SAW II: Flesh & Blood

Schaurige Selbstzerstückelung oder miserable Spielumsetzung?


 

Artikelbild zu SAW II: Flesh & Blood

Es war das Jahr 2004, als wir das erste Mal mit Jonathan Kramer, besser bekannt als „Jigsaw“, konfrontiert wurden. Einen solchen Film wie SAW gab es schon lange nicht mehr zu sehen. Für die einen einfach nur widerlich und geschmacklos, kamen vor allen Dingen Fans des Horrorgenres auf den Geschmack und freuten sich schon auf die Fortsetzung. Auch wenn die Nachfolger teilweise nicht ganz an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen konnten, stellte die SAW-Filmreihe auf der Comic-Con den Weltrekord als „Erfolgreichste Horror-Film-Serie" auf. Schafft es die Spielumsetzung SAW II: Flesh & Blood das Grauen und den Ekel genauso gut darzustellen wie die Filme?

- Die Geschichte beginnt.  Hallo Michael, ich möchte ein Spiel spielen -

Ihr schlüpft in die Rolle von Michael Tapp, Sohn von Detective David Tapp. Dieser sollte euch noch aus dem ersten Teil bekannt sein, denn er bekam dort die Hauptrolle. Am Anfang findet ihr euch an einem Tatort wieder, könnt dort aber nur mit den Anwesenden plauschen. Überrascht von jemandem in einer Schweinemaske, findet ihr euch ebenfalls gefangen in Jigsaws kranker Welt. Nachdem ihr bei eurer ersten Aufgabe gescheitert seid, macht ihr euch Barfuß auf den Weg die Umstände für den Tod eures Vaters zu ergründen. Leider liegen überall auf dem Boden Scherben, an denen ihr euch verletzt. Es ist also Vorsicht angebracht. Es wäre natürlich toll unterwegs irgendwo halbwegs festes Schuhwerk zu finden. Diese Suche könnt ihr allerdings abhaken. Michael wird das komplette Spiel über auf nackten Sohlen durchs Spiel flitzen oder eher joggen. Die Charakteranimation für das Laufen gleicht eher einem gemütlichen Dahinjoggen als einem Fliehen aus einem Alptraum. Etwas lächerlich wirken auch fehlende Animationen für das Einschalten von Lichtschaltern oder das Öffnen der einen oder anderen Tür. Man ist heutzutage schlichtweg besseres gewöhnt.

- Gute Spielumsetzungen von Filmen sind immer noch Mangelware -

Sinn und Zweck bei SAW ist es den Grausamkeiten des Killers zu entkommen und die Rätsel, die in die ersehnte Freiheit führen, zu lösen. Auf eurem Weg durch die dunklen Gemäuer tauchen aber auch an der einen oder anderen Stelle psychopatische Gegner auf. Eigentlich sollte man vor Schreck das Pad gegen die Wand werfen und um sein Leben rennen. Glücklicherweise erscheint aber ein Tastensymbol, welches bei korrekter Eingabe ein Quicktime-Event auslöst und den Feind spektakulär ausschaltet. Habt ihr zudem einen der zahlreichen Schlagwaffen in der Hand verpasst ihr eurem Widersacher kurzerhand ein drittes Nasenloch und eine Kopfverletzung von der er sich nicht so leicht erholen wird. Leider fühlt man sich als Protagonist, im eben beschriebenen Szenario, viel zu sicher. Bei einem Horror-Spiel hat ein Quick-Time-basiertes Kampfsystem eigentlich nichts zu suchen. Die Geschwindigkeit und der unbändige Druck, dass hinter der nächsten Ecke irgendetwas lauern könnte, gehen schlichtweg verloren. Das positive daran ist aber, dass ihr euch so in Ruhe auf die Rätseleinlagen konzentrieren könnt. Die Knobelaufgaben sind jedoch schnell gelöst. Mit ein wenig Beobachtungsgabe habt ihr schnell das nötige Händchen für die Lösung. Bei den vielen Minispielen gilt jedoch eher das „Trial-and-Error“-Prinzip. Ihr müsst also ständige Versuche in Kauf nehmen, um an das Ziel zu kommen. Das Ziel kann in diesem Fall das Öffnen einer verschlossenen Tür, eine Fallakte bzw. Tonbandaufnahme mit Hintergrundinformationen, eine niedliche Puppe oder einem weiteren mehr oder weniger nützlichem Gegenstand sein. Am Anfang mag das Anordnen der Zahnräder, das Schalten eines Stromkreises oder das Benutzen eines Nagels zum Öffnen einer  Tür für Unterhaltung sorgen. Mit fortlaufender Handlung fühlt man sich aber einfach nur genötigt schon wieder selbiges zu tun. Ein wenig Abwechslung innerhalb der Rätsel hätte hier nicht geschadet.

   Einen weiteren Minuspunkt möchte man gern für die Grafik verteilen. Zu keiner Zeit im Spiel wird wirklich das Niveau von derzeitigen Next-Gen-Konsolen ausgereizt. Sowohl Charaktere als auch die verschiedenen Levelbereiche besitzen keinen Sinn für Detailverliebtheit. Das nötige Gore-Feeling kommt dabei ebenfalls zu kurz. Die gewohnte visuelle und affektorientierte Gewaltdarstellung, die im Film in Groß-, Nah- und Detailaufnahmen gezeigt wird, bietet sich im Spiel gar nicht. Will man gerade bei einer Foltermethode in der ersten Reihe Platz nehmen, fährt sogleich ein Rollgitter herunter oder das Opfer wird auf mysteriöse Weise verschleppt. Schade …

   Auf einen Multiplayer wurde ebenfalls verzichtet. Potential wäre aber genügend vorhanden. Stellt euch einmal vor selbst als Jigsaw tätig zu werden oder als „Schweinehirt“ verkleidet Opfer für den Meister zu suchen. Interessant wäre es auch mit anderen Onlinespielern aus einem Gefängnis zu entkommen, wo jeder sein eigenes Rätsel zu lösen hätte. Intrigen, Mord und Verrat währen die Schlussfolgerung. Stattdessen ist nach gut sechs bis acht Stunden ein weiteres Kapitel abgehakt.

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