
Tokio … Ein Häusermeer mit undurchsichtigem Gewusel dazwischen, umrahmt von seltsamen Schriftzeichen, deren Sinn sich den meisten Europäern wohl auf ewig verschließt. Für die einen ein Abenteuer, für die anderen ein Alptraum, für mich jedoch nicht so schlimm wie erwartet. Bereits ein halbes Jahr in Japan verbringend, habe ich mich an vieles bereits gewöhnt. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass außer am Bahnhof und an den Convenience Stores nirgendwo Mülltonnen zu finden sind. Oder dass Leute dafür bezahlt werden, vor Läden und in Kaufhäusern zu stehen, um die Leute zu begrüßen. Auch sehr nett sind die Schilder in den Zügen, die einen darauf hinweisen, dass es verboten ist, Frauen unter den Rock zu fotografieren. Aber bei all den bemerkenswerten Dingen, die einem hier dargeboten werden, fällt dem Normaleuropäer, wenn er an Tokio denkt, vor allem eines ein: Menschenmassen.
- Station Nr. 1: Capcom-Presseevent -
Dass nicht alles bloß auf Klischees beruht, musste ich spätestens auf dem Weg zur Tokyo Game Show erfahren, denn ab dem Bahnhof Tokyo sollte ich keine menschenleere Ecke mehr vorfinden. Sorgt das unglaubliche Gewusel nicht schon für Reizüberflutung genug, so muss man zunächst mal das passende Gleis finden, das mit schnellem Schritt über einige Rolltreppen und lange Gänge in immerhin noch 15 Minuten zu erreichen ist. Einen Sitzplatz im Zug zu finden ist dagegen schier aussichtslos, umfallen wird man trotzdem nicht. Und dann, nach einer quälenden Stunde Fahrt, erreicht man endlich sein Ziel: Das Makuhari-Messegelände.
Auf dem Weg vom Bahnhof zur Messe wich ich erst mal geschickt den Hostessen aus, die mich mit Werbematerialien zuballern wollten und separierte mich von der Masse, die zu den Hallen stürmten, während ich gelassen einen anderen Weg einschlug. Im nahegelegenen Hotel New Otani hatte ich nämlich einen Termin bei Capcom. Im Übrigen die einzige Firma, die so freundlich war europäischer Presse an einem Besuchertag noch einen Anzocktermin zuzugestehen, was wohl vor allem damit zusammenhängt, dass auf der TGS viele Spiele gezeigt werden, die ihren Weg niemals aus Japan herausfinden werden, teilweise weil sie speziell für den japanischen Markt gedacht und gemacht sind.
