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Legend of Zelda: Twilight Princess HD im Test

Mit The Legend of Zelda: Twilight Princess HD wird der fast 10 Jahre alte GameCube- und Wii-Klassiker neu aufgelegt: Doch handelt es sich hierbei auch um ein gelungenes Remaster? Und hielt Links zwielichtiges Abenteuer dem Lauf der Zeit stand?

Als Next Gamer vor fast 10 Jahren an den Start ging, gehörte Zelda: Twilight Princess zu den ersten Spielen, die wir testeten. Damals bezeichneten wir es als „Meisterwerk“, welches wie ein „Ocarina of Time Deluxe“ wirke, aber mit seiner evolutionären statt revolutionären Ader manch einen Fan etwas enttäuschen könne. Im Bereich der 3D-Zeldas sei es – pathetisch ausgedrückt – die zweite Liebe nach Ocarina of Time: „Bei der zweiten Liebe sind die Gefühle bereits vertraut, wo sie bei der ersten noch unglaublich spannend und vollkommen unvergesslich waren – die zweite Liebe kann noch so gut sein, doch wird man sich immer an die erste erinnern. “

Ganz schön gefühlsduselig. Ein Jahrzehnt später bringt Nintendo Twilight Princess erneut auf den Markt: Diesmal grundüberholt mit neuen Texturen, knackiger 1080p-Auflösung und kleinen Gameplay-Änderungen im Detail. Ist das genug, um im Jahre 2016 noch zu bestehen – oder nagte der Zahn der Zeit erbarmungslos an Links Abenteuer? Stimmen wir unserer – blutjungen und unerfahrenen – Vergangenheit noch immer zu oder stellen wir heute andere Anforderungen?

Eingefleischten Zelda-Fans liegt zunächst jedoch eine gänzlich andere Frage auf der Zunge: Lohnt sich der Neukauf, wenn man Twilight Princess bereits kennt? Um es kurz und schmerzlos zu machen: Die Antwort ist ein entschlossenes — vielleicht.

Gelungene Verbesserungen treffen auf neue Probleme

Zelda: Twilight Princess HD ist ohne Zweifel die definitive Version des Klassikers. Knackiges 1080p sorgt für ein kristallklares Bild und die Texturen, die auf Wii und GameCube oftmals zu undefinierbarem Matsch verkamen, wurden neu gezeichnet und erstrahlen nun detaillierter als je zuvor: Hier haben die australischen Entwickler von Tantalus eine tolle Arbeit abgeliefert. 60 Bilder pro Sekunde gibt es zwar nicht, aber dafür wird das Ziel von 30FPS (fast) ohne Ausnahme erreicht. Lichteffekte wurden behutsam überarbeitet, dennoch wirkt Twilight Princess HD im Vergleich zu aktuellen Titeln etwas flach beleuchtet. Eine Orchestrierung des Soundtracks sparte man sich zwar, dennoch können sich Zelda-Fans mit gutem Gehör darüber freuen, dass die qualitativ schwachen MIDIs der Originalversion durch besser klingende ersetzt wurden.

Das Gameplay blieb hingegen weitestgehend unberührt: In einigen Gebieten müssen in der Twilight Realm ein paar Tropfen Tränentau weniger gesammelt werden, Besitzer des Wolf-Link-Amiibos können in Wolfsform eine neue Heraussforderungshöhle bestreiten, die Menüführung wurde etwas überarbeitet und erfahrene Spieler können im neuen Hero-Mode durchstarten. Hier teilen Monster stärker aus, während gleichzeitig in der Spielwelt keine Herzchen zu finden sind, die eure Lebensenergie wieder auffüllen könnten. Alles in allem sind die Neuerungen aber kaum der Rede wert: Wer auf signifikante Zusatzinhalte oder Verbesserungen hoffte, wird enttäuscht.




Im beschaulichen Dörchen Odon beginnt Twilight Princess HD: Der kontroverse Anfang des Spiels, der einigen Spielern zu langsam ist, wurde übrigens nicht überarbeitet.

Etwas mehr Sorgen bereitet die überarbeitete Steuerung: Wie Produzent Eiji Anonuma in einem Interview mitteilte, lag es ihm am Herzen die Schwimmsteuerung zu überarbeiten. Diese ist in der Neuauflage tatsächlich besser gelungen als in der Vergangenheit. Jedoch wurde auch das Reitverhalten des Pferds Epona überarbeitet — und das nicht zum Guten. Links treues Ross steuert sich deutlich schwerfälliger und zickiger: Reiten macht dadurch deutlich weniger Laune. Auch die freibewegliche Kamera steuert sich etwas träger als in der GameCube-Fassung und macht einen etwas schwammigen Eindruck. Zelda: Twilight Princess HD weist zudem keine Unterstützung für Wiimote und Nunchuck auf: Links Schwertkunst kann also nicht durch Bewegungen gesteuert werden — kein großer Verlust. Schleuder, Bogen und Co. unterstützen erfreulicherweise hingegen die Bewegungssensoren des GamePads, was beim genauen Anvisieren zur Hilfe kommt.

Auch ein Jahrzehnt später ein Hit?



Na gut, so kurz und schmerzlos war das gar nicht. Doch kommen wir zurück zur Eingangsfrage: Wie schlägt sich Zelda: Twilight Princess 10 Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung?

Damals wie heute sticht das Leveldesign besonders positiv hervor: Twilight Princess bietet nicht nur eine angemessene Anzahl an Dungeons, jeder von ihnen ist zudem auch enorm gut gestaltet. Ob der obligatorisch gefürchtete Wassertempel, die famose Eisvilla mit ihrem überraschenden Twist oder der Ausflug in die Wolkenwelt Hyrules: Das Dungeon-Design in Twilight Princess ist noch heute Zelda-Referenz. Kein anderes (3D-)Zelda bietet Tempel von einer solch konstant hohen Qualität. Dasselbe gilt für die Bosse, die zwar selten herausfordernd sind, aber fast immer cleveren Gebrauch von Links Repertoire fordern und episch inszeniert sind.

Wenn man einen Dungeon verlässt und die Oberwelt erkundet, zeichnet sich jedoch ein etwas anderes Bild ab: Die Klippenlandschaft Hyrules wirkt stellenweise recht trostlos und karg. Auf vielen Feldern herrscht gähnende Leere, wirklich interessante Geheimnisse entdeckt man abseits des Pfades nur selten. Dies passt einerseits zur etwas düsteren Geschichte, die Twilight Princess erzählt, gerät aber enttäuschend, wenn man vergangene Zelda-Spiele für ihre lebendigen Welten liebte. Es mangelt zudem an motivierenden Belohungen für Sidequests und das Erkunden der Welt: Auch nach 20 Jahren Zelda-Geschichte fand Nintendo noch keine besseren Rewards als leere Flaschen und große Herzteile: Dass man in Twilight Princess von letzteren für einen neuen Herzcontainer fünf statt den obligatorischen vier Teilen sammeln muss, macht die Sache nicht motivierender.



Die Geschichte und Charaktere von Twilight Princess sind in vielerlei Hinsicht merkwürdig inkonsistent: Während die Designs von Link, Zelda, Midna, Zant, Ganondorf und Co herausragend gelungen sind, wirken viele Nebencharaktere hässlich, wenn nicht geradezu abstoßend. Das gilt auch für die Charakterisierungen: Links zwielichtiger Sidekick Midna gehört mit ihrer frechen und mysteriösen Art, bei der man sich nie ganz sicher sein kann, ob sie nun Freund oder Feind ist, absolut zu Recht zu den beliebtesten Charakteren der gesamten Zelda-Franchise. Auf der anderen Seite stehen Charaktere wie Links Kindheitsfreundin Illya oder Odons Kindersippe, die entweder komplett blass bleiben oder geradezu unsympathisch bis nervig sind. Andere Charaktere – etwa der Hyruler Widerstand – werden aufwendig eingeführt, nur um für den Rest des Spiels keine nennenswerte Rolle zu spielen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Geschichte von Zelda: Twilight Princess oftmals etwas ziellos verläuft.

Die titelgebende Twilight Realm und Wolf-Link verlieren im Verlauf des Spiels zudem zunehmend an Bedeutung: Die atmosphärische Schattenwelt ist schnell aus Hyrule verbannt ohne dass man etwas wahrlich interessantes in ihr veranstaltet hätte, das über das Sammeln von Tränentau hinausgehen würde. Hier war mehr Potential vorhanden, welches man leider nicht zu nutzen wusste.

The Legend of Zelda: Twilight Princess HD ist ein ausgezeichnet gelungenes Remaster, das den Wii- und GameCube-Klassiker behutsam überarbeitet und dank neuer Texturen und feinster 1080p-Auflösung so gut aussehen lässt wie noch nie zuvor. Mit bedeutsamen spielerischen Änderungen hielt man sich aber vornehm zurück: Wer Twilight Princess bereits vor 10 Jahren nicht mochte oder es langweilig findet, Spiele ein zweites Mal durchzuspielen, kann den Titel getrost im Händlerregal liegen lassen. Alle anderen freuen sich über ein Zelda-Spiel, welches trotz einiger Macken auch heute noch mit den besten Dungeons und dem coolsten Sidekick der Reihe aufwarten kann.