euch zum Teil ungemerkt oder komplett unterzutauchen, um an den Feinden vorbeizukommen.

Hitman Absolution Screen

Die größte Neuerung dürfte der Instinkt sein. In einer Art Wallhack kann man somit nicht nur Feinde durch Wände sehen, sondern auch deren Laufwege. Außerdem hilft er euch, wenn man beginnt euch trotz Verkleidung zu verdächtigen, die Hand vor das Gesicht beim Gehen zu halten, sodass der Pegel, wie gut ihr durchschaut wurdet, nicht weiter ansteigt. Außerdem könnt ihr versteckte Türen, Lüftungsschächte und Verstecke viel besser erkennen. Doch aufgepasst: Den Instinkt könnt ihr nicht unendlich lang benutzen. Er füllt sich durch lautloses Ausschalten von Gegnern oder aber wenn ihr es schafft die Umgebung zu eurem Vorteil zu nutzen.

Im Instinktmodus könnt ihr außerdem wie im Sam Fisher-Style in eine Art Zeitlupe gelangen, in der ihre eure Gegner an tödliche oder weniger tödliche Stellen markieren könnt. Dabei verliert der Instinkt-Balken permanent an Energie, während mit jedem Hit auf ein Ziel eurer Wahl eine Kugel aus dem Lauf abgezogen wird. Ist die Instinktanzeige leer oder das Magazin alle, löst sich die Zeitlupe und die Exekution beginnt. Die Umsetzung ist zwar weniger cool als in Splinter Cell und für Hitman-Fans wohl eher suspekt, jedoch wurde dieser Mechanismus gerade für Killer-Anfänger hinzugefügt. Auf höheren Schwierigkeitsgraden entfällt der Instinkt.

Neben dem Storymodus bietet Hitman: Absolutionen noch einen zweiten Spielmodi. Im Auftragsmodus spielt ihr bestimmte Abschnitte der Kampagne erneut und versucht dort mehr Punkte einzusammeln als all die Konkurrenz weltweit. Wie auch in der Kampagne wird der Profikiller natürlich bevorzugt, während der Rambo weniger Punkte ans Ziel bringt. Das interessante am Spielmodus ist, dass ihr die Missionen selbst bestimmen könnt. So sucht ihr euch den Kampagnenabschnitt aus und definiert die Missionsziele. Dies ist zwar eine interessante „Mehrspieler“-Integrierung, die für weitere 100h Spielspaß sorgen soll, da die Schauplätze jedoch bekannt sind, liegt meine Motivation nicht ganz so hoch diese Abschnitte noch 100x zu spielen – egal wie kreativ die Missionsziele der Community auch aussehen mögen.

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Eines der größten Probleme des Spiels ist die Technik. Zum einen ist die KI mehr als intelligent, zum anderen rotzdoof. Werdet ihr von einem Zivilisten erwischt, geht dieser petzen und erst dann wissen die Wachen Bescheid. Im Allgemeinen wissen die Wachen nur dann etwas, wenn sie es unmittelbar gesehen haben oder aber von einem anderen in Erfahrung bringen konnten. Wissen eure Feinde jedoch genau wo ihr seid, sind sie oftmals zu blöd den Raum zu betreten oder die Tür zu finden. Ebenfalls mangelhaft ist die Grafik – undzwar auf der Konsole. Das Spiel besteht fast ausschließlich aus einer Mischung matschiger Texturen und Kantenflimmern. Hinzu kommen zum Teil wirklich schlechte Animationen, die teilweise so rüberkommen, als hätte man noch nie etwas von Motion Capturing gehört. Und wenn sich dann noch Gegner gegen die Wand lehnen uns bis auf die verschränkten Arme in der Wand versinken, fühlt man sich grafisch gesehen fast wie auf PlayStation 2-Niveau.

Ganz anders sieht es beim Sound aus. Die Synchronsprecher machen einen fabelhaften Job, sogar in der deutschen Lokalisierung. Die Musik ist einzigartig. Eine Mischung aus chilliger Texas-Musik, adrenalingeladenen Beats, düsterer Atmosphäre und kirchlicher Erlösung sind wohl die vier Eckpfeiler des Sounds zu Hitman: Absolution. Der Komponist hat es geschafft jeden Moment auf seine Art und Weise perfekt einzufangen und zu untermalen.

Das coolste am Spiel war jedoch für mich der Humor. Während Zwischensequenzen häufig trashig wie Tarantino-Filme wirkten, konnten vor allem im Spiel selbst die irrwitzigen Gespräche punkten.So lauscht ihr Gangstern, die sich gegenseitig ankacken oder aber könnt Todesszenen verfolgen, bei denen die Bösewichte einen Affentanz vor euch hinlegen. Hinzu kommen witzige und mehr als stilvolle Kill-Möglichkeiten, die ihr jedoch immer selbst herausfinden müsst. So könnt ihr die Lieblingspinkelstelle unter Strom legen oder aber die scharfe Grillsauce mit Benzin vertauschen, ein wenig warten und das Spektakel genießen. Außerdem könnt ihr irre Verkleidungen finden wie beispielsweise die Vogelscheuche, den Richter oder das Chipmunk-Kostüm.

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Hitman: Absolution ist zwar nichts Ganzes, doch glücklicherweise auch nichts Halbes geworden. Die Story wechselt permanent zwischen stark und billig, die KI überzeugt nur bedingt und technisch gesehen ist das Spiel auf der Konsole auch eher gute sechs Jahre alt. Dafür sind die Missionen jedoch abwechslungsreich und vielfältig, das Pensum zur Zielerreichung undenkbar groß, der Sound einsame spitzenklasse und auch der Humor hat besonderes Lob verdient. Agent 47 hat es geschafft sich neben Corvo und Connor erneut in die Welt der Assassinen-Spiele einzureihen. Doch macht er ihnen keine Konkurrenz, da es sich hierbei um wirkliche Stealth-Action handelt, die sehr selten geworden ist auf dem Spielemarkt, seit auch der gute Sam zum Actionheld geworden ist. Wer auf intelligente Schleichaction steht und seine Gegner vor der Eliminierung erst ausgiebig studieren will, der wird mit Hitman: Absolution eine Vorweihnacht erleben. Empfehlen möchten wir allen aufgrund der bescheidenen Konsolenumsetzung jedoch die PC-Version.

8 8 von 10

Fazit

Wer auf intelligente Schleichaction steht und seine Gegner vor der Eliminierung erst ausgiebig studieren will, der wird mit Hitman: Absolution eine Vorweihnacht erleben.


Hitman: Absolution

  • Testsystem:
  • Erscheint für: PC, PS3, Xbox 360
  • Publisher: Square Enix
  • Entwickler: IO Interactive
  • Genre: Stealth-Action
  • Release: 20.11.2012

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