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Banner Saga 2: Das Taktik-Rollenspiel im Test

Nicht immer ist ein großartiges Budget nötig, um ein großartiges Spiel zu entwickeln. Die Jungs und Mädels von Versus Evil haben dies nun zum zweiten Mal beweisen können. Das kleine Entwicklerstudio ließ sich den Auftakt des rundenbasierten Strategierollenspiels über die Onlineplattform Kickstarter finanzieren – und das mit überragendem Erfolg. Nicht nur die hohen Verkaufszahlen, sondern vor allem die rege Community zeigt überdeutlich den Bedarf an einer Fortsetzung der spannenden Geschichte um Rook, Alette und ihren Clan. Jetzt ist es endlich soweit…

Quereinsteiger verpassen die Hälfte

Die Geschichte des zweiten Teils knüpft unmittelbar am Ende des ersten Teils an. Es empfiehlt sich daher dringend zunächst den ersten, sehr gelungenen Teil der Saga, durchzuspielen um die teils komplexen Handlungsstränge miteinander verbinden zu können. Zwar wird zu Beginn ein Video eingeblendet, welches in kurzen Worten den bisherigen Storyverlauf wiedergibt. Dieses dient jedoch in erster Linie zum Auffrischen des bereits erlebten. Die einzelnen Details und vor allem die Protagonisten des Spiels werden dort nicht oder nur ungenügend vorgestellt.

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Westwärts zu den schützenden Mauern

Die fieberhaft wartenden Fans des Strategiespiels können beruhigt und erwartungsvoll dem anstehenden Release gegenüberstehen. Am Spielverlauf von Banner Saga hat sich freilich nichts geändert. Nach wie vor zieht es den aus der Heimat vertriebenen Clan immer weiter fort aus den bekannten Gefilden. Das Ziel ist die Hauptstadt der Menschen. Aberrang steht als Symbol der Hoffnung in der zerstörten Welt und ist zugleich die letzte Hoffnung auf Sicherheit in der gebeutelten, von nordischen Sagen inspirierten Fantasywelt. Von der Geschichte als solcher soll an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten werden. Wie bereits im ersten Teil gestaltet sich diese hoch spannend, abwechslungsreich und geht bereits in den ersten Minuten hochdramatisch in die Vollen. Erneut hat der Spieler die Kontrolle über zwei verschiedene Schlachtzüge. Die hochspezialisierten Ravens, hartgesottene Söldner die unter der Leitung des Varls Bolverk auch vor einem Kampf in Unterzahl nicht zurückschrecken, sowie die verängstigten aber rüstigen Flüchtlinge, die von Waldläufer Rook und dem baumhohen Varl Iver angeführt werden.

Liebevoll und schlicht gehaltene Optik

Das optische Gewand von Banner Saga kann natürlich nicht mit der Grafik der modernen Blockbusterproduktionen mithalten. Dennoch haben es die Entwickler verstanden ein sehr ansehnliches, schlichtes, aber liebevoll gestaltetes Grafikgerüst zu kreieren. Die Geschichte wird in kurzen teilanimierten Comicstrips vorangetrieben. Auch Spielgrafik als solche präsentiert sich bunt, detail- und abwechslungsreich.

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Schwerwiegende Entscheidungen

Die besondere Faszination von Banner Saga geht vor allem von seinem düsteren Szenario aus. Bereits von den ersten Minuten an wird der Spieler durch weitreichende Entscheidungen mitten ins Spielgeschehen gezogen. Die einzelnen Optionen sind sorgfältig abzuwägen. Einmal getroffen, stehen diese samt den damit verbundenen Folgen unwiderruflich fest. Ein erneutes Laden des alten Spielstandes ist nicht möglich. Das Spiel speichert automatisch und überschreibt weiterhin den bisherigen Spielfortschritt. Auf diese Weise wird der Spieler gezwungen mögliche Konsequenzen genau abzuwägen. Eine mehr als spannende Angelegenheit, die mit fortschreitendem Spielverlauf nicht unbedingt einfacher wird. Schließlich wachsen uns die Protagonisten nach und nach ans Herz.

Auf in den Kampf

Die Kämpfe laufen wie gewohnt rundenbasiert ab und sind, wie bereits im Vorgänger, selbst auf dem Schwierigkeitsgrad normal sehr fordernd. Nur wer die spezifischen Stärken und Schwächen der Menschen und Varl einzusetzen weiß, wird den Großteil der Kampfschauplätze als Sieger verlassen. Grundsätzlich werden im Gefecht zwei verschiedene Werte unterschieden: Die Stärke und die Rüstung. Erstere bestimmt nicht nur die Kraft mit der ein Krieger zuschlagen kann, sondern auch seine Lebensenergie. Sinkt diese auf null gilt der Kämpfer als besiegt und sinkt bewusstlos zu Boden. In den folgenden Scharmützeln ist dieser stark geschwächt und erhält entsprechende Abzüge auf den Stärkewert. Es empfiehlt sich daher, angeschlagene Menschen und Varl zu schonen bis sie sich wieder erholt haben. Die Rüstung hingegen wird dem Stärkewert gegenübergestellt. Ist die Rüstung höher als der Stärkewert, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf einen Treffer. Zugleich bestimmt die Differenz aus Stärke und Rüstung den verursachten Schaden.

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Das ist doch Zauberei

Abseits der statistischen Werte besitzt jeder Krieger spezielle Sonderfertigkeiten. So kann die Schildmaid beispielsweise die Rüstung aller umstehenden Verbündeten erhöhen und das Blocken von Angriffen für ihren Schützling übernehmen. Der Magier Eyvind hingegen kann seinen Feinden mit durchschlagskräftigen Blitzangriffen aus der Ferne zusetzen. Der Schaden des „Menders“ – so werden die Magier in Banner Saga genannt – ist, sofern die Zauber klug eingesetzt werden, ungleich höher als die der Kämpfer. Sollte dem Feind jedoch ein Durchbruch gelingen, stehen Magier, Bogenschützen und Unterstützer relativ hilflos dar.

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Schützender Barrikaden

Zu Beginn des Kampfes habt ihr die Gelegenheit, eure Einheiten entsprechend zu positionieren. Idealerweise sind Krieger mit hohen Rüstungswerten an die Front zu stellen. Bogenschützen, Magier und unterstützende Skalden gehören hingegen in die hinteren Linien. Um ein Vorpreschen der Feinde zu verhindern, sollten Hindernisse wie Fässer oder Palisaden taktisch klug eingesetzt werden. Erst wenn diese aus dem Weg geräumt sind, werden die sperrigen und durchschlagkräftigen Dredge zu einer Bedrohung.