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Republique im Test

2012 war Kickstarter noch jung, unerforscht und aufregend. An diesem Abenteuer wollte auch Ryan Payton teilhaben: Der West-Spezialist der Kojima Productions gründete sein eigenes Studio und wollte mit Republique beweisen, dass Premium-Games auch auf Smartphones funktionieren.

Ein Plan der auf wenig Gegenliebe stoß: Die Kickstarter-Kampagne tröpfelte nur vor sich hin, lange Zeit sah es so aus als würde Republique sein Funding-Goal vollends verpassen. Erst als die Ankündigung einer PC-Version kam und namhafte Synchronsprecher wie David „The Voice of Snake“ Hayter ihre Unterstützung zusagten, konnte Republique sein Ziel denkbar knapp erreichen.

Doch damit fingen die Probleme gerade erst an: Und erst jetzt — geschlagene vier Jahre später — findet die Republique-Saga mit der Veröffentlichung der fünften Episode sowie dem PS4-Komplettpaket sein Ende. Was lange währt, wird jedoch nicht immer richtig gut: Republique trägt sein Herz am rechten Fleck, hat jedoch mit der spielerischen Belanglosigkeit zu kämpfen.

Republique oder: Metal Gear Solid Lite

Ryan Payton arbeitete nicht nur bei Kojima Productions, er ist auch großer Fan von Hideo Kojima. So verwundert es nicht, dass Republique eindeutig von Metal Gear Solid inspiriert wurde. Wie das große Vorbild versucht Payton ein aktuelles Thema aufzugreifen, welches er in seinem Spiel bearbeiten kann: Die Wahl fiel auf Überwachung. Was passiert, wenn man in einer Welt, in der Kameras omnipräsent jeden Schritt überwachen, die Überwachungsmechanismen gegen die böse Regierung ausspielt?

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Die Geschichte um Hope, die versucht aus dem geheimnisvollen Gebäudekomplex namens Metamorphosis auszubrechen, ist philsophisch angehaucht, etwas wirr und nie ganz so tiefgründig wie sie es gerne sein möchte. Nun mag man sagen: Mission erfüllt, das klingt alles verdächtig nach Metal Gear Solid. Doch leider fehlt Republique zwischen all der Cheesiness und den Sci-Fi-/Dystopie-Klischees dieser gewisse Funke Genialität, der selbst die absurdeste Hideo Kojimas Geschichte noch packend macht (na gut — MGS5 klammer ich hier einmal aus).

Anders als Metal Gear Solid verzichetet Republique jedoch weitestgehend auf ausufernde Zwischensequenzen. Wer all die Nuancen der Geschichte verstehen will, muss sich stattdessen Audio-Logs anhören oder Mails hacken, um langsam zu entdecken, worum es wirklich geht. Allgemein bleibt jedoch festzustellen, dass die Geschichte von Episode zu Episode etwas merkwürdiger wird — und es schwer fällt, sich des Eindrucks zu erwehren, dass die Entwickler nicht ganz wussten, wohin die Geschichte eigentlich führen soll.

Interessantes Konzept trifft auf simples Gameplay

Spielerisch erinnert Republique an eine Mischung aus den ersten Episoden von Metal Gear Solid und Resident Evil: Wie in den Abenteuern von Solid Snake und Raiden blicken wir aus – mehr oder weniger – starren Kameraperspektiven auf Hope hinab, beobachten dabei aufmerksam die Routen der Wachen und versuchen ihre Wege nicht zu kreuzen. Das Art-Design und die vereinzelten Rätsel-Einlagen wecken hingegen gewisse Erinnerungen an den Capcom-Klassiker.

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Das Stealth-Gameplay ist sehr simpel gehalten: Die Umgebungen werden zumeist nur von ein, zwei Soldaten bewacht, die zudem eher zu der Gattung „Tomaten auf den Augen“ gehören. Es gibt zudem nur wenige taktische Möglichkeiten: Im Laufe des Spiels kann man zwar neue Fähigkeiten kaufen, doch diese sind zumeist nicht so nützlich wie sie scheinen. Simples Stealth-Gameplay der alten Schule hat seinen ganz eigenen Reiz: Im Falle von Republique entsteht aufgrund der Simplizität und der fehlenden Herausforderung jedoch kein packendes Spielgefühl.

Der große Clou von Republique ist es, dass man eigentlich nicht Hope spielt, sondern einen unbekannten Hacker, der sich Zugriff auf die Überwachungskameras von Metamorphosis verschaffen hat. So können wir als Hacker von Kamera zu Kamera springen um den Blickwinkelzu suchen, aus dem wir Hope am besten sehen oder auch einmal ohne unsere Heldin die Umgebungen vorerkunden. Oder Türen, PCs und andere Nützlichkeiten hacken. In der Originalversion von Republique konnte man zudem Hope nicht direkt steuern, sondern ihr lediglich den Befehl erteilen, wo sie hingehen soll. Dies hat man in der PS4-Umsetzung zugunsten der Spielbarkeit verwässert: Auf der Sony-Konsole übernehmen wir mittels des linken Analogsticks ganz direkt Kontrolle über Hope.

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Der Ansatz ist interessant, leider wird er jedoch schnell bedeutungslos: Das ständige Kamera-Hopping wird schnell lästig, sodass man nach kurzer Zeit anfängt Republique wie ein ganz normales Spiel mit mehr oder weniger starren Kameraperspektiven zu spielen. Das ständige Öffnen des Menüs um Kameras zu wechseln, Türen zu öffnen oder PCs zu hacken, geht zudem schnell auf die Nerven. Angenehmer wäre es gewesen, hätte man diese Optionen nahtlos in das aktive Gameplay eingefügt. So wird das Feature, welches Republiques Aushängeschild sein sollte, zu seinem nervigsten.

Dystopisch schön

Wenn in Republique etwas über jeden Zweifel erhaben ist, dann das Art-Design: Das kleine Entwicklerstudio war sich seiner Limitierungen bewusst und hat geschickt eine Präsentationsart gewählt, die auch mit einfachen Mitteln ein tolles Ergebnis erzielen lässt. Die Grafik, welche auf Unity 5 basiert, sieht schick aus und überzeugt mit einer wunderbaren Umgebungsgestaltung.

Republique ist eine kleine Tragödie: Das Art-Design ist wundervoll, die wirre Story hat trotz ihrer Klischees interessante Ansätze, die Art und Weise wie die Überwachungsthematik behandelt wird, ist clever und das Gameplay hat seinen simplen Charme. Umso schwerer fällt es zuzugeben, dass Republique der Belanglosigkeit verfällt: Republique trägt sein Herz am rechten Fleck und erlaubt sich keine groben Schnitzer, doch am Ende steht leider doch nur ein Spiel, das seine Ansätze nicht zu einem überzeugenden Gesamtwerk vereinen konnte.