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Ilios: Das taktische Brettspiel im Test

Mit Ilios landete gerade ein neues taktisches Brettspiel in der Spieleschmiede. Das englischsprachige Original wurde hingegen über Kickstarter finanziert. Wir haben einen Prototypen schon ausführlich ausprobieren können. Im folgenden Artikel lest ihr von unseren Erfahrungen.

Abstrakte Brettspiele haben es nicht gerade leicht in der Fangemeinde der Spieler. Vielleicht hat sich Ilios deshalb auch die griechische Mythologie als Rahmenhandlung herausgepickt. Die Spieler übernehmen die Rollen der griechischen Sagenfiguren Hector, Achilles, Paris und Agememnon. Allerdings kommt das Thema nicht wirklich zum Tragen. Illios versucht vielmehr durch seine Spielmechanik zu überzeugen und erinnert schon fast an alte Klassiker wie Mühle, Schach oder Dame.

Einfache Regeln, anspruchsvolles Spiel

Auch das Spielfeld erinnert an alte Brettspiel-Größen. Ein Spielbrett mit 6×6 Feldern genügt. Spezialfelder oder sonstiger Schickschnack? Fehlanzeige. Ilios bietet lediglich die Möglichkeit, das Spielfeld auf eine 4×4-Felder-Arena zu verkleinern. Für den Einsieg ist das auch gar nicht schlecht, um mit dem Spiel vertraut zu werden. Auch ein schnelles Spiel lässt sich mit dem kleinen Feld rasch über die Bühne bringen. Für epische Kämpfe hingegen wählt ihr natürlich das große Schlachtfeld aus.

Die Vorbereitungen für eine Partie sind schnell getroffen. Zunächst legen die Spieler bis zu vier Eisenwaffen aus. Sie werden durch Plättchen dargestellt und sind zu Spielbeginn neutral. Im Spielverlauf können die Spieler die Waffen einsammeln, um damit wertvolle Punkte zu ergattern.

Schicke deine Krieger in die Schlacht

Jetzt kommen die Krieger-Plättchen ins Spiel. In Ilios gibt es sieben unterschiedliche Krieger-Typen. Jede von ihnen ist siebenmal im Spiel vorhanden. Als Kriegsherr bedient ihr euch dabei immer aus dem allgemeinen Vorrat. Zu Beginn habt ihr drei Krieger auf der Hand und zieht immer ein Plättchen nach, wenn ihr einen Zug gelegt habt. Durch das verdeckte Ziehen der Krieger-Plättchen entsteht so auch ein gewisser Glücksfaktor.

Ilios Brettspiel 01

Viel mehr Material ist zum Spielen nicht nötig. Lediglich 24 Holzscheiben pro Spieler liegen der Packung bei, die anzeigen, welche Felder und Plättchen von den einzelnen Kriegsherren beansprucht werden.

Ein griechischer Krieger setzt sich üblicherweise mit einem Speer zu Wehr. Es gibt Krieger-Plättchen mit einem, zwei, drei, vier oder gar acht Speeren, die jeweils in unterschiedliche Richtungen zeigen. Der Krieger mit den acht Speeren zeigt entsprechend auf alle umliegenden Felder. Beim Legen eines Kriegers gibt es eine wichtige Regel zu beachten. Mindestens ein Speer des Kriegers muss entweder auf einen feindlichen Krieger zeigen oder aber auf eine noch nicht besetzte Eisenwaffe.

Schnelles Holzscheiben-Geschiebe

Legt ihr ein Plättchen, das mit dem Speer auf einen feindlichen Krieger zeigt, dann entfernt ihr die Holzscheibe des Gegners und belegt den attackierten Krieger mit einer eigenen Holzscheibe. So wird aus dem feindlichen Feld nun ein eigenes Plättchen. Soweit, so einfach. Belegte Felder auf dem Spielbrett bringen euch allerdings noch keine Punkte ein. Dies geschieht erst, wenn es zur Plünderung kommt.

Dieser Fall tritt jedoch erst ein, wenn ein Plättchen komplett eingeschlossen wird. Ein Plättchen kann dabei entweder von anderen Plättchen, Holzscheiben oder aber dem Spielfeldrand umschlossen sein. Der aktuelle Besitzer darf das umschlossene Plättchen jetzt vom Spielfeld nehmen und hat nun Siegpunkte gesammelt. Eine so geplünderte Eisenwaffe wird mit zehn Punkten honoriert. Für ein geplündertes Kriegerplättchen gibt es pro Speer je einen Punkt.

Ilios Brettspiel

Bei der Plünderung spielt es allerdings keine Rolle, ob der Spieler gerade aktiv ist oder nicht. Umschließt ihr mit einem Krieger ein feindliches Plättchen, das im gleichen Zug nicht umgewandelt wird, dann darf sich euer Gegner über ein paar Punkte freuen. Das macht das Legen von Kriegern zu einer nicht immer ganz einfachen Angelegenheit. Es lohnt sich durchaus ein wenig vorausplanend zu agieren, was Ilios eine taktische Tiefe verleiht. Wird ein Plättchen vom Spielfeld entfernt und der Beute zugefügt, bleibt die Holzscheibe auf dem Brett liegen. Diese Felder können ab sofort nicht mehr mit weiteren Kriegern belegt werden.

Dadurch wird das Spielfeld immer kleiner und die Optionen für die Spieler werden geringer. Das Spiel endet, sobald sämtliche Felder belegt sind. Dann zählt jeder Spieler seine Beute-Punkte zusammen. Gibt es hier einen Gleichstand, dann gewinnt der Spieler, der die meisten Felder auf dem Spielbrett belegt hat.

Ilios eignet sich wunderbar als Zwei-Personen-Spiel. Vielleicht ist es in dieser Variante sogar am besten. Das Spiel enthält jedoch auch genügend Material, um vier Spieler an einer Partie teilhaben zu lassen. Hier ist der Chaos-Faktor etwas größer. Habt ihr ein paar Grübler mit am Tisch, könnte auch die Wartezeit auf euren Zug etwas lang werden.

Wenn euch die Abstraktheit von Ilios nicht stört, dann erwartet euch ein echter Taktik-Kracher. Die Regeln sind erschreckend einfach. Trotz umfangreicher Bebilderung umfasst das Regelwerk beim Prototyp gerade einmal zwei Seiten. Auch das Material wirkt fast schon spartanisch. Die ebenso einfache wie geniale Mechanik ist das große Plus von Ilios. Taktikfüchsen sei dieser Titel auf jeden Fall ans Herz gelegt.