Specials

PlayStation VR: Hands-on, Robinson, Farpoint & RIGS

Auf der gamescom 2016 hatte ich endlich einmal selbst die Möglichkeit Sonys neueste Erfindung PlayStation VR auszuprobieren. Aus einer Fülle an Titeln, von denen ca. 50 bereits zum Launch am 13. Oktober verfügbar sein werden, wählte ich folgende drei Spiele aus, die mein Interesse bereits zuvor in Trailern und anderen Events weckten und anhand derer ich die Möglichkeiten der virtuellen Realität erleben wollte. Diese Spiele konnte ich in jeweils 10-minütigen Spielsessions antesten:

  • Robinson: The Journey
  • Farpoint
  • RIGS: Mechanized Combat League

Robinson: The Journey & PlayStation VRRobinson: The Journey

Zuallererst nahm ich mir Cryteks Survival-Adventure Robinson: The Journey zur Brust. In wenigen Sekunden setzte mir ein freundlicher Mitarbeiter am Sony-Stand der gamescom die VR Brille auf, passte sie mit wenigen geschickten Handgriffen auf meinen Kopf an und justierte den Abstand zwischen Augen und Bildschirm. Das Produktdesign scheint folglich sehr ausgereift und einfach in der Anwendung zu sein. Anschließend nahm ich zum ersten Mal das 5,7 Zoll große OLED-Display in Full-HD innerhalb der VR Brille wahr (960 x 1080 Pixel pro Auge) und war einerseits über den technologischen Fortschritt erstaunt und zugleich auch ernüchtert. Auch wenn die Auflösung auf dem Blatt Papier hoch genug erscheint und bei der teureren Konkurrenz kaum höher ausfällt, merkt man dem Produkt an, dass wir es hier mit den Anfängen der Technologie zu tun haben.

Vermutlich wird man erst in wenigen Jahren, wenn 4k-Bildschirme zum Alltag gehören und wir vermutlich schon bei 8k angekommen sind, entsprechende Panels dann auch in VR Brillen Einzug erhalten, vollends zufrieden sein. Aktuell müssen wir uns jedoch noch mit „weniger“ zufrieden geben – in diesem Falle eben RGB Full HD. Aufgrund des minimalen Abstands zum Gesicht ist man aus Gewohnheit und weiterer Entfernung zum Monitor und Fernseher in voller Auflösung ein einerseits detailreicheres und andererseits zugleich weicheres Bild gewohnt, welches durch weniger Kantenbildung auffällt. Die tolle Grafik der CryEngine, die man sich bisher in Trailern zu Robinson: The Journey auf seinem 2D-Bildschirm anschauen konnte, wird jedenfalls nicht in dieser atemberaubenden Qualität von der Brille wiedergegeben. Aber nun gut: Eingestellt hatte ich mich mental schon auf das Problem, nun wollte ich erfahren, ob ich, wenn ich mich nur intensiv und immersiv genug mit dem Universum auseinandersetzte, darüber hinwegsehen und unbemerkt ad acta legen könnte.

Gestrandet auf einem exotischen Planeten voller Dinosaurier

Zusammen mit einer KI (genau genommen einer schwebenden Robokugel, die zugleich als Wegweiser und Gehilfe dient), erforscht ihr einen verwilderten Planeten, auf dem sich cooler- und erschreckenderweise kleine und große Saurier tummeln, die man mitunter aus dem Geschichtsunterricht, Kino oder Bilderbuch kennt. In dem für PlayStation VR exklusiv entwickelten Spiel stecken wir in der Haut eines Teenagers und versuchen im Urzeit-Dschungel zu überleben und die Geheimnisse die ihm innewohnen zu entdecken.

In der Demo wurde ich des Öfteren von hungrigen Raptoren überrascht, die glücklicherweise nicht an mich herankamen und nur versuchten vergeblich nach meinen Beinen zu schnappen. Größere Flugsaurier zogen ihre Kreise über meinem Kopf und riesige Pflanzenfresser versperrten mir den Weg. Durch physikbasierte Rätsel schaffte ich es jedoch eine Frucht von einem Baum zu pflücken und das Tier, dessen Maul größer war als mein gesamter Körper, wegzulocken. Die Weitsicht durch den Dschungel, den ich oftmals von Baumkronen aus beobachtete, war erstaunlich und trotz der grob anmutenden Auflösung wunderschön. Klettereinlagen, wie wir sie bereits in Cryteks VR-Game „The Climb“ sehen konnten, haben ebenso ins Spiel gefunden.

Negativ fiel mir jedoch die Steuerung auf. Zwar wirkten besonders die Klettereinlagen realistisch und gut umgesetzt, doch war das eigentliche Laufen meiner virtuellen Figur doch recht umständlich. Anstatt sich frei bewegen zu können drehte ich meinen Alter Ego immer um ein ganzes Stück nach rechts oder links, was nicht nur alles andere als „real“ wirkte, sondern auch beim vermeintlichen geradeaus Laufen an einem schmalen Abhang Probleme bereitete, da ich ihn im Zickzacklauf erklomm und meine Figur nicht den Pfad entlang justieren konnte. Warum man sich für diese Art der Steuerung entschieden hat weiß ich nicht, hoffe jedoch, dass man sie bis zum Erscheinen des Spiels gegen eine freie Bewegungsart austauscht.

Ob das Spiel einen für viele Stunden fesseln kann und man eine besondere Erfurcht gegenüber den Urzeitkreaturen entwickelt, vermag ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen. Bisher hielt sich die Immersion in Grenzen, was vielleicht der merkwürdigen Steuerung geschuldet ist und die aktuell noch die sonst gut gemachte Erfahrung im Kopf als virtuelle Realität zerstört.

Farpoint

Farpoint VR
Ich muss zugeben: Auf Farpoint für PlayStation VR habe ich mich am meisten gefreut. Und wenige Sekunden nach dem Start fühlte ich mich auch zugleich mittendrin. Das Gefühl und die Erfahrung waren weitaus realer als noch bei Cryteks Robinson-Abenteuer, was hier mitunter daran liegt, dass ihr nicht gemütlich auf dem Stuhl während des Zockens sitzt sondern euch wie ein Soldat im Stehen und mit nervösem Finger am Abzug durch eine außerirdische und euch feindselig gesonnene Wüstenlandschaft ballert.

Wirklich geil an Farpoint ist einfach, dass es via Move Controller in einer Plastikknarre gespielt wird und sich dadurch irre real anfühlt. Ihr könnt an euch hinab sehen und eure Füße und euren Körper bestaunen, eure Waffe bewegt sich in alle erdenklichen Richtungen genauso, wie ihr sie haltet und führt und ihr zielt tatsächlich intuitiv und perfekt aus der Hüfte auf anspringende Kreaturen oder feuert auf sie gekonnt aus der Entfernung mittels Holovisier, wenn ihr sie dicht an euer Auge bewegt. Waffen im Spiel tauscht ihr aus, indem ihr als Geste euren Ballermann auf die neue Wumme legt und auch Granaten konnte in der kleinen Demo bereits abfeuern. Hierfür ist ein Knopf auf der Unterseite der Waffe befestigt, ähnlich des Triggers der Wii Fernbedienung. Gegen Ende der Demo musste ich einen schmalen Pfad an einer Schlucht passieren und ertappte mich dabei, einen inneren Anflug von Respekt gegenüber der virtuellen Höhe zu verspüren. Virtuelle Realität funktioniert, wenn sie gut gemacht ist und schafft es wirklich das Gehirn auszutricksen. Und ich bin heiß auf mehr davon! Leider handelt es sich bei Farpoint nicht um einen Launchtitel der PlayStation VR Brille im Oktober. Ein Releasetermin des Spiels für 2017 steht derzeit noch aus.

RIGS: Mechanized Combat League

RIGS: Mechanized Combat LeagueLeute, nur ein Wort: HAMMER! Das ist es, was mir sofort in den Sinn kam, als man mir die PlayStation VR Brille am RIGS Stand aufsetzte. Klar, dass die Jungs und Mädels hinter Killzone von Guerrilla Games es sich nicht nehmen lassen ein visuell beeindruckendes Produkt hinzulegen, aber dass es dann auch noch so intuitiv spielbar und immersiv daherkommt, hätte ich mir nicht erträumen lassen. Das fängt schon zu Spielbeginn in der Boxengasse an. Ihr steht in einem riesigen Hangar und jede Menge Techniker und Piloten wuseln um euch herum und gehen ihren scheinbaren Tätigkeiten nach. Es fühlt sich an, als wärt ihr der neue Star in der Formel 1, nur ein paar hundert Jahre in der Zukunft, in denen ihr als Pilot hinter mechanischen Sportlern Platz nehmt und an futuristischen Kampfsportarten in explosiven Arenen gegeneinander antretet.

Nachdem ihr euch euren Mech – den sogenannten „RIG“ – ausgewählt habt, steht der riesige Koloss auch schon in „Lebensgröße“ vor euch. Meine Güte ist das Teil groß. Und es sieht verdammt gut aus. Ohne Unterbrechnung werde ich in den Pilotensitz gehoben und das Cockpit vor meinem geistigen Auge kalibriert. SO COOL! Das allein ist schon Erfahrung genug. Ich denke wirklich, dass es mittels PS VR möglich sein wird Laufsimulatoren oder Non-Games zu entwickeln, die auch gänzlich ohne echte Spielmechanismen beeindrucken können. Der interaktive Auswahlbildschirm von RIGS: Mechanized Combat League ist hier das perfekte Beispiel.

Nachdem sich alle Spieler während der gamescom dem Match angeschlossen haben, fuhr man auch schon mittels Fahrstuhl und erneut ohne Unterbrechung oder Ladebildschirm aus dem Hangar nach oben in die Arena. Tolles Mittendrin-Gefühl diese nahtlosen Übergänge. Guerrilla hat verstanden, an welchen Stellschrauben man für eine immersive Erfahrung drehen muss.

Oben angekommen ertönte das Ampelsignal und alle Lichter standen auf rot. Ich blickte mich kurz um und erhielt einen grandiosen Eindruck und Überblick von der Stage. Meine übergroßen Wummen standen mir an beiden Seiten hilfreich zur Seite und beim Herunterblicken bemerkte ich erneut, wie verdammt groß der RIG tatsächlich ist. Leute mit Höhenangst werden vermutlich bereits an dieser Stelle „aussteigen“ wollen. Ich dagegen wartete auf das Signal. Die Ampel wechselte auf grün und ich schoss los nach vorn. Mein Rig hatte die Fähigkeit des Doppelsprungs, wodurch ich einfach oben gelegene Plattformen erreichte, auch wenn ich nicht der wendigste, schnellste oder kleinste Mech unter meinen Mitstreitern abgab. Die Unterlegenheit meiner Angrifssfläche machte ich durch zielsicheres Aiming auf meine Gegner wieder wett. Auch dies muss jedoch auch erst einmal verinnerlicht werden, denn anders als bei herkömmlichen Egoshootern zielt ihr hier mit eurem Kopf. Glücklicherweise hatte ich es schnell raus und mähte einen Feind nach dem anderen nieder. Ein Sony-Mitarbeiter hob auf einmal meinen Kopfhörer und schrie mir ins Ohr:

„Spring durch den Kreis in der Mitte der Arena und punkte das Match!“

Ich verstand nicht genau was er von mir wollte und womit all dies zusammenhing doch tat wie mir geheißen: Mit einem Doppelsprung katapultierte ich mich in die Mitte der Map, nahm den Aufstieg ins obere Zentrum während das System die Gegner darüber informierte, dass ich zur Punktlandung ansetzte. Ein Kugelhagel drosch auf mich ein und flog mir um die Ohren. Doch ehe ich mich versah sprang ich durch einen gelb schimmernden Kreis ins untere Zentrum der Arena und punktete für unser Team. Ich verstand nicht genau alle Details in dieser kurzen Testsession, doch es schien mit den Kugeln zusammenzuhängen, die abgeschossene Gegner fallen lassen und die beim Aufsammeln die Punkteleiste erhöhen, mit der man zum entscheidenden Punkt ausholen kann, wenn diese ausreichend gefüllt und entsprechend der Punktebereich aktiviert wurde.

Was für ein cooles Spiel. Ehrlich! Oder wie Wolf Speer von Inside PlayStation treffend formulierte: Es fühlt sich an wie eine Mischung aus Pacific Rim und Quidditch. Ich muss jedoch auch sagen, dass die schnelle Action, bunte Optik, die schwindelerregenden Höhen und das immersive Gameplay tatsächlich einen Anflug von Motion Sickness in mir auslösten. An dieser Stelle vermutlich irgendwie ein Kompliment ans Entwicklerteam für die intensive Erfahrung.

Guerrilla Games ist sich dessen aber bewusst und bietet im vollständigen Spiel jede Menge Optionen an, um sich komfortabler im RIG zu fühlen. Einerseits wurde die Sitzhöhe angesprochen, andererseits auch das Katapultieren aus dem explodierenden RIG. Hier wird man in einer Art Schutzkapsel vor dem vermeintlichen Ableben des Profisports gerettet und kann sich kurzerhand das Getümmel von oben ansehen, um einen Überblick über das Geschehen am Boden zu erhalten.

RIGS: Mechanized Combat League ist ein Starttitel für PlayStation VR und erscheint demnach zusammen mit der Peripherie am 13. Oktober dieses Jahr in Deutschland. Neben dem sportlichen Multiplayer wird es auch eine Solokampagne und unterschiedliche Spielmodi geben. Mit eigenen Skins und Siegesanimationen lassen sich die RIGS zudem an seinen eigenen Spielstil anpassen. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für PlayStation VR Day One-Besitzer! Vermutlich einer der coolsten (wenn nicht DER coolste!) Titel zum Start!

PS VR – Kaufen oder nicht kaufen?

Ich hoffe, ich konnte euch in diesem Artikel einige Vor- und Nachteile der virtuellen Realität mithilfe der PlayStation VR Brille aufzeigen und euch für das ein oder andere Spiel begeistern. Ich persönlich habe mir bereits eine Brille vorbestellt, muss jedoch auch sagen, dass die richtig großen Spiele trotz des unglaublichen Startlineups von ca. 50 Games noch auf sich warten lassen. Zwar gehören Vollpreistitel wie RIGS: Mechanized Combat League bereits zu den Starttiteln und sind wirklich eine Anschaffung wert, doch echte und mitunter stark auf Singleplayer ausgelegte Erfahrungen werden sicherlich erst nächstes Jahr mit Farpoint erscheinen.

Sony selbst gab bereits im Interview an, dass die Entwickler ebenso in den Kinderschuhen der Technik stehen und rasante Sprünge während der Entwicklung machen. Einige von ihnen haben ihr erstes Spiel bereits abgeschlossen und werkeln derzweit am nächsten, welches unglaublich viele Learnings aus dem Erstling gezogen hat. So sind Spiele der 2. oder 3. Generation aufgrund der Lernkurve so viel immersiver und genialer, auch wenn die Entwickler bereits jetzt sehr gute Arbeit geleistet haben und tolle Erfahrungen präsentieren.

2017 und 2018 werden vermutlich die großen Jahre der virtuellen Realität; ob man jedoch schon vorher einsteigen sollte, muss jeder für sich entscheiden. Aufgrund des fairen Preises verglichen mit den Brillen wie HTC Vive oder Oculus Rift kann man jedoch nicht viel falsch machen. Auch die Ersparnis gegenüber eines Kaufs in 2017 sollte sich stark in Grenzen halten – vermutlich sind Preisreduzierungen hier ohnehin noch nicht zu erwarten.

PlayStation VR auf Amazon vorbestellen