
Was lange währt, wird endlich gut. So könnte man die Geschichte von Sonys PlayStation Move beschreiben, welches sich seit über zehn Jahren in Entwicklung befindet und abgespeckt als EyeToy einige Jahre später mit zweidimensionaler Raumerkennung erschien. Doch bereits damals gab es 3D-Demos, die heutigen sehr ebenbürtig erscheinen und sogar am Glanz von Microsofts Kinect kratzen. Denn wie Kinect konnte die Kamera schon damals einzelne Gliedmaßen erkennen und die Bewegungen im Raum korrekt nachvollziehen. Dass es heute im Jahre 2010 soweit ist, dass wir auch daran teilhaben können, ist wohl dem verpassten Trend seitens Sony zuzuschreiben, die sich wohl bei der herkömmlichen Controllerbeilage der PlayStation 3 sicherer fühlten, erneut der Hersteller mit den größten Absatzzahlen seit Anbeginn der Videospielgeschichte zu werden. Doch seit dem Launch der mittlerweile zur Current-Gen gewordenen Next-Gen-Konsolen war nur Nintendo dazu in der Lage Geld zu drucken: Nach zwei eher schleppend verkauften Konsolen waren sie es, die sich am ehesten dazu in der Lage fühlten etwas grundlegend zu ändern. Die Frage ist nur: Wäre Nintendo – hätte Sony nicht den Trend verkannt – danach wirklich aus dem Heimkonsolenmarkt ausgestiegen und hätte sich alleinig auf ihren DS berufen, wenn der direkte Vergleich beider Geräte zum Misserfolg geführt hätte? Die Geschichte wäre wohl ganz anders verlaufen.
- PlayStation Move mit Taschenlampen-Funktion -
Nach dem Auspacken von Sonys schrill anmutenden Controller fällt eines ganz besonders auf: Hochwertigkeit. Die Move reiht sich vom Handling super in die PlayStation-Familie ein und wirkt wie andere Eingabegeräte von Sony sehr wertig und intuitiv. Die Buttons haben gute Druckpunkte, die Form und das Material laden zum rutschfesten Umfassen des Peripheriegerätes ein und die leuchtende Kugel ersetzt den Lichtschalter auf dem Klo, wenn man spontan mit angezogener Handschlaufe dann doch mal einen Schokotaler ins weiße Haus befördern muss. Apropos Handschlaufe: Im Gegensatz zur Wii Remote besitzt diese einen kleinen Plastikclip und ist so noch sicherer und fester am Handgelenk zu befestigen. Auch die neuen Tasten wie der T-Button (Trigger) auf der Rückseite und Move-Button, der mittig platziert auf der Vorderseite den größten Button des Controllers darstellt, lassen sich ausgezeichnet bedienen. Sie schreien förmlich danach, gedrückt zu werden. Während sich die Symboltasten nicht ganz so zart von meinem Daumen umspielen lassen. Ob es hierbei nach einem Redesign verlangt, sollte man zu gegebener Zeit an Spielen wie SOCOM: Special Forces testen, die die Tasten essentiell voraussetzen. Bei den Starttiteln ist das bisher nicht der Fall. Start und Select, die an den Seiten zu erreichen sind, fallen sehr klein aus und lassen sich ohne Zweithand nur schwer bedienen. Allerdings braucht man sie auch nur zum Pausieren und Neukalibrieren der Move, weshalb diese Verlegung sehr sinnig erscheint um Ausrutscher zu vermeiden.
- Durchdachtes Bedienkonzept -
Um nicht andauernd zwischen PlayStation Move und DualShock 3-Controller hin und her wechseln zu müssen, hat man die PlayStation 3 während der letzten Updates zur Move-Akzeptanz getrimmt. Nun ist es euch mit dem auf der Move befindlichen PlayStation-Taste möglich ins XMB-Menü der PS3 einzutauchen und dieses komplett durch Neigen des Controllers zu steuern. Das Tolle daran ist: Während das Konzept von PlayStation Move zwar auf die Abtastung der PlayStation Eye-Kamera basiert, ist diese jedoch nicht für den XMB-Einsatz notwendig. Man kann sich also locker in irgendeinen Sessel in der Ecke schmeißen, mittels Gyroskope im Controller der PS3 sagen, in welche Richtung man gerade scrollen will und so einen Film oder einen Musiktitel abspielen.
Was ihr braucht, um in den vollen Genuss von PlayStation Move zu gelangen? Wir empfehlen das PlayStation Move-Starter-Paket, welches aus einer PlayStation Eye-Kamera besteht, einem Move-Controller und einer Demodisc mit ausführlicher Videoanleitung, spielbaren Demoversionen verschiedener Spiele und drei PSN-Minispielen („Blocks“ im Stil von Jenga, „echochrome 2“ und „Draw“, mit dem ihr auf eurer Mattscheibe Bilder malen könnt). Das Ganze gibt es für etwa 60 € und ist somit ein gutes Angebot. Wer bereits seit Jahren eine PlayStation Eye-Kamera sein Eigen nennt, braucht keine Angst zu haben, dass diese antiquiert ist. Die, die dem Starter-Pack beiliegt, ist zu Einhundertprozent Baugleich mit denen vergangener Tage. Leider fehlt der PlayStation-Move Navigation-Controller, der wie bei der Wii eine Art Nunchuk darstellt und für aufwendigere Spiele gedacht ist, in denen man sich durch die Spielwelt mittels Analogstick bewegen muss. Etwa 30 € sollten für diesen eingeplant werden. Für einen zweiten Move-Controller für einen Mitspieler oder ein erweitertes Spielerlebnis (beispielsweise Bogenschießen mit zwei Move-Controllern) solltet ihr etwa 40 € berappen. Unterm Strich also viel Geld, aber immer noch billiger als sich eine Wii anzuschaffen. Wer schon eine hat oder nicht auf das Bedienkonzept abfährt, sollte sich beim Anzocken von Spielen wie SOCOM: Special Forces überzeugen lassen und eventuell dann zuschlagen. Denn das könnte auch Hardcore-Gamern gefallen. Mir gefiel es zumindest auf der gamescom dieses Jahres und ich habe selbst wenig Lust auf Fuchtelspiele.
Die kommenden Tage sagen wir euch, von welchen Spielen ihr lieber Abstand nehmen solltet und welche das Geld wert sind. Denn zurzeit rotieren KungFu Rider, Start the Party, EyePet Move Edition und Sports Champions in unserer Redaktion.
Video zur 75-minütigen Präsentation an der Stanford University im Jahre 2004 von Sonys Dr. Richard Marks: Videostream.

rilling schrieb am 18.09.2010 um 20:18 Uhr