
Sage und schreibe fünf Jahre musste die Videospielwelt nun auf den „Real Driving Simulator“ der Next-Generation warten. Nach der Bekanntgabe diverser Releasedates, welche aber kurze Zeit später auch schon wieder verschoben wurden, hat das Warten für die Anhänger der echten Racing-Simulationen ein Ende. Nachdem selbst die „Vorabversion“, genannt Gran Turismo 5 Prologue, schon fast drei Jahre auf dem Buckel hat, ist man natürlich umso mehr gespannt, was das Team um Chefentwickler Kazunori Yamauchi denn so auf den Bildschirm gezaubert hat. Hier könnt ihr es endlich in Erfahrung bringen.
- Von Grund auf verändert -
Die Blu-ray-Disc voller Erwartungen eingelegt, die Augen leuchten immer mehr, der Adrenalinpegel steigt ins Unermessliche … und schon kommt die erste Meldung, ich solle das Spiel installieren. Adrenalinpegel auf null. Also eine Stunde gewartet, schließlich möchte ich während des Spielens nicht durch kleine Ruckler oder zusätzliche Ladezeiten gestört werden. Doch als dann das Intro über den Bildschirm flimmerte, konnte es endlich losgehen.
Der Spielstart von Gran Turismo 5 ähnelt sehr stark dem Vorgänger. Erst einmal mit dem vorhandenem Startguthaben einen gebrauchten Wagen gekauft und die ersten A-Spec-Missionen gefahren. Was aber sofort als Neuerung auffällt, ist, dass es nun auch für euren computergesteuerten Mitfahrer, auch bekannt als B-Spec, einen eigenen vollwertigen Bereich mit den gleichen Fahrmissionen wie für den realen Fahrer gibt. Hier müsst ihr euch erst einmal einen (oder auch mehrere) Kumpanen erstellen, bei dem ihr die Skills wie Kurventechnik, Bremsen oder physische Stärke mit ein paar Startpunkten selbst bestimmen dürft. Mit jedem Rennen, das euer B-Spec dann im gesonderten Modus fährt, sammelt er Erfahrung, und ihr könnt ihn euren Wünschen entsprechend aufbessern. Viele werden sich noch in Gran Turismo 4 an den teils sehr dürftigen B-Spec-Fahrer erinnern, der bei einem einzigen Fahrfehler im wahrsten Sinne auf der Strecke stecken bleibt. Leider ist dies auch in Gran Turismo 5 wieder der Fall. Touchiert euer Kumpan einmal die Leitplanke und erwischt die nächste Kurve etwas falsch, fährt er ununterbrochen gegen die Mauer, setzt dann zurück, nur um dann ein erneutes Mal hineinzudonnern. Das Tragische hierbei ist, dass ihr als Befehlsgeber hier absolut nichts anderes machen könnt, als das gesamte Rennen neu zu starten. Einen positiven Aspekt müssen wir in puncto B-Spec aber doch erwähnen: Habt ihr eurem Mitfahrer zu Beginn einen eher coolen und abgebrühten Fahrstil verpasst, dürft ihr ihn auf der Strecke aber nicht zu sehr hetzen, da er sonst häufiger zu Fehlern neigt. Ist der Stil eher hektisch, werden im Gegenzug allerdings eure Reifen und Sprit schneller zu Neige gehen. Hier muss ein taktisch kluger Kompromiss gefunden werden. Hinzu kommt, dass auch die Computergegner bei einer längeren Hetzjagd ebenfalls Fahrfehler machen und aus der Kurve fliegen können.
Verbesserungen spürt man nun endlich auch bei den KI-Fahrern. Diese bremsen nicht einfach, wenn ihr nur mal mit dem Lenkrad zuckt, sondern wechseln sofort die Linie und versuchen euch mit allen Mitteln zu überholen, manchmal schleichen sich sogar Fahrfehler ein. Selbst wenn die KI eigentlich nach einer Kurve schon so gut wie überholt ist, lässt sie euch die Aggressionen über den Platzverlust deutlich spüren. Sportlich und fair sind die KI-Fahrer ja nicht unbedingt. Hinzu kommt, dass bei den Fahrmissionen die ernsthafte Konkurrenz meist nur die ersten beiden Fahrzeuge im Feld sind. Die restlichen sind leicht zu überholende Gegner mit langsamen Gefährten, während die ersten beiden meist die Protzkarren fahren dürfen.
Ebenfalls neu ist der Level-Modus. Mit jedem Rennen, das ihr in Gran Turismo 5 absolviert, erhaltet ihr je nach Erfolgsgrad Erfahrungspunkte, welche euch in der Summe einen Level aufsteigen lassen. Je höher euer Level, desto mehr Rennen und Wagen könnt ihr freischalten. Allerdings benötigt ihr für jeden Level mehr und mehr Erfahrungspunkte, was euch dazu zwingt, diverse Rennen auch schon mehrere Male anzutreten. Angefangen vom kleinen Level 1 Sunday Cup, bei dem ihr mit VW Polo und Co. um kleinste Kurse tuckert, bis zu den 24-Stunden-Rennen auf der legendären Nürburgring Nordschleife, welche erst ab Level 40 zu haben ist. Echte Rennwagen aus der Le Mans-Serie werdet ihr – je nach Kontostand – erst im Bereich ab Level 25 kaufen können. Hinzu kommt, dass das langersehnte Schadensmodell nun endlich den Weg in Gran Turismo gefunden hat. An dieser Stelle möchte ich unseren diversen anderen Magazin-Kollegen mitteilen, dass Gran Turismo 5 sehr wohl ein realistisches Schadensmodell aufzuweisen hat. Mit Standard-Wagen könnt ihr noch mit 200 in eine Leitplanke donnern, nur um dann einen Kratzer auf der Stoßstange davonzutragen. Mit Premium-Wagen hingegen büßt ihr schon bei der kleinsten Mauerberührung aufgrund von aerodynamischen Veränderungen und Teileverschleiß Geschwindigkeit ein. Echte Cracks dürfen sich somit beim 24-Stunden-Rennen auf ein nie da gewesenes Rennerlebnis freuen.
