
Jedes Jahr bzw. alle hundert Jahre nach Castlevania-Zeitrechnung begibt sich der Graf wieder unter die Lebenden, um - wie sollte es auch anders sein - die Menschheit zu versklaven. Die Belmonts haben sich des Kampfes gegen Draculas „Schergen der Nacht“ angenommen und in ihren Lebensläufen unter Joberfahrung gesetzt. Sei es in 2D oder in High-End-3D, die Peitsche wird immer geschwungen und Vampire nehmen Reißaus. Castlevania: Lords of Shadow begleitet einen weiteren Belmont-Sprössling namens Gabriel auf seiner Reise zu Draculas Schloß.
» Feuchte Höschen sind wohl garantiert, wenn der Name Castlevania in einem Lebenshauch mit Hideo Kojima, seines Zeichens Branchenrebell, genannt wird. Der Meister der Erzählkunst trifft auf eines der ältesten Franchises. «
Gabriel Belmont kann das, was seine 3D-Vorgänger nicht zu können vermochten. Er peitscht und kreuzt sich ziel- und punktgenau durch die großen verwinkelten Areale, die in sich geschlossen eine Geschichte erzählen. Castlevania: Lords of Shadow ist die Geschichte eines Auserwählten, der noch nichts von seiner Bestimmung zu wissen vermag. Regelrecht weltoffen wird dem Spieler die Reise in farbenfrohen Gebieten und zu Beginn recht Castlevania-untypischen Gegnern präsentiert. So sind die ersten Feinde neben den Werwölfen kleine Hobgoblins, die sehr starke Ähnlichkeiten zu World of Warcraft-Feinden aufweisen. Terroristisch sind diese kleinen Plagegeister ebenfalls veranlagt: Sie schmeißen gerne Bomben auf den auserwählten Vampirjäger.
Eine größere Palette an Feinden hatte bis dato noch kein Castlevania. Während das kleine Fußvolk als Push-Over und EXP-Spammer agieren, sind die Bosse von einem nahezu atemberaubenden Kaliber, denn diese verdienen den Begriff „bildschirmfüllend“. Oft sieht man nicht einmal den Kopf oder das obere Drittel des Bosses. Diese haben erstaunlich wenig mit Castlevania zu tun, wirken aber dennoch wie fast schon zum Serien-Inventar gehörend. Dies mag definitiv an der Kojima-Erzählkunst liegen, denn zu keiner Zeit zweifelt man die Daseinsberechtigung bestimmter Kreaturen an. Vor allen Dingen wirkt das Setting wie eine Mischung aus Mythologie in ihrer reinsten Form und Vampirromantik eines Groschenromans. Storytelling at its best.
Als Sprößling einer Vampirjäger-Blutlinie muss sich Gabriel natürlich auch zu verteidigen wissen. Während den Kampfeinlagen mit Standardgegnern ist die fast schon „übermenschliche“ Power der Waffen allerdings eine sehr langweilige Angelegenheit. Denn hier reicht ein einfacher Tastendruck, um mit der Peitsche den „Crowd-Control“-Modus zu aktivieren. Dies hält Gegner, durch den großen Peitschenradius, auf sichere Distanz und fügt gleichzeitig allen in unmittelbarer Nähe stehenden Gegnern immensen Schaden zu. Dementsprechend leicht ist es, genügend Experience-Points zu horten, um diese gegen „noch bessere“ Moves einzutauschen. Bis kurz vor Ende des Spiels ist das „Kaufen“ von Moves allerdings kaum relevant, da es neben der Crowd-Control-Peitsche ebenfalls ausreicht, den Gegner per Schultertaste in den Kampfgriff zu nehmen und in der richtigen Sekunde irgendeinen Button zu drücken, um den Gegner entweder direkt in einem Blutschwall zu vernichten oder aber soweit zu schwächen, dass der nächste Peitschenhieb tödlicher Natur ist. Bosse unterliegen diesem Problem nur bedingt, da es hier primär darum geht im richtigen Moment auszuweichen und dann den Schwachpunkt anzugreifen.
Hier macht sich auch bemerkbar, dass Castlevania: Lord of Shadow in keinster Weise nur ein „Abklatsch“ der God of War-Serie ist. Castlevania übernimmt zwar einige Elemente, aber setzt diese konsequent in den Castlevania-Rahmenbedingungen um, so dass man von einer eigenständigen Referenz im Bereich der Hack-&-Slay-Titel sprechen sollte.
