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Quantum Break: Das Film-Spiel im Test

Die Kombination von Film und Videospiel ist beileibe kein Neuland mehr. Bereits in den 90er Jahren verband Chris Roberts einzelne Filmsequenzen mit der Story des Videospiels Wing Commander. Trotz des überragenden Erfolgs des Weltraumsimulators sind Games dieser Art nach wie vor Mangelware. Mit Quantum Break wagt das Entwicklerteam von Remedy einen erneuten Versuch und kann, so viel sei bereits verraten, mit einer absolut gelungenen Mischung und einer nahezu tadellosen Umsetzung glänzen.

Ein bahn- und zeitbrechendes Experiment

Das Herumexperimentieren mit der Zeit ist keine gute Idee. Diese Erfahrung muss unser virtuelles Alter Ego Jack Joyce am eigenen Leibe erfahren, als er von seinem alten Studienkollegen Paul Serene in das Physiklabor am Campus der Universität von Riverport bestellt wird – und das zu nachtschlafender Zeit. Serene berichtet von einem bahnbrechenden Erfolg seiner langjährigen Studien und eröffnet dem staunenden Jack seine Theorie über das Reisen durch die Zeit. Nach anfänglicher Skepsis wird rasch klar: Die Theorie wurde bereits in die Praxis umgesetzt und eine funktionsfähige Zeitmaschine wartet im Labor auf ihren ersten Einsatz.

Der Tag an dem die Erde stillstand

Es kommt wie es kommen muss… Das Experiment zeigt einen fatalen Verlauf und fügt der Zeit als solcher einen erheblichen Riss zu. Das Resultat: das vermeintliche Ende der Zeit. Vögel bleiben im Flug auf der Stelle, das rege Stadtleben verstummt und die anstürmenden Spezialeinheiten verharren bewegungslos mit gezückten Waffen in einer unnatürlichen Stellung. Moment mal… Soldaten? Tatsächlich scheint sich von der einen Sekunde auf die andere die gesamte Welt gewandelt zu haben. Jacks Studienkollege ist um Jahre gealtert und im Laborkomplex wimmelt es von privaten Soldaten des Unternehmens Monarch. Die Geschichte von Quantum Break mag den einen oder anderen zu Beginn stark verwirren. Verschiedene Blickwinkel und zeitliche Gegebenheiten werden dem Spieler an den Kopf geworfen. Nach und nach jedoch wird die Situation ein wenig klarer. Von der Story selbst soll an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten werden. An Schlüsselstellen des Spiels werdet ihr immer wieder vor schwerwiegenden Entscheidungen gestellt. Diese verändern nicht nur den Spielverlauf, sondern auch Teile der gezeigten Serienepisoden. Als kleines unterhaltsames Gimmick werden euch, nachdem ihr eine Option gewählt habt, die Entscheidungen der Community sowie die eurer Freunde angezeigt.

Quantum Break 01

Videospiel oder interaktive Serie?

Die Handlung des Spiels gestaltet sich angenehm komplex und kann diesbezüglich durchaus mit aktuellen TV-Serien mithalten. Die kreativen Drehbuchschreiber von Remedy haben sich die Zeit genommen, die einzelnen Protagonisten und dessen Wesenszüge ausführlich darzustellen. Auch die Hintergründe und Motive der Antagonisten werden beleuchtet und machen die Story des Videospiels greifbarer. Vorangetrieben wird die Geschichte einerseits durch das Gameplay selbst. Funksprüche, Aushänge, Dialoge und E-Mails liefern interessante Informationen zu den Hintergründen der zeitlichen Anomalie. Ein Augenöffner der besonderen Art sind die gerenderten Zwischensequenzen. Insbesondere die Charaktere sehen, nicht zuletzt dank der menschlichen Vorlage, absolut echt und überzeugend aus. Zusätzlich werden die Handlungsstränge in Realverfilmungen weiter gesponnen. Am Ende eines jeden Aktes erwartet den Spieler ein mehr als 20minütiges Video.

Bekannte Gesichter

Insgesamt vier Episoden werden in Quantum Break gezeigt. Die Verfilmungen können in Sachen Qualität und Besetzung mit erfolgreichen TV-Formaten mithalten. So wird der Hauptprotagonist Jack Joyce von Shawn Ashmore gespielt, der bereits in verschiedenen X-Men-Filmen sowie in der Erfolgsserie The Following mitspielte. Ebenfalls zu sehen sind die Schauspieler Dominic Monaghan, Lance Reddick sowie Aidan Gillen, der seine Rolle als Paul Serene sehr überzeugend darstellt. Bereits die hochkarätige Besetzung macht es deutlich: Quantum Break setzt einen starken Fokus auf eine tiefgründige und großartig präsentierte Storyline. Ein Großteil des Spiels wird durch Zwischensequenzen, Dialoge sowie durch die vier Realverfilmungen bestimmt. Wer vor allem interaktive Action suchst, ist bei Quantum Break nur bedingt richtig aufgehoben.

Quantum Break 03

Manipulationen der Zeit

Das bedeutet jedoch nicht, das Quantum Break nicht genügend adrenalingefüllte Momente bereithält. Die interaktiven Passagen haben es mehr als in sich. Zumal das missglückte Experiment am Campus der Universität von Riverport nicht nur psychosomatische Spuren an dem von uns gesteuerten Jack zurückgelassen hat. Der Chrononaut ist fortan in der Lage allerlei Spielereien mit der Zeit anzustellen. Die wohl wichtigste Kraft ist der sogenannte Zeitblick. Dieser hebt besondere Objekte sowie Anomalien in der Zeit farbig hervor. Der Entwickler Remedy hat kleine Knobeleien designt, die den geschickten Einsatz dieser Fähigkeit voraussetzen. Ebenfalls praktisch ist die farbige Untermalung von Feinden und Gefahrenquellen. Auf diese Weise ist Jack seinem Gegner stets einen Schritt voraus.

Jack – Die Ein-Mann-Armee

Eine allumfassende Rundumsicht ist mehr als hilfreich, keine Frage. Doch wenn es in Massengefechten hoch her geht, rücken andere Fähigkeiten von Jack in den Vordergrund. Mit der Zeitbarriere beispielsweise könnt ihr einerseits die Zeit in gezielten Bereichen eurer Umwelt anhalten. Besonders fies ist diese Fähigkeit, wenn ihr gegnerische Soldaten darin gefangen haltet und ein komplettes Magazin auf die beweglosen Opfer abfeuert. Die Kugeln selbst bleiben zunächst auch in der Zeitblase gefangen. Wird die Anomalie jedoch aufgehoben, schalten sie die Soldaten im Inneren gnadenlos aus. Zeitblasen können jedoch nicht nur offensiv, sondern auch zur Verteidigung eingesetzt werden. Droht Jack ins virtuelle Nirwana abzugleiten, kann er die Zeit um sich herum stoppen. Die Kugeln bleiben dabei zunächst in der Zeit gefangen und Jack bekommt die Gelegenheit sich neu zu positionieren. Einen ebensolchen Vorteil hält auch die „Shwoosh“-Fähigkeit bereit. Auf Knopfdruck hechtet unser Zeitkrieger einige Meter in die gewünschte Richtung – und das stark beschleunigt. Die Feinde sind dadurch zunächst verwirrt und brauchen einige Sekunden um das Ziel erneut ins Visier zu nehmen. Weiterhin wird die Zeit nach dem Einsatz kurzzeitig verlangsamt. Dadurch habt ihr ausreichend Zeit einzelne Ziele anzuvisieren und auszuschalten. Weit brachialer hingegen geht es bei der Anwendung der Zeitexplosion zu. Einmal aufgeladen werden alle Opfer im Zielgebiet auseinander gesprengt. Dieser Skill eignet sich vortrefflich um Gegneransammlungen in kürzester Zeit auszuschalten.

Quantum Break

Ein wahrer Augenöffner

Nicht nur beim Gameplay, sondern auch in Sachen Optik haben die Entwickler für reichlich Abwechslung gesorgt. Die Schauplätze in Riverport gestalten sich vielseitig und zeigen liebevolle Details. Auch die Licht- und Partikeleffekte können sich absolut sehen lassen. Stellenweise trüben jedoch unscharfe und matschige Texturen das sonst makellose Gewand von Remedys Actionhit. Der Sound lässt kaum Wünsche offen und dröhnt eindrucksvoll aus den Boxen. Explosionen bringen- ein entsprechendes Boxensystem vorausgesetzt – den Boden zum beben.

Fazit

Ist Quantum Break eigentlich noch ein Videospiel? Der Anteil am aktiven Gameplay hält sich tatsächlich die Waage mit den Storypassagen. Dennoch hat mir das Kleinod aus dem Hause Remedy mehr als gut gefallen. Die starke Handlung samt passender Charaktere, die bombastische Inszenierung sowie der erfrischende Mix aus Realfilm und Ingame-Sequenzen passen einfach gut zusammen. Trotz spielerischer Schwächen ein absoluter Pflichttitel für Xbox One-Besitzer!

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