
Seit beinahe sieben Jahren trällern PlayStation-Besitzer schon in die SingStar-Mikros, seit sechs Jahren dürfen Wohnzimmerrocker in Guitar-Hero-Saiten hauen. Vor vier Jahren etablierte sich mit dem Rock-Band-Franchise der Instrumente-Hype endgültig und lässt seitdem keine Plattform mehr aus. Egal welche Konsole ihr besitzt, es ist mittlerweile möglich, alle Songs von Rock Band 2 im Solo-Modus nur mit dem Schlagzeug zu daddeln oder bei Guitar Hero World Tour nur den Gesangspart zu übernehmen. Auch die SingStar-Reihe will nun mitziehen und euch an die Klampfe locken. Konnte man in den bisherigen zwölf Current-Gen-Episoden des Karaoke-Hits nur singen, bietet SingStar Guitar nun erstmals die Möglichkeit, eine Gitarre von Rock Band oder Guitar Hero anzuschließen. So könnt ihr mit bis zu drei Freunden spielen, wobei zwei singen und zwei an Gitarre rocken. Stellt sich die Frage: Braucht die Welt ein weiteres Spiel, das die beliebten Plastikklampfen unterstützt, wenn man schon sämtliche Episoden der Konkurrenz daheim stehen hat? Wir haben getestet, was das erste SingStar mit Instrumenten-Unterstützung taugt und verraten euch, ob sich die Trackliste für echte Stubenrocker lohnt.
- Sex, Drugs & Pop-Rock -
Wie gehabt beinhaltet SingStar Guitar 30 bekannte Songs mit dem jeweiligen Original-Musikvideo. Wer aber denkt, SingStar möchte ab jetzt wie die Konkurrenz auf der Headbanger-Schiene mitfahren, hat sich geirrt. Die Tracklist ist bei weitem nicht so rocklastig ausgefallen wie bei der Gitarren-Konkurrenz. So findet sich kein einziger Metal- oder Industrial-Titel. Die Interpreten sind allesamt aus den Charts bekannt. Selbst Indie-Bands wie Bloc Party, die mit „Helicopter“ am Start sind, oder The White Stripes mit „Fell in love with a girl“ dürften mittlerweile auch der breiten Masse bekannt sein, Franz Ferdinand („No you girls“) und Kaiser Chiefs („I predict a riot“) laufen ebenfalls im Radio. Lediglich The Raconteurs, die Zweitband von White-Stripes-Sänger Jack White, die ihre Debütsingle „Steady as she goes“ zum Besten gibt, sowie Kasabian mit „Fire“ stammen aus der alternativeren Ecke. Auffallend ist auch, dass keine ältere Songs aus dem Bereich Classic Rock dabei sind. Während Guitar Hero mit echten Gitarrenhelden wie Black Sabbath, Iron Maiden und Aerosmith auch die älteren Zocker beglückt, hält SingStar Guitar lediglich „Under Pressure“ von Queen im Duett mit David Bowie sowie „The man who sold the world“ von letzterem bereit. Immerhin sorgen The Clash mit „Rock the Casbah“ sowie die Toten Hosen mit „Ertrinken“ für die nötige Prise Punk und auch die 80er-Jahre-Fans werden bedient: The Cult geben euch „She Sells Sanctuary“ auf die Ohren und The Cure sind mit „The Lovecats“ an Bord. Ein Jahrzehnt später singen die Brit-Rocker von Pulp in der „Disco 2000“ und Blur ihren „Song 2“. Besonders freuen dürfte sich der ein oder andere über die beliebte Band Muse, die „Supermassive Black Hole“ beisteuert. Aus der deutschen Indie-Ecke „lass(en)“ Madsen „die Liebe regieren“, Auletta „Meine Stadt“ erklingen und Jennifer Rostock rocken zu „Kopf oder Zahl“. Eher unbekannt sind Elbow („Grounds for Divorce“) und KT Tunstall („Suddenly I see“). Der Rest lässt sich dem Bereich Charts-Mainstream zuordnen. Songwriterin Colbie Caillat schmilzt bei „Bubbly“ dahin, Revolverheld bezeichnen sich als „Spinner“ und Ich + Ich besingen das „Pflaster“. Jamiroquai sorgt mit „Too young to die“ für funkige Abwechslung, The BossHoss mit „Go! Go! Go!“ für Pop-Country. 3 Doors Down bieten mit „Kryptonite“ einen ihrer älteren Titel und die Stereophonics sind „Just looking“. U2 („Beautiful Day“) und Tina Turner („Steamy Windows“) machen die älteren Radiohörer glücklich und Tokio Hotel sollen mit „Automatisch“ auch die jüngeren ködern. Wer mit den deutschen Interpreten nichts anfangen kann, holt sich die UK-Version des Spiels. Dort sind dann Paramore, The Stone Roses, The Veronicas, Vampire Weekend, Pixies, Ladyhawk, Buzzcocks sowie Florence + The Machine mit von der Partie.
