Luise Künnemann – Interview

Wir haben der „Wer wird Millionär?“- Kandidaten ebenso ein paar Antworten entlockt. Geld gab es allerdings keines.


 

Luise Künnemann bei Wer Wird Millionär

Next-Gamer-Redakteurin Luise Künnemann hat sich einen Traum erfüllt: Als Kandidatin der RTL-Sendung „Wer wird Millionär“ saß sie Angesicht zu Angesicht mit Günther Jauch und spielte um eine Million Euro. Leichtfüßig ließ die 18-Jährige Frage um Frage hinter sich und mauserte sich in nur wenigen Minuten zum Publikumsliebling. In einem spannenden Showdown musste sie sich letztendlich geschlagen geben und hörte freiwillig bei der stolzen Summe von 64.000 Euro auf, die sie dann auch gleich mit nach Hause nahm. Wir haben mit Luise Künnemann, derzeit Studentin der Medientechnik und freiberuflich als Redakteurin für Next-Gamer.de tätig, gesprochen. Für die Beantwortung unserer Fragen ließen wir allerdings nichts springen.


Wie kann man sich den Prozess von der Bewerbung bis hin zur tatsächlichen Teilnahme an „Wer wird Millionär?“ vorstellen? Hast du nach deiner Bewerbung eine Zusage als Kandidatin erhalten oder wurdest du erst über mehrere Ertappen gecastet?

Man kann sich auf verschiedenen Wegen bewerben. Per Postkarte, per SMS, per Anruf - bei mir hat es auf dem klassischen Postwege geklappt. Dann wird man angerufen und beantwortet eine Frage, dazu kommt ein bisschen Smalltalk über das eigene Leben. Daran gewöhnt man sich während des nächsten Anrufs, bei dem auch weitere Wissensfragen auf dem Plan stehen. Ist man erst mal ausgewählt, bleibt bis zur Aufzeichnung nicht mehr ewig Zeit, was gut ist, weil man sich sonst total aufs Lernen irgendwelcher Bestenlisten, geografischer Fakten usw. versteifen würde. Ich bin der Meinung, das wäre unklug, denn man würde sich zu sehr auf das konzentrieren, was man gelernt hat und sich ärgern, wenn genau danach nicht gefragt werden würde, was sicher der Fall ist - die Chance ist ziemlich hoch. Oder man kommt erst gar nicht auf den Stuhl.


Ein Format wie „Wer wird Millionär“ ist bei der Auswahl seiner Kandidaten natürlich auf der Suchen nach interessanten Persönlichkeiten. Glaubst du, dass dein perfekter Abitur-Schnitt von 1,0 ein bestimmendes Kriterium für deine Auswahl war?

Ich glaube, es war bei mir die Kombination. Ohne arrogant wirken zu wollen - eine 1,0-Abiturientin mit einem Leben wie ein Meerschwein wäre vielleicht nicht durchgekommen, denke ich. Dass ich aber die für Mädels immer noch ein wenig ungewöhnliche Leidenschaft Videospiele habe, "trotzdem" 1,0 geschafft hab und am Telefon anscheinend nett und offen genug rüberkam, hat zur Auswahl geführt, würde ich sagen.


Nach deinem TV-Auftritt hast du dich sozusagen zu einem kleinen Star gemausert. RTL Punkt 12 oder Bild klopfen an die Tür und haben Interesse an deiner Person. Wie gehst du mit dieser medialen Aufmerksamkeit um?

Ehrlich gesagt – das war mir von vornherein klar – ist dieses Interesse mittlerweile größtenteils wieder abgeflaut und ich weiß nicht genau, ob ich darüber traurig sein sollte. ;) Hätte ich die Million geholt, wäre das sicher noch ein paar Wochen so weitergegangen. Ich bin selbst überrascht, wie sehr es mir eigentlich gefallen hat. Einfach der Einblick in diese Welt und auf Arbeit mal sagen zu können: "Sorry Chef, ich würde dann gern noch zwei Telefon-Interviews machen, müsste bisschen eher weg." Ich habe die temporäre Aufmerksamkeit also sehr genossen, begreife aber durchaus, dass diese vor allem aufgrund der potenziellen Million entstanden ist und lebe mein Leben jetzt auch ohne die Medien weiter - wie vorher. :)


Glaubst du, dass sowohl Geld als auch zu viel Aufmerksamkeit den menschlichen Charakter negativ verändern können?

So wie es jetzt bei mir ist - nein, das glaube ich nicht. Ich kann nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, wie es bei einer Million gewesen wäre, wenn das Konfetti erst mal geregnet wäre ... Aber selbst da denke ich, dass ich in meinen jungen Jahren einiges durch habe, was mich nicht so schnell vom Erdboden abheben lässt - in vielerlei Hinsicht. Vielleicht ist es wirklich Schicksal oder so was in der Art, dass ich die Frage nicht beantworten konnte und die letzten beiden somit nicht gesehen habe. Aber mit 64.000 Euro wird mein Charakter wohl nicht negativer, als er sowieso schon ist. 8-) Und trotzdem: Geld kann Menschen negativ verändern, Aufmerksamkeit noch mehr. Davon bin ich überzeugt. Die Medien können ziemlich viele Menschen extrem zerstören. Vielleicht bin ich dem ja entgangen, dadurch dass die Million mir entgangen ist?


Du hast eine spezielle Fähigkeit: Du bist in der Lage blitzschnell die Anzahl der Buchstaben jeglicher Wörter zu zählen. Wann hast du von diesem Talent zum ersten Mal Wind bekommen und wofür braucht man sowas?

Brauchen tut man das leider für gar nichts, befürchte ich! Außer um Herrn Jauch mal ein Sekündchen zu verwirren ... Doch, etwas fällt mir ein: Sinnvoll ist das Ganze in Bezug auf Rechtschreibung und Erinnerungsvermögen. Ich weiß meist, wie viel Buchstaben ein Wort haben muss und wie es aussieht - sieht es anders aus, ist es also definitiv falsch geschrieben. Und: Wenn ich z. B. einen Filmtitel suche, der mir partout nicht einfällt, weiß ich meist, wie viele Buchstaben er hat und den Anfangsbuchstaben. Dann kommt man leichter darauf. Ich kann nicht erklären, woran das liegt, ist aber ganz witzig. Gemerkt hab ich das so mit 15, 16 oder etwas eher. Wie in der Sendung gesagt, nachdem ich immer im Kopf „mitgetippt" habe, wenn ich redete. Dann hab ich das unterbewusst immer häufiger gemacht. Aber keine Sorge: Man kann mit mir trotzdem normal reden.