
Manchmal, wenn auch nur selten, gibt es diese Momente, in denen selbst erfahrene Videospiel-Veteranen noch überrascht werden. Da schleicht sich unter all die optisch beeindruckenden Shooter und partytauglichen Kinect-Hits doch noch eine kleine Perle, deren schwacher Glanz es verdient, entdeckt zu werden. Die uns trotz oder gerade wegen ihrer schlichten Grafik mitsamt der bestechenden Atmosphäre einfach umhaut. Doch Limbo kann noch mehr als das. Sicherlich hat das Downloadspiel nicht gerade viel mit dem aktuellen Horror-Knaller Dead Space 2 gemein. Und doch gab es Momente, da lief mir ein ähnlich starker Schauer über den Rücken wie bei meinem Überlebenskampf mit Isaac Clarke.
- Am Ende der Welt -
Das Bild ist völlig verdunkelt. Ich blinzele, um zumindest ein paar verschwommene Schemen zu deuten, die erahnen lassen, was noch auf mich wartet, und das ist nichts Positives. Vom fröhlich-bunten Pilzkönigreich eines gewissen Klempners ist diese verlorene Welt so weit entfernt wie Link und Ganondorf von einer innigen Freundschaft. Inmitten der Finsternis errate ich Objekte wie Baumwipfel, Äste, vielleicht noch vereinzelte Grashalme, die trotz ihrer Leblosigkeit anmuten, etwas Bedrohliches heraufzubeschwören. Die einzige Farbe, die sich zum übermächtigen Schwarz gesellt, ist ein stechendes Weiß, dessen Dunst alles Leben zu verschlingen scheint und die Sonne völlig wegschließt. Das flackernde Bild macht mich nervös. Verwirrt drücke ich ein paar Tasten meines Controllers, um zu sehen, ob das Spiel schon begonnen hat, denn ich wurde ohne Intro oder Cutscene in die völlige Isolation entlassen. Und siehe da, nach wiederholtem Knöpfchendrücken erscheinen zwei winzige weiße Punkte und inmitten der Düsternis erhebt sich ein schwaches Männlein. Steh schon auf, denke ich, wir müssen hier weg, und wir beeilen uns besser, denn mich hat längst ein unwohles Gefühl beschlichen. Der Held entpuppt sich als schmächtiges Kind, das keine Waffe bei sich trägt und der bedrohlichen Einöde um sich herum schutzlos ausgeliefert ist. Zaghaft laufe ich los, meine einzige Hilfe im Überlebenskampf ist die Sprungtaste. Nach kurzer Zeit renne ich fluchtartig ins Nirgendwo, umgeben von einer farblosen Welt, um herauszufinden, wo ich gelandet bin. Dabei lässt es der Name es schon erahnen: Limbo, der Limbus, ein Vorraum der Hölle für Seelen, die nicht in den Himmel dürfen.
