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Final Fantasy Explorers im Test

Final Fantasy Explorers sagt dem Rollenspielgenre Lebewohl und wandert stattdessen auf den Pfaden von Hunting-Games wie Monster Hunter. Womit sich Explorers von der Konkurrenz abhebt und eigene Akzente setzt und weshalb es trotzdem nicht vollends überzeugen kann.

Konnte sich der DS vor Final Fantasy-Spin-Offs und -Remakes kaum retten, hält sich Japans vielleicht beliebteste Rollenspielmarke auf dem 3DS bislang vornehm zurück. Unter dem Theatrythm-Banner bekamen wir zwei hervorragende Rhythmusspiele spendiert, die die tolle Musik der Final Fantasy-Saga zelebrieren, doch darüberhinaus blieb es finster. Mit Final Fantasy Explorers bekommen 3DS-Besizter nun neues FF-Futter spendiert: Wer auf traditionelle RPG-Kost hofft, sieht sich jedoch erneut enttäuscht. Stattdessen wagt Square Enix einen Abstecher in das seit Monster Hunter enorm populäre Hunting-Genre.

Flottes Gameplay statt ausufernde Story

Muss man in Monster Hunter eine überschaubare Anzahl an Moves meistern, um schließlich in technisch anspruchsvollen Kämpfen mit viel Ausdauer und Padbeherrschung ein gigantisches Monster zu schlachten, präsentiert sich Final Fantasy Explorers als ein leichtzugänglicher Vertreter des Genres: Mit einem hohen Spieltempo, einer Unmenge an Skills und einem Gameplay, das technisch weniger verlangt als das Capcom-Gegenstück, könnte Final Fantasy Explorers somit auch für diejenigen interessant sein, die Monster Hunter als zu langwierig empfinden.

Wer bei Final Fantasy sofort an verworrene Geschichten voller Melodramatik denkt – ich liebe verworrene Geschichten voller Melodramatik – und erwartet, dass auch Final Fantasy Explorers von einer prominenten Geschichte zusammengehalten wird, täuscht sich: Die Geschichte der Insel Amostra, der Eidolons und einer mysteriösen Kristallsäule in der Mitte des Eilands passt in ihrer Gänze auf eine Briefmarke. Sie existiert, nimmt aber keine prominente Stellung ein – im Sammelsurium der Quests mag manch einem gar nicht auffallen, dass hin und wieder auch eine Story erzählt wird. Bei Final Fantasy Explorers steht die Action im Vordergrund.

Seine Würze entnimmt Final Fantasy Explorers dabei dem bekannten Jobsystem, das sich seit Final Fantasy V größter Beliebtheit erfreut. Nach und nach können insgesamt 20 verschiedene Jobs – vom kampflustigen Mönch über den effektfreudigen Schwarzmagier bis hin zum flinken Ninja – freigeschaltet werden, die allesamt ihre ganz eigenen Stärken, Schwächen und Skillsets besitzen. Experimentierfreudige Naturen können somit immer neue Spielstile ausprobieren und bekannte Final Fantasy-Ungetümer auf unterschiedlichste Art vermöbeln.

Final Fantasy-Helden wie Cloud und Lightning feiern ein spielbares Cameo.
Final Fantasy-Helden wie Cloud und Lightning feiern ein spielbares Cameo.

Wenn man gerade keine Fantasywesen kloppt, kann man im beschaulichen Dorf Liberta aus gefundenem Loot neue Rüstungen und Waffen craften, Monster als Kampfbegleiter züchten oder neue Skills und Spells kaufen. Letztere spielen in den Kämpfen eine entscheidende Rolle: Bevor man eine Mission betritt, kann man bis zu acht verschiedene Skills ausrüsten, welche nicht nur das ganze Spektrum der Rollenspiel-Rafinessen abdecken, sondern MMO-like auch Cooldown-Timer besitzen. Wer in der Schlacht gut abschneiden will, sollte also darauf achten, nicht nur die stärksten Offensiv-Skills auszurüsten, die zwar ordentlich reinhauen, aber eine geschlagene Minute verstreichen lassen, bevor man sie wieder einsetzen kann. Auch Buffs und Co sind für einen wahren Entdecker natürlich Pflicht.

Vielschichtig und simpel zugleich

Final Fantasy Explorers bietet zwar eine Vielzahl an Systemen, doch jedes ist simpel und verständlich gestaltet: Für Monsterjäger, die die Jagd lässig angehen lassen wollen, ideal. Auch die Kämpfe gegen die großen und kleinen Monster der beschaulichen Insel sind zumeist schnell erledigt. Gut für diejenigen, die auf eine Runde zwischendurch aus sind, doch bringt dies auch eine Kehrseite mit sich: Schnellt bei Monster Hunter der Puls beim Anblick eines fetten Monsters in die Höhe und wird man nach einem ewigwährenden Kampf mit einem unheimlich befriedigenden Gefühl belohnt, bleiben diese Momente der Extase bei Final Fantasy Explorers aus. Final Fantasy Explorers ist vergleichsweise simpler, monotoner Spaß: Ein kleiner Snack für zwischendurch, der aber nicht so nahrhaft ist wie die auf gesund getrimmte Verpackung suggeriert.



Genre-üblich legt auch Final Fantasy Explorers einen großen Fokus auf Mehrspieleraction: Online kann man sowohl mit Freunden wie auch mit Fremden in die Schlacht ziehen, um in einer Party kleine Chocobos zu streicheln (lies: kaltblütig zu Hühnerbrust verarbeiten) oder große Eidolons zu schlachten. Das Jobsystem des Spiels findet hier zu wahrem Glanz, da die verschiedenen Klassenkombinationen einer Party viele neue taktische Möglichkeiten eröffnen. Damit es nicht zu einfach wird, richtet sich die Stärke der Gegner übrigens nach der Spieleranzahl. Als Belohnung steigt in Gruppen die Chance gutes Loot zu erhalten (Streit um Loot ist ausgeschlossen: Jeder Spieler erhält seine eigenen Belohnungen). Wer keine Lust auf Online-Partien hat, kann sich seine Wunschmonster züchten und mit diesen in den Kampf treten: Das hat ebenfalls seinen ganz eigenen Charme.

Optisch gerät Final Fantasy Explorers enttäuschend: Die 3D-Funktionalität des 3DS wird nicht unterstützt, die Umgebungsgrafik ist karg und pixelig. Da hat man auf dem kleinen Nintendo-Handheld bereits Besseres gesehen. Der Soundtrack plätschert vor sich hin ohne besondere Tiefen oder Höhepunkte aufzuweisen. Eine deutsche Lokalisierung sparte man sich zudem, europäische Zocker müssen mit englischer und französischer Sprache vorlieb nehmen. Wer sein Schulenglisch durchschnittlich beherrscht, sollte in Explorers allerdings bereits problemlos zurechtkommen.

Final Fantasy Explorers ist nicht mehr als eine interessante Randnotiz des FF-Universum: Das Universum der beliebten RPG-Saga mit dem Hunting-Genre zu kreuzen, hat großes Potential, doch Explorers versprüht stets den Charme eines Spiels, das weit mehr aus sich hätte machen können. Was bleibt, ist simpler Actionspaß mit dem kultigen FF-Jobsystem, das zugänglicher als manch ein Genre-Kollege daherkommt, aber umso schneller ein Gefühl der Monotonie verbreitet.