Von
am 19. November 2012
Anzeige

Auf PC und Konsolen war bisher jeder Held der Assassin’s Creed-Reihe ein Vorfahre von Desmond Miles. Dieser wurde im ersten Teil von den Templern der Firma Abstergo gezwungen die Erlebnisse von Altair, einem Assassinen in den Zeiten der Kreuzzüge, nachzuerleben. Im zweiten Assassin’s Creed-Teil wurde dann Ezio Auditore da Firenze eingeführt, ein junger Assassine und ebenfalls ein Vorfahre Desmonds. Mit diesem habt ihr auch Assassin’s Creed: Brotherhood und Revelations durchlebt.Nun wurde in Assassin’s Creed 3 der Indianer Connor eingeführt, mit dem ihr auf Seiten der 13 Kolonien gegen die Briten kämpft. Dabei könnt ihr euch eurer indianischer Abstammung bedienen und Wurfpfeile und Bögen verwenden, um die Unabhängigkeitsarmee mit George Washington an der Spitze zur Freiheit zu verhelfen.

In Asassin’s Creed 3: Liberation dagegen schlüpft ihr zum ersten Mal in die Rolle einer Assassinin, die zudem auch keine Vorfahrin Desmonds ist. Stattdessen spielt ihr eine von der Assassin’s Creed-Reihe auf PC und Konsolen unabhängige Story, die euch vorgaukelt, ihr würdet selber in einem Animus bei Abstergo sitzen und die Erlebnisse der jungen Assassinin Aveline durchleben. Folglich gibt es keine Abschnitte wie in den bisherigen Assassin’s Creed-Teilen, in denen ihr in der Gegenwart spielt. Aveline lebt im Jahr 1765 in New Orleans. Die Stadt, die im heutigen US-Staat Louisiana liegt, war einst eine Hochburg der Sklaverei und des Sklavenhandels. Aveline ist eine junge Frau mit französischen und afrikanischen Wurzeln. Connor spielt keine große Rolle in Assassin’s Creed 3: Liberation und taucht nur kurz am Rande auf.

Liberation war einer der ersten Titel, die für die PlayStation Vita angekündigt wurden. Dazu ist es noch einer der wenigen Triple-A-Titel, die es auf den noch recht jungen Sony-Handheld geschafft haben. Dementsprechend groß war die Vorfreude der Fans auf den ersten Handheld-Ableger, der sehr nah an seinen „großen Bruder“ passen soll. Bisher gab es nur einige wenige Serienteile auf dem Nintendo DS und der PlayStation Portable. Alle diese Teile waren eher Sammlungen von Einzelmissionen oder gar, serienuntypisch, Jump ‘n’ Run-Sidescroller.

In der Haut von Aveline erlebt ihr einerseits den Unabhängigkeitskrieg, aber auch den Kampf der Bewohner New Orleans’ gegen die Spanier. Außerdem kämpft Aveline ihren ganz eigenen Krieg, denn ihre Mutter verschwand während der Unruhen in New Orleans. Die Suche oder Rache der Eltern ist ja ein typisches Hauptziel der Assassin’s Creed-Spiele. Schon in Assassin’s Creed 2 habt ihr den Tod eurer Familie gerächt. Allerdings war die Story des zweiten Ablegers wesentlich griffiger und enthielt keine Lücken. Diese gibt es dagegen in Liberation häufiger. Diese werden auch nicht im Nachhinein gefüllt. Hier geht eine Menge Potenzial verloren, denn die Zeit der amerikanischen Unabhängigkeitskriege ist bisher unverbraucht und wurde selten thematisiert. Hier hätte man wesentlich mehr Story einbauen können.

Dabei gibt es durchaus interessante neue Ansätze. So habt ihr mit Aveline die Möglichkeit, euch in andere Klamotten zu werfen und nicht ständig im alten staubigen Assassinen-Gewand herumzulaufen. Ihr habt die Wahl zwischen den Klamotten der Edeldame, mit der ihr feindliche Wachen verführen könnt, der Kleidung einer Sklavin, mit der ihr in Menschenmassen untertauchen könnt oder dem klassischen Assassinen-Gewand, mit dem ihr sowohl gut kämpfen als auch klettern könnt.

Jede Kleidung hat ihre Vor- und Nachteile. In den Klamotten der Sklavin steckt ihr nicht viel ein, seid aber enorm flink und könnt so Konflikten aus dem Weg gehen. In der Kleidung einer Edeldame könnt ihr nicht klettern, dafür aber Feinde verführen, die euch im Kampf helfen. Außerdem könnt ihr mit dieser Kleidung Wachen bestechen. In der Assassinen-Kluft seid ihr zwar schnell, könnt klettern und kämpfen, seid aber immer auffällig und werdet gesucht. Dabei habt ihr in den Hauptmissionen leider keine freie Wahl, in welcher Kleidung ihr die Mission bestreiten möchtet. Hier hätte man wesentlich mehr Handlungsfreiraum einbauen können, um die Missionen dynamischer zu machen und den Wiederspielwert zu erhöhen. Die Idee ist aber grundsätzlich toll und fügt sich perfekt in Assassin’s Creed ein. Gerne würde ich eine ähnliche Idee auch in kommenden Teilen der Serie sehen. Bisher durftet ihr immer nur in einzelnen Missionen Kleidung des Gegners tragen, diese aber nie wechseln.

Abseits der dürftigen Hauptmissionen gibt es weniger zu tun als in den Hauptteilen. Es gibt zwar wieder die eine oder andere Nebenmission, in denen ihr dann übrigens auch frei wählen dürft, mit welcher Kleidung ihr sie bestreiten wollt. Allerdings dürft ihr im Spielverlauf eine eigene Rederei aufbauen und Güter handeln. Dabei gilt es, wie beispielsweise im PC-Klassiker Patrizier, die beste und ertragreichste Route zu finden. Das lockert den eintönigen Nebenmissionen-Trott ungemein auf und ist eine spannende Alternative zum klassischen Dorfbau oder Dorf-Verwalten.

Aber kommen wir nun zum Sorgenkind der Assassin’s Creed-Spiele, dem Schwierigkeitsgrad. Wie fast jeder Teil der Serie ist auch Liberation viel zu einfach geraten, besonders vom Kampfsystem. Anders als in den Konsolenteilen warten die Gegner bei Liberation schön brav nacheinander auf ihren Tod. Ansonsten funktioniert das Kontern und Kämpfen wie auf der Konsole. Mit der Kreistaste kontert ihr Angriffe, um den Gegner mit der Vierecktaste zu töten. Eigentlich schade, aber der Schwierigkeitsgrad ist serientypisch nicht hoch.

Was dagegen teilweise so schwierig ist, dass es Frustmomente bereitet, ist das Flüchten in den Kleidern der Dame oder der Sklavin. Als Dame könnt ihr weder Klettern noch kämpfen und auch das Wachen bestechen funktioniert nicht mehr, wenn gerade Feinde hinter euch her sind. Als Sklavin könnt ihr zwar klettern, aber nicht kämpfen. Ihr habt zwar Waffen, steckt aber nicht allzu viel ein. Außerdem fragt man sich des Öfteren, warum die Wachen überhaupt hinter einem her sind. Der Gesucht-Status steigt übrigens auch wenn ihr nur verfolgt werdet, so ist dieser nach längeren Verfolgungsrennen im roten Bereich und ihr werdet sofort angegriffen. Ihr könnt dann Steckbriefe abreißen oder Zeugen eliminieren, in den falschen Klamotten kann das aber wieder weitere Kämpfe provozieren.

Die Funktionen der PlayStation Vita werden an einigen Stellen eingesetzt. So könnt ihr ein Ruderboot mit den Rückseiten Touchpad steuern. Oder ihr müsst die PlayStation Vita gegen eine Lichtquelle halten, um eine geheime Botschaft auf dem Papier im Spiel lesen zu können. Die Funktionen, die in Assassin’s Creed 3: Liberation angewandt werden, sind nicht unbedingt neu, denn viele kennt man bereits aus Uncharted: Golden Abyss. Aber trotzdem faszinieren sie immer wieder.

Leider sind einige Vita-Spielereien noch verbuggt, hier hätte man durchaus sauberer arbeiten können und hätte ein besseres Produkt erhalten. Apropos sauberer Arbeiten: Assassin’s Creed 3: Liberation erschien exklusiv für die PS Vita. Theoretisch müsste das Spiel flüssig auf dieser Plattform laufen, was es leider nicht immer tut. Des Öfteren konnte man kleine oder auch größere Ruckler entdecken. Gerade bei Kämpfen gegen mehrere Feinde nervt das Ruckeln ungemein. Insgesamt ist New Orleans in Liberation aber gut umgesetzt und passt absolut in die Zeit. Zwar sind Zwischenvideos und Zwischensequenzen längst nicht so pompös und perfekt in Szene gesetzt wie in den Konsolenteilen, packen einen jedoch, von den Story-Fehlern und Lücken einmal abgesehen. Im Muliplayermodus werden die Kämpfe mit anderen Spielern lediglich ausgewürfelt. Einen echten Multiplayermodus wie es ihn seit Assassin’s Creed Brotherhood gibt, sucht man in Liberation leider vergebens.

Insgesamt macht Assassin’s Creed 3: Liberation einen guten Eindruck. Eine offene Welt wie man sie an der Reihe schätzt, die ihr auch unterwegs erkunden könnt. Dazu die Stadt New Orleans, die perfekt in Szene gesetzt ist. Die Features der PS Vita wissen zu begeistern und die unterschiedlichen Kostümierungen von Aveline passen perfekt ins Spiel und würden auch kommenden Serienteilen auf den großen Konsolen und dem PC durchaus gut stehen. Leider wurde etwas an der Umsetzung gespart, denn das Ruckeln kann einen bei größeren Kämpfen schon sehr nerven, besonders wenn man gerade ohnehin auf der Flucht ist. Auch die Story ist leider eher ein Flop. Somit bleibt Assassin’s Creed 3: Liberation eine Top-Wertung verwehrt. Insgesamt ist es aber einfach der geile Spielstil von Assassin’s Creed und eine in sich stimmige Welt, die trotzdem Spaß und Lust auf mehr macht.

7 7 von 10

Fazit

Assassin's Creed 3: Liberation für PS Vita hat seine Schwächen. Insgesamt ist es aber einfach der geile Spielstil von Assassin's Creed und eine in sich stimmige Welt, die trotzdem Spaß und Lust auf mehr macht.


Assassin's Creed 3: Liberation

  • Testsystem: PS Vita
  • Erscheint für: PlayStation Vita
  • Publisher: Ubisoft
  • Entwickler: Ubisoft Sofia
  • Genre: Action-Adventure
  • Release: 31.10.2012

Heiß diskutiert