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LEGO Marvel Avengers im Test – Jetzt gibt’s voll auf’s Klötzchen

Eine offene Spielwelt, Milliarden von LEGO Steinchen, Marvels größte Helden und schräger Humor! Da kann doch eigentlich nichts schief gehen oder doch?!

Stockfinster und knackig kalt ist es draußen in der Nacht! Ein kleiner Junge liegt friedlich in seinem Bett und schnarcht vor sich hin! Ein großer, massiver Schatten huscht lautlos durch das Zimmer, finstere Pläne scheinen ihn anzutreiben. Der Mond wirft sein spärliches Licht in den Raum, es ist kaum etwas zu sehen. Der Schatten streckt seine Hände aus und kurz bevor er das Kind erreicht, hört man ein lautes Knacken und folgende Laute:

„Gott verdammte Schei….! Ich glaub es nicht, du verfluch….kleiner Sack! Wiiiiieee oft habe ich dir gesagt du sollst dieses schei….verdam….beschis…..LEGO aufräumen! Ich dreh dir den Hals um!“

Der Schatten humpelt davon, flucht noch gute 10 Minuten, der diabolische Plan, dass Kind zuzudecken, da der Hintern halb aus dem Bett hing und es recht kalt im Zimmer war, wird verworfen, Rückzug ist das neue Motto. Sieht man dann noch das Lächeln des kleinen Sackgesichtes im Bett, könnte man denken, es war pure Absicht, hier Tretminen zu verteilen!

Ich sags euch, Väter/Mütter haben es nicht einfach! Ich gebe zu, als Kind hab ich mich immer gefragt, warum meine Eltern jeden zweiten Tag mit hochrotem Kopf brüllten „räum dein schei*** Lego endlich auf“, heute als Vater, weiß ich verdammt gut warum sie das sagten. So manch Nagel im Fuß schmerzt nicht so sehr, wie hinterhältig platziertes Lego!

Aber damals wie heute liebte ich die bunten Klötzchen einfach zu sehr, um ihnen lange böse zu sein. Zudem gibt es ja nun seit Jahren eine schmerzlosere und witzige Art, seine Leidenschaft für das Jugendspielzeug zu bewahren. Sei es nun als tuntiger Klötzchen-Pirat, grimmig grunzender Klötzchen-Flattermann oder strahlender Marvel Held. Ihr habt es schon erraten: Alle diese Charaktere gibt es auch in Klötzchenform. Tja und wo wir schon dabei sind, genau um diese Gattung LEGO Game geht es heute. Wir haben LEGO Marvel Avengers für euch auf Herz und Baustein getestet und verraten euch, warum es leider nicht an die alte Tradition der guten LEGO Spiele anknüpfen kann und auch für Kids nur bedingt geeignet ist.

Vorgekaut ist halb verdaut: Die Story

Hey du! Ja du! Gamer! Du liebst charmante, witzige Storys! Du magst es überrascht zu werden, du willst nichts nachspielen sondern selbst entdecken? Dann solltest du dem Mann glauben, der vor dem Regal im Laden steht, wo LEGO Marvel Avengers auf dich wartet, wenn er sagt:

“Weitergehen … hier gibt es nichts zu sehen!”

LEGO MARVEL AVENGERS

Wo Avengers drin steht, ist auch 100% Avengers drin und damit meine ich NUR Avengers! Eine eigene Story? Viel schräger Humor? Dinge, welche ihr noch nicht kennt als Fans der Filme? Hier schreit ein Buzzer ganz laut „ÄÄÄÄHHHHHH“! Nicht doch, wer wird denn vom Plan abweichen wollen? Fast wirkt es so als habe Marvel/Disney den Jungs von Tt Games gesagt: „Keine Experimente meine Herren! Kein Humor der das Franchise ins Lächerliche zieht und bitte, bitte, bitte mit Zucker oben drauf, keine eigenen Ideen!“

So werdet ihr stur und steif durch die Abenteuer der beiden Hauptfilme geleitet. Ab und an dürft ihr auch Episoden aus den einzlenen Filmen der Avengers, wie etwa Captain America, Thor oder Iron Man anpacken, die damit ihre Solo-Auftritte haben. Auch hier gilt: streng nach Vorschrift. Anders wie das liebevolle Marvel Super Heros verzichtet man gänzlich auf eigene Geschichten oder witzige Storylines. Getreu dem Motto: „Steht so nicht im Plan“. Für Fans ist das sicher eine tolle Sache, aber gerade wenn man in den Passagen der offenen Welt, kleine erfundene Szenen erlebt, wünscht man sich doch mehr als nur dröges Nachspielen der Hollywood-Blockbuster.

Sicher hat man auch in anderen LEGO Titeln die Story nachgespielt, aber immer einen Freiraum gelassen, auch eigene Ideen und Interpretationen zu ermöglichen.

Klötzchen auf den Augen?

Optisch macht LEGO Marvel Avengers einiges her! Hochauflösende Texturen, flüssige Animationen und Plastik sieht jetzt auch wirklich wie Plastik aus. Hatte man bei früheren Ablegern, welche ebenfalls auf PS4 oder Xbox One veröffentlicht wurden, noch so seine Zweifel, kann man die Steinchen nun imaginär fühlen.

Auch die offene Spielwelt glänzt mit liebevollen Animationen und einer beachtlichen Weitsicht. Sicher darf man hier kein Leben wie in einem GTA erwarten, aber wenn ihr jemals LEGO City Undercover in den Händen hattet, wisst ihr, was euch erwartet.

Egal ob in den Menüs oder den Level selbst: Lichteffekte, Feuer, Rauch, Oberflächen und Zwischensequenzen, welche teilweise eins zu eins aus den Filmen umgesetzt wurden, verwöhnen das Auge. Vorbei ist der Pixelmatsch vergangener Tage, obwohl auch dieser seinen Charme hatte. Apropos Charme, der geht hier und da gewaltig flöten, wenn ihr auf dem Bildschirm ein buntes Treiben aus Lego Steinen habt, die Hintergründe aber mehr als echt aussehen. Nichts mehr mit „Alles aus Lego“, viemehr versucht man Realfilm-Hintergründe mit einzubauen. Grafisch macht es einen proffessionelleren Eindruck, aber irgendwie schadet es dem Flair gewaltig. Manchmal kommt es einem so vor als trifft Heavy Metal auf „Schöner Wohnen“! Als versucht man Mutter Beimer in ein Kleid von Heidi Klum zu stopfen. Ruckler, Aussetzer oder Grafikfehler haben wir übrigens vergeblich gesucht.

Jeden Tag zu Burger King?

Es soll Menschen, speziell der dominierenden Spezies Teenager, doch tatsächlich gelingen, jeden Tag bei den bekannten Fast Food Ketten essen zu gehen!? Neben der Frage, welche Eltern einen Esel im Keller haben, der Geld scheißen kann, damit man sich den überteuerten Matsch leisten kann, stellt sich mir eine andere Frage. Hat man nicht irgendwann einmal Lust auf etwas anderes? Kann der Mensch immer nur von ein und der selben Kost leben? Schmeckt man die Pappe denn nicht irgend wann einmal heraus?

Ähnlich ergeht es mir mit LEGO Marvel Avengers! Wie viele LEGO Games haben wir jetzt schon hinter uns? Star Wars, Indiana Jones, Jurassic Park, Batman, Harry Trottel….ähm Potter und natürlich dürfen die Marvel Helden nicht fehlen. Neben der Frage, was jetzt wohl als nächstes kommt, da sich die Franchisen langsam lichten, sollte man darüber nachdenken, was sich geändert hat!

Na wer kennt die Antwort? Naaaa? Wovon hat man jede Menge, kann es aber nicht sehen? Richtig! Garnichts! Genau das tut sich bei dieser Gattung Spiel! LEGO Dimensions spricht hier eine deutlich andere Sprache und geht in Sachen Gameplay und Rätsel neue Wege, gerade deshalb fühlte es sich so frisch an. Steigt man dann bei Avengers ein, wird einem unweigerlich klar: „Play it again Sam“!

Zerschlage, zerschmettere, zerschieße, vernichte und begatte jeden Gegenstand, quetsch das letzte Steinchen, auch liebevoll Nippel genannt, aus dem Gegenstand, sorge für Chaos! Wenn du nicht gerade einmal damit beschäftigt bist die Umgebung zu vernichten, kloppe und baller jedes böse Männchen auf dem Bildschrim ins Klötzchen-Nirwana! Das mag die ersten Minuten witzig sein, aber danach stellt sich dieses „Ich hab schon alles gesehen“-Gefühl ein!

Auch wenn ihr im freien Spiel, die kleinen und teilweise extrem anspruchslosen Rätsel lösen könnt, auch wenn man euch recht leblose Open-World Bereiche bietet, die ihr erkunden dürft, auch wenn ihr über 200 Figuren freispielen könnt, der Funke springt einfach nicht wirklich über! Das Gameplay ist mittlerweile so abgenutzt wie die Damen im ältesten Freudenhaus Hamburgs! Denen kann man auch ein neues „Spielzeug“ für ihren Job bieten, bei LEGO Marvel Avengers nennt sich das Koop-Angriffe, aber wirklich besser wird es davon nicht.

Spielt ihr mit einem Kumpel an einem Bildschrim, ja ihr hört richtig, wieder verzichtete man auf einen Online-Koop, dürft ihr auch gern mal zusammen Gegner in ihre Klötzchen-Einzelteile zerreißen! Aber auch das funktioniert nur bedingt und an wenigen Stellen. Teilweise kommt man sich als Koop-Partner nutzlos vor und steht nur daneben!

Besonders „interessant“ wird es, wenn eure neun Jahre alte Tochter die Fetzen fliegen lässt, ihr daneben sitzt und euch fragt, wofür stehe ich überhaupt hier? :)



Letzten Endes habt ihr es im Kapitel Story schon gelesen: Ihr spielt stur die Filme nach und tut das, was man in einem LEGO Titel so tut. Wen das noch nicht ermüdet, den bewundere ich, bei mir ist der Ofen endgültig kalt. Nebenbei muss ich auch sagen, dass in dem Game so viel auf massive Action, Kämpfen und Ballern gesetzt wird, das Kreativität, Humor und Phantasie völlig im Gully versickern. Wenn deine Kids, dann nur noch ballernd und zerstörend durch die Level ziehen und der Kleinste, der auch mal bei LEGO zuschauen wollte, nur noch „Piuu piuuu piuuu“ von sich gibt, merkst du als Vater, hier läuft was schief. LEGO steht nicht für grenzenloses Ballern und Chaos am Bildschrim!

Von „S“ wie Score über Soundeffekte bis hin zur Synchronisation

Tja was soll man zum Thema Sound schreiben? Tiefgründige Dialoge werdet ihr nicht finden, es ist ein LEGO Game und basiert dazu noch auf Hollywood-Filmen über Comics! Im englischen Original ist LEGO Marvel Avengers ein kleines Meisterwerk, denn fast alle Figuren haben ihre realen Sprecher, teilweise wurden die Dialoge direkt aus den Filmen übernommen. Das ist Fan-Service und wirklich liebenswert. In unserer Muttersprache jedoch klingt das Schaf anders, wenn der besoffene Engländer im Stall ist!

Zwar erwarten euch auch hier die bekannten Dialoge aus dem Film, jedoch oftmals von recht lustlos wirkenden Synchronsprechern vertont. Beim Hulk fällt das weniger auf, aber wenn Iron Man nicht die typische Stimme von Robert Downey Jr. hat oder Nick Fury eher wie ein Media Markt Verkäufer klingt, irritiert das einfach. Besonders merkwürdig wirkt es auf einen, da man die Dialoge aus den Filmen kennt und jetzt nochmal hört, wodurch das das Ganze sehr befremdlich klingt.

Hintergrundmusik und Geräuschkulisse sind aber wieder auf top Niveau und ich denke keinem geht es wirklich darum, was LEGO Männchen sagen, vielmehr darum was sie tun. Schon das Menü lädt mit dem offiziellen Avengers Score zum Reflektieren des Films ein.